Pest und Corona

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Foto: PETA

Von Steffen Pichler in Rubikon

Seit bald zwei Monaten rätseln Wissenschaftler und Massenmedien über die Herkunft des im Dezember plötzlich aufgetauchten Coronavirus Sars-CoV-2. Neben Schlangen, Gürteltieren, undichten Versuchslaboren und Angriffen fremder Geheimdienste wurden zahlreiche weitere Lösungen diskutiert. Über dem aus mehreren Gründen wahrscheinlichsten und sogar von führenden Wissenschaftlern längst vorausgesagten Übertragungsweg, hingegen liegt ein Mantel des Schweigens: Zuchtschweine sind als Reservoirwirte das ideale Sprungbrett für verschiedene Viren auf den Menschen. Dieses Wegschauen, aber auch der Ausbruch selbst könnten mit dem Auftauchen eines anderen gefährlichen Parasiten zusammenhängen, der vor kurzem in Asien mehrere hundert Millionen Schweine tötete. Das Geschehen als Ganzes deutet vor allem auf eines hin: die finale Schlacht des hoffnungslosen Krieges der Menschheit gegen die Natur hat begonnen.

Im Juni 2018 erschien in dem renommierten Fachmagazin für Mikrobiologie Cell ein Artikel über die Gefahren der Neuentstehung gefährlicher Krankheitserreger aus der Familie der Coronaviren. Die fünf chinesischen Autoren von der Nanjing University beschrieben, wie diese zunächst von Fledermäusen auf Schweine wechseln, sich in diesen biologischen Mischcontainern unbemerkt weiter anpassen und dann in neuen pathogenen Formen auf den Menschen überspringen könnten. Viele Sätze in dem Bericht klingen aus heutiger Sicht, als hätten die Wissenschaftler vor knapp zwei Jahren das vorausgesehen, was nun eingetreten ist.

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2 KOMMENTARE

  1. Dieser Artikel ist in Teilen recht interessant (Der Übertragungsweg über das Schwein). Überwiegend bringt er aber viele wilde Spekulationen, die nicht besser sind, als die Nachrichten, die von ihm kritisiert werden. Z.B:

    „Aber wie reagieren diese Viren, wenn plötzlich ein vernichtender Konkurrent — also etwa ein extrem aggressiver Erreger der Schweinepest — auftritt und die relativ sichere Heimat zu zerstören droht? Eine typische und im natürlichen Alltag gängige Reaktion könnte der Wirtswechsel sein, also das Ausweichen auf neue Lebensräume. Es würden Merkmale aktiviert, die sich schon in der Millionen Jahre währenden Evolutionsgeschichte der Viren gebildet hatten um durch den Übersprung zu anderen Wirten das eigene Erbgut zu retten. … Jene Viren, deren Vorfahren sich schon seit Jahren auf dem Fleisch befinden, welches auf den Märkten angeboten wird, würden nun einfach ein gesteigertes „Interesse“ zeigen, sich auf neue Wirte auszubreiten, und dadurch erstmals für den Menschen infektiös werden.“
    Die Viren haben kein übergeordnetes Gehirn für ihre Aktivitäten: wenn sie auf andere Wirte übertreten können, werden sie es tun unabhängig von der Gesamtlage.
    Für fast jede wilde Spekulation des Artikels kann man auch eine andere Erklärung finden!

  2. Ein intetressanter und spekulativer Artikel. Interessant, weil er biologische gut belegte Verhaltensmuster von Organismen in Beziehungen setzt, wobei diese Beziehungen spekulativ sind.
    So ist der Wirtswechsel bei vielen Pathogenen gut belegt. So wechselt der Pilz Getreideschwarzrost (Puccinia graminis), der erhebliche Schäden an Getreide verursachen kann vom Sommerwirt Getreide im Winter auf das Gehölz Berberize (Berberis thunbergii) oder der Birnengitterrost (Gymnosporangium sabinae) auf Wacholder (Juniperus sabinae). Dass pathogene Pilze und vor allem auch Viren sich genetisch verändern ist das Normale. Darum sind die Virusschutzimpfungen jährlich auch zu widerholen, denn Grippeviren verändern sich rasch.

    Das Viren von Tieren auf den Menschen übergehen können ist vielfach belegt. Darum ist das sog. „bushmeat“ in Afrika auch so problematisch. Die Verbindung jedoch von Fledermaus, Schwein und Mensch ist der Fantasie geschuldet. Unmöglich ist es aber nicht.

    Grundsätzlich spricht der Artikel jedoch ein Problem der heutigen Zeit an, nämlich die extreme Form der Selbstüberschätzung oder auch des Hochmuts des Menschen. Wer glaubt sich über Naturgesetze hinwegsetzen zu können, so wie es der Mensch bei ökologischen Grundlagen aus wirtschaftlichen Gründen derzeit macht, der wird die Folgen zu tragen haben.

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