Fairer Handel – Ist eine bessere Welt käuflich?

0

Die Ideen des fairen Handels in den Anfangsjahren waren sehr gut. Vieles wurde in den von kleinen Vereinen geführten Weltläden entwicklungspolitisch getan, um auf die ausbeuterischen Beziehungen im Handel mit der sogenannten Dritten Welt hinzuweisen und einen anderen, fairen Weg aufzuzeigen. Der Weltladen Braunschweig in der Goslarschen Straße oder der Weltladen in Wolfenbüttel in der Okerstraße sind dafür bis heute wegweisende positive Beispiele. Weltläden und der faire Handel sind politische Institutionen in einer Stadt und erst in zweiter Linie Umsatzbringer. Leider ist die politische Bewusstseinsbildung im Fairen Handel seit den 90er Jahren stark zurückgegangen.

Der Faire Handel muss, um glaubwürdig zu sein, auch über die kapitalistischen Rahmenbedingungen aufklären, die für die Verar-mung der Menschen verantwortlich sind. Auch wenn politische Aufklärung nicht verkaufsfördernd ist.

Die Glaubwürdigkeit des fairen Handels hat massiv gelitten. Mit dazu beigetragen hat Fairtrade, das Unternehmen aus Köln, das die Fair-Handels-Idee für sich vermarktet. Der Kapitalismus ist hoch flexibel und hat die Fair Trade-Idee sozusagen gekapert und zu Geld gemacht. Die Abgrenzung zum kapitalistisch geführten sogenannten fairen Handel (Lidl, Aldi, EDEKA, REWE etc.) ohne jeglichen politischen Anspruch ist nicht mehr zu erkennen.” Die Frage muss erlaubt sein: Mutiert Fairer Handel inzwischen zu fairem Kapitalismus und fairer Ausbeutung? Wer keine gesellschaftliche Veränderung hier will, der sieht kein Oben und Unten mehr und alles nur noch im fairen Nebel verschwimmen (Ingrid Röder, 3. Welt Saar). Wenn der real existierende faire Handel wirklich etwas grundlegend ändern könnte, dann gäbe es ihn nicht.

Der Faire Handel verspricht, die Welt durch Konsum sozial gerechter zu gestalten und einen Kapitalismus mit menschlichem Antlitz zuschaffen. Was kann er davon einlösen und was nicht? In der folgenden Publikation der „3. Welt Saar und des Ökumenischen Netzes Rhein-Mosel-Saar“, wird aus unterschiedlicher Perspektive auf den Fairen Handel eingegangen und insbesondere auch auf seine Grenzen. Dabei wird die Wachstums-Euphorie vieler Fair-Handels-Akteure nicht geteilt.

Kann es überhaupt eine gerechte Welt geben in einer auf Ausbeutung orientierten Welt?

Möchten Sie den Artikel kommentieren

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.