Zu: „Lebenswert oder zurückgeblieben? Zur Stadtbahndebatte um Lehndorf

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Am 12. März veröffentlichte Stefan Vockrodt den Beitrag „Lebenswert oder zurückgeblieben? Zur Stadtbahndebatte um Lehndorf„. Darauf erfolgt nun hier eine Antwort des Lehndorfer Bürgers Hans-Joachim Fauter. (red)

Vorbemerkung: Ich gehöre keiner BI an, weshalb Stefan Vockrodt mich auch nicht persönlich mehrmals als Lügner bezichtigt hat und ihm somit von meiner Seite her die entsprechenden Konsequenzen erspart bleiben. Auch vermeide ich möglichst, mich zu politischen Themen in der Öffentlichkeit zu äußern. Aber ich lasse Denunziantentum und Hetze auf Personengruppen nicht unwidersprochen, da dies in der Vergangenheit nichts Gutes bewirkt hatte und auch heute und in der Zukunft nicht bewirken wird.

Foto. Stefan Vockrodt

Gut, Stefan Vockrodt wollte nach eigenem Bekunden nicht „ätzend etwas über Dichtung, Wahrheit und Volksverdummung schreiben„, aber wie so vieles andere ist ihm auch dies gründlich misslungen. Als Chefredakteur der „Umweltzeitung“ (gleichzeitig Zeitung für das braunschweiger forum!) und somit ohne jegliche Kompetenz oder Entscheidungsbefugnisse bläst er sich wie ein Messias mit einer Penetranz gegen die BI auf, die weder hier noch anderswo eine Würdigung verdient.

Und wie es nun mal so ist bei seiner minderwertigen Fähigkeit, sachlich zu argumentieren, versucht er es erst einmal mit persönlicher Diffamierung. Bei den Überschriften der BI glaubt er, einen Rechtschreibfehler gefunden zu haben. Ohne ihn überfordern zu wollen, sollte er sich einmal vorstellen, er hätte seine beiden Überschriften: „Lebenswert oder zurückgeblieben? Zur Stadtbahndebatte um Lehndorf“ in umgekehrter Reihenfolge und durch einen Bindestrich getrennt, geschrieben. Hätte er dann „lebenswert“ so klein geschrieben, wie es mit einer Straßenbahn durch Lehndorf werden würde? Ich fürchte: ja. Aber damit nicht genug. Als Sahnehäubchen setzt er selber gleich den Rechtschreibfehler oben drauf bzw. hinterher: „Rechtschreibung Original“ (Rechtschreibung original)! 1)

Bei vielen seiner Argumente lässt er den Leser im Unklaren, ob er den Faden verloren oder einfach nur vergessen hatte, weiter zu schreiben. Vielleicht sind die vielen Punkte am Ende seiner Sätze aber auch nur dem zittrigen Finger des Alters geschuldet. Kleine Kostproben: „Sie dürfen dann gerne die Reise in Basel, Mülhausen (Elsass) und Straßburg fortsetzen …“, „dass die größte Lärmquelle in Wohnquartieren nach wie vor der PKW-Verkehr ist …“, „bis die Tram durch ist …“, „und ansonsten ihre Gartenzwerge pflegen …“, „die Trasse auf der Saarstraße mit den vorhandenen Bäumen vereinen …“, „Zurückgeblieben …,“ 2). Dass dies kein pulizerpreisverdächtiges Stilmittel sein kann, hätte er allein durch die Reaktion eines einfachen Rechtschreibung- und Grammatikprogrammes merken können.

Der Großteil seiner Argumentation beruht auf haarsträubende Vergleiche. So ist bei ihm zum Beispiel Braunschweig gleich Basel oder Straßburg und Lehndorf gleich „rund um das alte Paris„, wo sechs (!) Fahrspuren zurück gebaut werden (auf der Saarstraße gibt es jetzt bereits in jede Fahrtrichtung nur eine !) und „Flaniertottoirs“ 3) (es heißt T’r’ottoirs wie bei T’r’ottel …) weichen müssen. Da wüsste dann der Lehndorfer endlich, wie er mit seiner Familie den Sonntagnachmittag verbringen kann. Danke Herr Vockrodt. Den Vergleich mit China findet aber auch er anscheinend zu blöde, nicht aber die Erwähnung, dass er ihn in Betracht gezogen hatte.

