7 + 1 Fragen Spezial: F.U.C.K. Luise

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Kultur ist vielfältig, nicht jeder Beitrag entspricht der Meinung der Redaktion. Was man von der Gruppe F.U.C.K. Luise hält, überlassen wir daher dem Leser!

 

1. Wer seid Ihr? Beschreibt Euch in einem Satz!

Wir sind die Freie, Unabhängige Chaos-Kombo Luise – ein Braunschweiger Künstlerkollektiv, das Aktionen gegen die Feierlichkeiten zum 100. Hochzeitstag von Herzögin Viktoria Luise plant.

 

2. Welche Botschaft habt Ihr mit Eurer Kunst?

Kurz gesagt: Die Zeit der Herzöginnen und Könige ist vorbei.

Lang gesprochen: Die Feier des 100. Hochzeitstages von Viktoria Luise wird rund 1,2 Millionen Euro kosten und den Bürgerinnen und Bürgern als „kulturelles Highlight“ verkauft. Gleichzeitig wird an allen Ecken der Kultur gespart. Das FBZ wurde abgerissen, das Kulturinstitut „Die Brücke“ weit unter wert verkauft, der Fire-Abend geschlossen, Hartmut El Kurdi wurde aus der Stadt gejagt, Kulturvereine werden kaputt gespart. Stattdessen wird eine herzögliche Kultur gefeiert. Millionen werden für Otto IV. und Luise ausgegeben, damit Richard Borek V. seine nächste Münzsammlung teuer verkaufen kann und Hoffmann I. sich wie ein König aufführen darf. Wir halten es für eine politische Bankrotterklärung, dass unserer ‚Obrigkeit’ nichts besseres einfällt, als den 100. Hochzeitstag von lang Verstorbenen zu feiern.

3. Warum lohnt es sich, eine Aktion von Euch zu besuchen?

Wir sind kreativ, witzig, politisch, unkonventionell, oft vegetarisch, manchmal schüchtern, nie langweilig. Oder um es in den Worten des Motorradvereins „Dirty Rats“ zu sagen: Wir rocken jede Party!

 

4. Welche Aktion möchtet Ihr hier präsentieren und warum?

Wir planen, bei allen Feierlichkeiten zum 100. Hochzeitstag von Viktoria Luise mit Ghettoblastern, Handylautsprechern und MP3-Playern den Song „Lieschen, Lieschen, Lieschen“ von den Alpenrammlern zu spielen.

Außerdem planen wir zwei Gegenhochzeiten mit den homosexuellen Pärchen Viktoria & Luise und Ernst & August.

Um den Hochzeitstag von Prinzessin Viktoria Luise Adelheid Mathilde Charlotte von Preußen, Herzogin zu Braunschweig-Lüneburg, Prinzessin von Hannover, Prinzessin von Großbritannien und Irland standesgemäß zu zelebrieren, werden wir eine königliche Hochzeitstorte backen, die wir dem Anlass entsprechend einzusetzen gedenken.

 

5. Welche Unterstützung wünscht Ihr Euch von der Stadt Braunschweig?

Allgemein wünschen wir uns mehr Unterstützung für die Kreativen in der Stadt, für bildende Künstler, Musiker, Bands und für Schriftsteller.

Konkret fordern wir:

1) Die Kreativszene muss in die Planung von großen Events mit eingebunden werden. Es kann nicht sein, dass wir in einer Kreativregion leben, wo große Events hauptsächlich von alten Historikern und Briefmarkenhändlern geplant werden. Hier wird viel Potential verspielt.

2) Außerdem sollen möglichst viele regionale Kulturanbieter von Großevents profitieren wie zum Beispiel das LOT-Theater, die Komödie am Altstadtmarkt, die Kunstmühle, die HbK, das Riptide, die Floßstation, das Universum-Filmtheater oder auch die Galerien NeunRaum und einRaum.

3) Wir wünschen uns langfristige Aktionen. Der Verpuffungseffekt einer Herzöginnenhochzeit ist relativ groß. Wenn man hingegen die Lampen in der Innenstadt durch bunte Lichter austauscht oder den Affenfelsen oder Heizkraftwerksturm in blau-gelb anmalt, so hat man auch langfristig ein bunteres Braunschweig.

