Erste Wasserstoff-Tankstelle in Braunschweig in Betrieb

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Wasserstoff-Tankstelle an der Hamburger Straße 211 (Shell-Tankstelle) Foto: H2-Mobility

Auf der Internetseite von H2-Mobility, der Gesellschaft zum Aufbau der Wasserstoffinfrastruktur, ist nachzulesen, dass die Wasserstoff-Tankstelle an der Hamburger Straße 211 (Shell-Tankstelle) sich seit gestern im Betrieb befindet. Ein Meilenstein im Rahmen der Energiewende Richtung Klimaneutralität! Die Tankstelle ist die zweite in unserer Region, die andere befindet sich in Wolfsburg.

Zum Verständnis der Antriebstechnik im Auto: In der Brennstoffzelle entsteht an einer Membran aus Wasserstoff und Sauerstoff Wasser, dabei fließt ein elektrischer Strom. Mit diesem Strom kann z.B. ein Elektromotor im Auto angetrieben werden. Wasserstoff betriebene Autos sind also keine Verbrenner, sondern Elektroautos, aber ohne Batterie als Stromspeicher. Aus dem Auspuff kommt weder CO2 noch irgendwelche anderen Schadstoffe, sondern ausschließlich Wasser, der große Vorteil des Wasserstoffautos.

Das Wasserstoffgas wird unter hohem Druck von 700 bar in den Tank eingefüllt. Damit beim Tanken kein Gas entweicht, ist eine feste Verriegelung zwischen Zapfhahn und Fahrzeug erforderlich. Es besteht keine Explosionsgefahr. Der gesamte Tankvorgang dauert etwa 3 bis 4 Minuten. Deutschlandweite Fahrten sind mit einem Wasserstoffauto möglich, es gibt ein Netz von 87 Tankstellen und es kommen noch in diesem Jahr weitere hinzu.

Damit das Wasserstoffauto klimaneutral betrieben werden kann, müssen Herstellung und Transport von Wasserstoff zu 100% CO2-frei ablaufen, es muss „grüner“ Wasserstoff sein. Daran hapert es derzeit. Durchschnittlich 28% des aus Leuna gelieferten Wasserstoffs sind „grün“ zertifiziert, der Rest ist ungenutztes Nebenprodukt der chemischen Industrie oder wird aus Erdgas gewonnen. Ziel ist es, in der Zukunft ausschließlich grünen Wasserstoff an die Tankstellen abzugeben, so Sybille Riepe von H2-Mobility. Ob es genügend grünen Wasserstoff gibt, hängt davon ab, wie schnell die regenerative Stromherstellung und der Aufbau von Elektrolyseanlagen zur Wasserstoffproduktion vorangetrieben werden.

Noch sind Wasserstoff-PKWs teuer. Das wird sich jedoch voraussichtlich ändern. So hat Toyota angekündigt, seinen Mirai im nächsten Jahr um 23% günstiger zu verkaufen. Dennoch bleibt immer noch ein stolzer Anschaffungspreis von 50 000 €. Es ist offen, welche Rolle der Wasserstoff-PKW in der Zukunft spielen wird – er steht in Konkurrenz zum batterieelektrischen Auto.

Wasserstoff tanken Foto: H2-Mobility

Anders ist die Situation bei LKWs und Bussen. Hohe Batteriegewichte für längere Fahrzeiten bis zur nächsten Ladung sind ein großer Nachteil bei batterieelektrischen Fahrzeugen, so dass die technischen Voraussetzungen für den Wasserstoffantrieb sprechen. Busse sind schon im Betrieb, kleine Lkws im Testbetrieb, z.B. Müllfahrzeuge. Große LKWs mit Wasserstoffantrieb gibt es noch nicht. Studien über den deutschen Weg zur Klimaneutralität, z.B. vom Wuppertal Institut („CO2-neutral bis 2035…“) setzen u.a. auf Brennstoffzellen-LKWs für die Zukunft. Bei der Braunschweiger Wasserstoff-Tankstelle können Busse derzeit nicht tanken, sie benötigen andere Drucke bei der Betankung, allerdings kann bei Bedarf die notwendige Technik nachgerüstet werden, stellt H2-Mobility fest. Das wäre Zukunftsmusik! Schon jetzt wird an anderen Standorten, die mit der Braunschweiger Technik ausgerüstet sind, die Betankung von Müllfahrzeugen getestet, so dass diese Option wahrscheinlich auch in Braunschweig zur Verfügung stehen wird.

In Braunschweig sind derzeit mindestens drei Wasserstoffautos unterwegs. Diese drei werden von der Stadtverwaltung, BS-Energy und der Firma IAV gefahren. Weitere Nutzer der Tankstelle kommen durch die Nähe zur A2 hinzu.

Der Meilenstein Wasserstofftankstelle ist nicht nur Verteiler des Betriebsstoffs einer neuartigen Antriebstechnik für Autos, sondern zugleich auch eine Erinnerung und Ermahnung daran, die Energie- und Verkehrswende zur Klimaneutralität mit Nachdruck und hohem Tempo in allen Bereichen weiterzuführen.

1 KOMMENTAR

  1. Den ersten Vorstoß für die Wasserstoff-Technik auch in Braunschweig startete die BIBS im Frühjahr 2019, siehe …

    https://braunschweig-spiegel.de/ignoriert-braunschweig-den-wasserstoff-fuer-klimaschutz/

    Denn das hiesige Rathaus wich dem Thema aus, wohl auch aus Rücksicht auf VW, wo man den Wasserstoff- Antrieb mit Brennstoff-Zelle verschlafen hat, wie jüngst sogar auf VW-Betriebsversammlungen nachgefragt worden ist.

    Aber nun scheint der Zug angefahren zu sein und Braunschweig könnte noch mit aufspringen, oder?

    http://www.bibs-fraktion.de/fileadmin/user_upload/2019_04_18_ub22.pdf

    Zur Ratssitzung am 17.11. also kommenden Dienstag hat die BIBS das Thema erneut auf die Tagesordnung im Rat gesetzt.

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