Bei Autoren, die ein Schreiben einer BI als „Pamphlet“ titulieren, wartet man geradezu auf den Versuch, Menschen gegeneinander aufzuhetzen. Und auch hier enttäuscht uns S. Vockrodt nicht. Genauso wenig wie bei seinem dilettantischen Versuch, mit Akronymen umzugehen: „Bei der BI „Lebenswertes Lehndorf handelt es sich um klassische „NIMBYs“ ( NIMBY: Not in my Backyard, früher auch als St.Florians-Prinzip bekannt)“. Das Akronym „NIMBY“ bleibt 1 Akronym, genauso wie ein Prinzip 1 Prinzip bleibt, auch wenn es von mehreren angewandt wird und wenn Sie, Herr Vockrodt, den Genus nicht wissen, es heißt „das“ NIMBY.

Um einen Hass von Innenstädter auf Lehndorfer zu schüren, entblödet sich S.V. mit folgender Aussage munter weiter: „Die Damen und Herren dieser BI wollen nur weiter mit ihrem PKW bequem in die Stadt fahren, dort die Bürgersteige zuparken und den Anwohnern Lärm und Abgase in die Fenster pusten und ansonsten ihre Gartenzwerge pflegen …„. Ich parke nicht auf Bürgersteigen und hatte bisher auch keine Gartenzwerge gepflegt, aber jetzt, nachdem mir S. Vockrodt. gezeigt hat, dass intellektuell die Skala noch weiter nach unten gehen kann …?

Nach ein, zwei Jahren werden nur noch fanatische Tramhasser wie die Verfasser des BI-Pamphlets wohl vor der Ampel warten, bis die Tram durch ist...“ Streicht man „fanatisch“ (diese Ausdrucksweise zusammen mit „Pamphlet“ zeigt seine Gesinnung, Vorsicht vor solchen Menschen!) hat S. V. ausnahmsweise einmal Recht, denn es werden nach ein, zwei Jahren sehr viele Berufstätige, die auf das Auto angewiesen sind und nicht nur wie anscheinend Herr V. zum Kaffeetrinken fahren, Tramhasser geworden sein.

Am Ende seiner Hasstiraden sollen die Lehndorfer als asozial darstellt werden, weil diese nicht auf die Situation der Bewohner des Kanzlerfelds und Lammes eingehen. Warum sollten sie? Dies bleibt wohl ein gut behütetes Geheimnis von S.V., denn die Kanzlerfelder wussten bis heute noch gar nicht, dass sie eine Straßenbahn wollten und die armen Lammer müssten nach seinen Vorstellungen um in die Stadt zu kommen, den großen Umweg über Lehndorf machen, von dem er meint, „dass es in Lehndorf nichts gibt, was historisch schützenswert wäre und das Stadtbild vor allem durch überdimensionierte Straßen gebildet wird,“ 4). (War er nie in Lehndorf? Außer auf der Saarstraße können sich auf Höhe eines geparkten Autos keine zwei PKW passieren!)

Natürlich offenbart er hier auch weiterhin seine beachtliche Unkenntnis. Eine Variante (203) der geplanten Straßenbahnführung soll direkt auf der noch vorhandenen alten Landwehr gebaut werden, die als Kulturdenkmal einen besonderen Wert besitzt. Diese Landwehr liegt in einem der 3 (!) Naturschutzgebiete Braunschweigs, dem „Lammer Holz“. Dass es in Braunschweig nur
3 Gebiete gibt (vor 2004 sogar nur 2 ! Das 3., die „Braunschweiger Okeraue“, ist erst vor 10 Jahren hinzugekommen), die den hohen Anforderungen an ein Naturschutzgebiet entsprechen, belegt allein schon die Existenz von seltenen und bedrohten Pflanzen- und Tiergemeinschaften. Gerade Waldränder stellen ein sensibles Biotop dar, das erheblichen Störungen unterzogen würde, rattere alle 5 Minuten (bei einem 10-Minuten-Takt) eine wuchtige, womöglich noch so knallig rot angemalte Straßenbahn wie auf dem Foto von S.V. in unmittelbarer Nähe (selbst bei Variante „Neunkirchener Str.“ in nur 250m Entfernung) vorbei. Nicht nur Pirol, Schwarzspecht und Greifvögel würden hier ihre Brutreviere aufgeben. Die Lammer Wiesen sind als Habitat für Bodenbrüter und andere Arten der hier existierenden Biozönose (Lebensgemeinschaft) bereits zerstört bzw. auf ein grenzwertiges Maß reduziert worden. Eine weitere Zerschneidung wie nach Vorstellung von S. Vockrodt und des braunschweiger forums würde dieses Biotop ökologisch nahezu wertlos machen.

