Unworte

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Succo auf Pixabay

Hier möchte ich auf Worte eingehen, die pauschalisieren. Worte, die geeignet sind sich einer Frage inhaltlich nicht zu stellen, sondern Menschen oder Organe im vor herein zu diffamieren.

1. Lügenpresse (Unwort des Jahres 2014)

Gibt es Lügen in der Presse? Die Antwort kann nur lauten: aber sicher. Journalisten machen sich oft nur durch Weitergabe von falschen Informationen schuldig, weil sie Angaben, die in ihr Weltbild passen, nicht genügend hinterfragen. Aber falsche Angaben in einem Presseorgan macht dieses Medium nicht zu einem Lügenorgan und schon gar nicht wird dadurch die Presse allgemein zu einer Lügenpresse. Um sich der Auseinandersetzung mit unangenehmen Argumenten zu entziehen ist es hilfreich die Presse allgemein als Lügenpresse zu diffamieren. Dieses Wort hat auch seine unschöne Historie im ersten Weltkrieg und im Nationalsozialismus.

2.Wutbürger (leider kein Unwort eines Jahres)

Dieses Wort ist in den letzten Jahren in der Presse aufgekommen. Dieses Wort diffamiert Menschen, die empört sind. Es wird nicht zuerst gefragt, ob diese Menschen ein berechtigtes Anliegen haben. Das Wort ist damit geeignet Menschen schlecht darzustellen, bevor man mit der inhaltlichen Auseinandersetzung überhaupt beginnt. Das Wort ist geeignet Proteste jeder Art zu diffamieren. Es hat damit eine klare undemokratische Wirkung. Unser Grundgesetz erlaubt Proteste, wie Demonstrationen, ausdrücklich.

3.Verschwörungstheoretiker

Sicher gibt es Menschen, die an haltlosen Verschwörungstheorien glauben, die diese sich auf einer dünnen Datenbasis aufbauen.

Leider gibt es echte Verschwörungen: Mir fällt kein Krieg in den letzten hundert Jahren ein, der nicht mit kleinen oder größeren Lügengebäuden (Verschwörungen) begonnen wurde. Menschen als Verschwörungstheoretiker zu bezeichnen, entbindet einen, diese Theorie wirklich zu widerlegen. Natürlich kann man sich auch nicht mit jeder dieser Theorien beschäftigen, sie einfach zu diffamieren ist trotzdem falsch.

Es gibt auch viele andere Worte, die missbräuchlich benutzt werden. Nur bei diesen Worten ist die missbräuchliche Verwendung in der Regel nicht schon im Wort selber angelegt. Negativbeispiele finden sich im Artikel „Wutbürger, Verschwörungstheoretiker, Wissenschaftsfeindlichkeit, Antisemitismus“ im 2.Abschnitt „Wer sind die neuen Wutbürger?„, der auch im Braunschweig-Spiegel veröffentlicht wurde.

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