Rechts-nationaler Pastor ausgebremst

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Hier lagerte angeblich der sog. "Schwarze Herzog" am Inselwall in Braunschweig

Die Lokalredaktion der Braunschweiger Zeitung BZ) justierte ihre eigene Berichterstattung nach einer Woche nach, denn da hieß es am 15.6. „Pfarrer segnet blaugelbe Fahne des Feldkorps“. Doch daraus wurde nichts, weil der Vorgesetzte des Pastors Gozdek von der Sankt Ulrici-Brüdernkirche, Propst Lars Dedekind, der durch die BZ von diesem Ansinnen erfuhr, ihren Pastor Gozdek ausbremste und ihm die Flaggensegnung verbot. Die Andacht fand trotzdem statt, jedoch ohne Segnung der Fahne, weil es in der EKD nicht erlaubt ist Gegenstände zu segnen. Das weiß natürlich auch Pastor Gozdek, der die Fahne segnen wollte.

Am 15.6. wurde sehr ausführlich in der BZ (Lokalteil) eine Fahnenweihe des „Herzöglich-Braunschweigischen Feldkorps“ durch Pfarrer Frank-Georg Gozdek für den darauffolgenden Tag 16.6. in der Ulrici-Brüdernkirche angekündigt. Dabei geht es nicht mehr nur um geschichtliche Aufarbeitung, sondern eher um Verherrlichung deutsch-nationaler Identitäten. Es geht um Glorifizierung fürstlicher Autokraten mit Heldenverehrung um den Schwarzen Herzogs und um die Welfen. Und es geht letztendlich um Militarismus.

Diese Ideen nehmen bis heute z.B. im Braunschweigischen Geschichtsverein oder auch Boreks Residenzschloss-Stiftungen Einfluß auf die aktuelle Stadtpolitik und scheren sich nicht um demokratische Gepflogenheiten. Insofern ist die Fahnensegnung durchaus auch ein Stück aktuelle Lokalpolitik.

Nun berichtete Henning Noske in der BZ am 24.06.2020 über die verhinderte Fahnensegnung durch den Propst Lars Dedekind. Er schreibt im Vorspann „Der Verein Herzoglich-Braunschweigisches Feldkorps zeigt aber Verständnis.“ Dass diese seltsamen „Soldaten“ in ihren schwarzen Fantasieuniformen dafür Verständnis zeigen ist letztendlich nicht so wichtig. Wichtiger ist vielmehr der Pastor Gozdek, dass der mal wieder bereit war die evangelischen Regeln seines Arbeitgebers zu missachten und kein Verständnis zeigt und damit auch kein Verständnis für die Gründe dieser Regeln.

Pfarrer Gozdek als Wächter gegen links

Sankt Ulrici Brüdernkirche Wikipedia

Bereits vor 9 Jahren (am 29.8.2011) veröffentlichte Pfarrer Gozdek in der Neo-Rechten Zeitschrift „Junge Freiheit“ seine politischen Überzeugungen.
Den Kirchen warf er damals vor, mit Linksextremisten zusammenzuarbeiten. In letzter Zeit habe sich eine „Volksfront gebildet, an der Genosse Stalin und Ernst Thälmann ihre Freude gehabt hätten“. Mitten drin seien dabei die Kirchen, bei der die Fäden zusammenliefen, kritisierte Gozdek damals.

Die Kirche müsse zwar ihr „Wächteramt gegenüber dem rechtsextremen Ungeist wahrnehmen“, dürfe dabei aber nicht mit „Parteien wie der LINKEN, der DKP, sogenannten ‘Antifaschisten’ und anderen linken Gruppen“ zusammenarbeiten, die Christenverfolgungen in der islamischen Welt verharmlosen und militant gegen die Lebensrechtbewegung vorgingen, warnte der Theologe, der die Priesterinnenordination ablehnt und sich seinerzeit nicht mit Theologinnen gemeinsam ordinieren lassen wollte.

Gozdek erinnerte auch an die massive Verfolgung, die Christen in der DDR und anderen kommunistischen Ländern erdulden mußten. Was „Antifaschismus“ dieser Art bedeute, habe er im vergangenen Jahr beim „Marsch für das Leben“ in Berlin am eigenen Leibe erlebt, als „maskierte Feiglinge unter der schwarz-roten Fahne Christen mit Faschisten gleichsetzten und sich nicht scheuten, selbst Frauen und Kinder einzuschüchtern.“

Ohne Worte

Wer war der Schwarze Herzog ?
Ein Held, ein Vorbild – oder Patriotismus für das Welfenhaus?  Der Welfe Friedrich Wilhelm war vor 200 Jahren ein brutaler Despot; er führte nach napoleonischer Besetzung und Wiedererlangung seiner Herrschaft 1813 im Militär die Prügelstrafe ein und eine strenge Pressezensur im Land Braunschweig. Jüdischen Mitbürger*innen wurden die Bürgerrechte wieder aberkannt, die unter französischer Fremdherrschaft gewährt worden waren. Einen aufschlussreichen Dialog über die Vorbildfunktion der BS-Herzöge findet sich hier: 

Alles längst Geschichte und deshalb heute egal?

Nun wird mir schon entgegnet, das sei doch alles Geschichte von gestern, die man ruhen lassen solle.

Könnte ja egal sein, nur – es werden sog. „Identitäten“ aufgebaut und der Stadt als Vorbilder und sogar bei der Stadtgestaltung als „Leitbilder“ angedient. Dazu wurden Verträge geschlossen z.B. mit der Borek Stiftung und erhebliche finanzielle Mittel ausgereicht. Darüber hinaus wird eine Menge reaktionäre, nationalistische Ideologie verbreitet. Ziel dabei sei die „Wiedergewinnung der Selbstachtung der alten Residenzstadt“ (aus vertraglichen „Leitbildern“ Ackers/Borek)

Das sollte nicht egal sein – die Verdummung läuft in Braunschweig über die Glorifizierung des welfischen Adels und schließt schon mal die Ahnungslosigkeit über die Verbrechen der letzten Regenten (wie jüngst dokumentierte NS-Geschäfte von Viktoria Luise und Ernst August) ein.

1 KOMMENTAR

  1. Kleiner Nachtrag zum besagten Pastor Godzek:

    Auch bei der Traditionsgemeinschaft Panzerbatallion 24 der ehemaligen Roselies-Kaserne war Herr Godzek Hauptredner im Nov. 2018.
    Dort hat die Traditionsgemeinschaft ihren „Ehrenhain“ auf städtischem Grund eingerichtet und huldigt alljährlich am Volkstrauertag ihren militärischen Traditionsregimentern – darunter der Schutztruppe Deutsch-Südwest, die in der ehemaligen Kolonie den Völkermord an den Hereros und Namas zu verantworten hat –
    http://panzerbataillon24.de/Der%20Ehrenhain/Seite%2012,%20Der%20Ehrenhain.html

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