Dietmar Wischmeyer trat bei „Kultur im Park“ auf

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Auf „Zeltmission“ im Bürgerpark: Satiriker Dietmar Wischmeyer begeisterte die ausverkaufte Arena der „Kultur im Park“. Foto: Marcus von Bucholz

Die Mission des alten, weißen Mannes

Nein, ein heiter-alberner Dampfplauderer ist er nicht; obwohl er im und mit dem Rundfunk groß geworden ist. Dietmar Wischmeyer, mittlerweile 64 Jahre alt, bezeichnet sich als „Humorfacharbeiter“. Dementsprechend akribisch setzt der Satiriker und Autor aus dem Osnabrücker Land seine Pointen und Spitzen: spöttisch, hämisch, sarkastisch; aber garantiert nie ausgewogen. Bundeskanzlerin Merkel bekommt ihr Fett weg und Kanzlerkandidat Armin Laschet: „Ein Mann, der so ist, wie sich ein Mann eine Frau als Kanzler vorstellt.“

Mit Lesebrille und Mofa-Helm zelebrierte Wischmeyer den Untergang des alten, weißen Mannes.
Foto: Marcus von Bucholz

Überhaupt, die Männer. Deren Widrigkeiten und Schwierigkeiten in der modernen, emanzipierten Gesellschaft durchziehen wie ein roter Faden das Programm des alten, weißen Mannes auf der Bühne, der immer wieder in die Rolle eines seiner zahllosen Protagonisten aus 30 Schaffensjahren hinter dem Mikrofon springt. Da entfaltet Wischmeyer das Gespräch von zwei ehemaligen Motorrad-Freunden beim abendlichen Bier: Während deren Gattinnen zur Mädels-Tour auf der Crossmaschine nach Südeuropa aufgebrochen sind, philosophieren die Daheimgebliebenen über die Schwierigkeiten des Motorradfahrens im Alter. Und kommen letztendlich zum Schluss: „Zum Schnitzelessen beim Biker-Stammtisch fahren wir mit dem Renault Twingo von Deiner Frau. Natürlich in Lederkombi und mit Helm unter‘m Arm. Den Twingo parken wir kurz vor der Kneipe um die Ecke.“

Ein Mann mit Spass an der eigenen Unzulänglichkeit. Dietmar Wischmeyer pfeift auf politische Korrektheit.
Foto: Marcus von Bucholz

Nichts stimmt mehr von dem, was in der Jugend seiner Helden noch galt. Damals war Wischmeyers alter ego Wolfgang Schrage kurz vor der Bundeswehr von einem Kumpel in die Geheimnisse der Liebe eingeführt worden – „Sören hatte mir einen blinden Stich gemacht.“ Doch statt in den Armen der örtlichen Dorfschönheit Kerstin landete er auf dem Rücksitz eines japanischen Kleinwagens zwischen den Schenkeln des Mauerblümchens Jutta – bis heute Schraders Ehefrau. Und so geht es munter weiter in den Absurditäten des normalen Männerlebens. „Unverheiratete Frauen kommen zurecht. Unverheiratete Männer verkommen“, resümmiert Wischmeyer seufzend.

Mit erstaunlicher Stimmakrobatik schlüpft Wischmeyer immer wieder in andere Rollen, imitiert sogar eine aufsässige Berliner Rocker-Göre oder das Deutschrock-Heiligtum Peter Maffey: „Harley ist besser als Sex. Das Tierchen hält danach die Schnauze, wenn Du verstehst“, lässt er das Macho-Denkmal sinnierend nuscheln. Andere Rollenausflüge entführen die Zuschauer in die „Kamasutra-Seniorenresidenz der Babyboomer-Generation“ oder an die niedersächsische Nordseeküste: „das Wattenmeer, der schleichende Übergang von moddrigem Wasser zu wässrigem Modder“. Da habe Gott wohl was falsch gemacht, als er „am achten Tag als Scheinselbstständiger Niedersachsen schuf“.

Dass der studierte Philosoph Wischmeyer mit seinem schrägen Humor kurz vor der Grenze zur Zotigkeit durchaus den Nerv der Zuschauer trifft, zeigte sich bei der Braunschweiger „Kultur im Park“. Trotz einsetzender Schauer kurz vor Auftrittsbeginn war das Rund voll besetzt. Viele Lacher, viel Applaus für seine Mission wider den politisch korrekten Mainstream.

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