4) Wir wünschen uns mehr Humor beim Stadtmarketing. Für nur wenig Geld könnte man zum Beispiel einen Weltrekord organisieren, bei dem mehrere Tausend Kinder innerhalb weniger Stunden unter Anleitung vom Staatsorchester Kazoo spielen lernen. Darüber berichten die überregionalen Medien gerne und das Stadtmarketing spart sich teure Werbeanzeigen.

Außerdem wünschen wir uns  eine Wiederaufführung des Stücks „Boomtown Braunschweig“ von Hartmut El Kurdi am Staatstheater Braunschweig.

 

6. Was war Euer spannendstes Kulturerlebnis?

Die Braunschweiger Novemberrevolution von 1918, bei der Tausende von Menschen gewaltfrei den Herzog zur Abdankung gezwungen haben. Wir wundern uns, dass es bisher noch keine Revolution gegen Hoffmann I. gibt, dem nackten Kaiser Braunschweigs, der mehr als eine halbe Milliarde an Volksvermögen verschwendet bzw. verschenkt hat.

 

7. Wo findet man Euch im Internet?

Wir sind eine subversives, unorganisiertes Künstlerkollektiv, das man ausschließlich im realen Leben trifft. Man trifft uns zum Beispiel im Rathaus, im Kulturbüro, bei Lesungen im Raabe-Haus, im Ratskeller und in der Okercabana.

 

+ 1: Rund anderthalb Millionen Euro sind viel Geld. Was hättet Ihr mit diesem Etat gemacht, um das Stadtmarketing zu verbessern?

Zunächst einmal hilft es dem Stadtmarketing, wenn man sich nicht peinlich macht, in dem man einen 100. Hochzeitstag einer Herzögin feiert, in deren Amtszeit Militarismus, Kinderarbeit, Armut und Schmutz Hochkonjunktur hatte.

 

Zeppelin Viktoria Luise

Wir sind der festen Überzeugung, dass man Kultur und somit auch das Stadtmarketing am besten stärkt, indem man das Eigenengagement fördert. Für 1,2 Millionen Euro lassen sich offene Bühnen für Musiker in der Innenstadt aufstellen und etliche Räume für Künstler anmieten bzw. erwerben, die auch für Kulturveranstaltungen jedweder Art genutzt werden können. Offene Stadtteilgärten wären eine weitere Option. Wir sind jedoch keine Diktatoren, insofern halten wir es für angebracht, dass die Kreativität der Bürgerinnen und Bürger Braunschweigs bei der Verwendung der Gelder mit einbezogen wird.

 


Kommentare   
 
0 #5 Wilma Armbrecht 2012-03-07 23:07
Lass Bilder sprechen, Lilo! 😉
Die Bildersprache sagt ganz eindeutig: Fuck Luise!
 
 
 
0 #4 Lilo 2012-03-07 02:06
Die Kombo heißt „Freie Unabhängige Chaos Kombo“ (Abk. F.U.C.K.) und gefordert wird mehr Unterstützung für die Kreativen in unserer Stadt. Ist doch begrüßenswert, denn wir haben ja viele gute Kreative, was wiederum gut fürs Image dieser Stadt ist, wenn man denn mehr fördern würde.

Schändlich werden hier also keine Leichen, sondern andere behandelt, wie man sehr gut lesen kann — wenn man denn lesen kann und mag. 😉
 
 
 
0 #3 Kulti-Multi Corporation 2012-03-05 20:23
Interessantes Porträt, sehr interessante Ausrichtung. Wo kann man diese Kombo buchen?
 
 
 
0 #2 Wilma Armbrecht 2012-03-05 19:07
Wurde denn Viktoria Luise 1980 nach ihrem Tod einbalsamiert, bevor man sie im Mausoleum Hannover zur Ruhe bettete?

Lenin z.B. wurde einbalsamiert. Man kann seine sterblichen Überreste 87 Jahre nach seinem Tod noch immer besichtigen!
Allerdings sprechen sich laut einer Umfrage 70% für seine Beerdigung aus.
Lenin, nach 87 Jahren- noch immer gut erhalten:
http://www.n-tv.de/panorama/Lenin-soll-unter-die-Erde-article2419961.html
http://www.welt.de/vermischtes/kurioses/article12327093/Goodbye-Lenin-Mehrheit-der-Russen-will-Bestattung.html
 
 
 
0 #1 Steppenwolf 2012-03-05 13:33
Fuck Luise? Igitt!
Freiwillige Nekrophile vor!
Ist Leichenschänden nicht strafbar in Deutschland?

 
 
 

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