Ist das neue Braunschweiger Kraftwerkskonzept zukunftsfähig?

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Heizkraftwerk Mitte. Foto: BS-Energy

Nach Umweltminister Lies ist das Konzept für die Neuausrichtung des Braunschweiger Kohlekraftwerkes nicht nur zukunftsfähig, sondern sogar vorbildlich! So formulierte er es im Gespräch mit Oberbürgermeister Markurth (Presseinfo BS-Energy 24.7.2019).

Zur Erinnerung: Statt Kohle soll Altholz als Energieträger für ein Biomassekraftwerk eingesetzt werden, zusätzlich ergänzt durch ein Gasturbinenheizkraftwerk und einen Elektrodenkessel.

In seinem Kommentar zur Einschätzung der Aussagen von Lies zeigte Peter Rosenbaum auf, dass kein Grund zur Euphorie besteht. Im Gegenteil: Der Heizstrom für den geplanten Kessel stammt aus Kohle- und Atomkraftwerken, eine Gefährdung durch Dioxine und andere Giftstoffe in den Abgasen der Altholzverbrennung kann nicht ausgeschlossen werden (BS-Spiegel 27.7.2019).

Ein weiterer Aspekt kommt noch hinzu. Der Öffentlichkeit wurde mitgeteilt, dass die CO2-Emissionen durch die Neukonstruktionen um 59% sinken werden (Presseerklärung BS-Energy 20.12.18, BZ 21.12.2018), und dieser Wert hätte entsprechend der Laufzeit der Anlage 25 Jahre Bestand, also bis 2047. Für 2022, das Jahr der Inbetriebnahme, ist das ein guter Wert. Doch die Emissionen müssen entsprechend dem Pariser Klimaabkommen und dem geplanten Klimaschutzgesetz weiter zurückgehen. Nach den Forderungen von Fridays for Future soll 2035 „Netto-Null“ erreicht werden. Der deutlich weniger ambitionierte Plan der Bundesregierung lautet für 2050 „CO2-Emissionen: minus 95%“. Das bedeutet, dass bei Zugrundelegung der FFF-Forderungen bereits ungefähr 2027 das Urteil über die CO2-Emissionen in „schlecht“ umschlägt. Nimmt man die Ziele der Bundesregierung, wäre diese Grenze etwa 2033 erreicht.

Möglicherweise würde BS-Energy auf diese Kritik gegenhalten, ein Teil des CO2 entsteht ja durch Verbrennung von Biomasse, und dieser Anteil braucht nicht berücksichtigt zu werden. Aber wie groß ist der Anteil? Dazu gibt es keine Äußerungen von BS-Energy. Bei einer theoretischen Annahme, es handele sich um 50%, würde die Kritik grundsätzlich bestehen bleiben, lediglich würden sich der Punkt des Umkippens in „schlecht“ zeitlich verschieben.

Fazit: Zukunftsfähig könnte die Anlage werden, wenn sie mit den Forderungen von Fridays for Future korrelierte. Das würde bedeuten, dass schon für die 30er Jahre eine technische Anpassung durchgeführt werden müsste, um eine weitere deutliche CO2-Reduktion zu erreichen. Für eine weitere Diskussion wäre es ausgesprochen hilfreich, wenn BS-Energy Herkunft und Menge der zu erwartenden Emissionen klarer benennt.

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