Noch eines zum Schluss: Stefan Vockrodt stellt seinem Artikel ein Straßenbahnfoto voran, allerdings in zwei Versionen. In der ursprünglichen ist die knallrote Straßenbahn in der Totalen zu sehen, zusammen mit zwei Gleissträngen und zwei weiteren Zügen. In der zweiten, „geschönten“ Version gibt es davon nur einen Bildausschnitt, der die halbe Straßenbahn zeigt und die monströse Gleisanlage abschneidet. Warum macht S.V. das? Doch nur, weil er selbst sieht, welche Ausmaße der Bau der Gleiskörper einnimmt (s. a. seine Fotostrecke: http://www.eisenbahnwelt.de/fotostrecke.cfm?artikelid=5255) und dass dafür die Saarstraße selbst incl. Lindenallee nicht ausreichen würde – er weiß das, will es aber nicht einsehen.

Fazit: wir alle sollten beim Projekt „Straßenbahnausbau“ Vor- und Nachteile sachlich abwägen und darauf verzichten, Menschen gegeneinander aufzuwiegeln

Es verwundert auch nicht, dass S.V. unfähig war, im ersten Anlauf eine Endfassung zustande zu bringen und zu veröffentlichen. Eventuell nach Korrekturlesen und Anraten von außen, wurden Bild und Texteile geändert. Deshalb habe ich das Originalbild oben und den Originaltext, auf den ich mich beziehe und wenn er später abweicht, unten angefügt. Weitere Rechtschreibfehler, auch die, die selbst noch nach der „Korrektur“ vorhanden sind, lasse ich unerwähnt.
1) „In einem Papier unter dem Obertitel „Straßenbahn in Braunschweig – Wirklich gute Gründe?“ (Rechtschreibung Original) wird eine Reihe von Behauptungen aufgelistet, die sich bei näherer Betrachtung als Scheinargumente, Falschbehauptungen und zum Teil dreiste Lügen entpuppen.“
2) „Die BI Lehndorf? Zurückgeblieben …, mit Sicherheit gilt das auch für das restliche Lehndorf, wenn die Tram nicht dorthin kommt.“
3) „In Frankreich baut man, wenn neue Tramstrecken entstehen wie jüngst rund um das alte Paris,
die großen Straßen massiv zurück, aus sechs Fahrspuren werden zwei, es entstehen Rasengleise, breite
Flaniertottoirs und Radwege mit schönen jungen Alleebäumen.“
4) „Einmal ganz abgesehen davon, dass es in Lehndorf nichts gibt, was historisch schützenswert wäre und das Stadtbild vor allem durch überdimensionierte Straßen gebildet wird, mag dies in Einzelfällen zutreffen, in Braunschweig sehe ich zumindest in den Vororten nichts dergleichen.“

 


Kommentare   
 
0 #4 Hans-Joachim Fauter 2014-03-18 22:36
Es tut mir leid, wenn ich Sie verwirrt habe, aber sehen Sie es einmal positiv. Wie schrecklich verwirrt müssen Sie beim Lesen des Textes von S.V. gewesen sein? Ich bin nicht Natur und Umwelt, somit kann ich deren Schutz auch nicht für meine Zwecke einsetzen. H.-J. Fauter

 
 
0 #3 Stefan Vockrodt 2014-03-18 18:28
Ich muss noch etwas nachschieben: Ich weiß nicht, wie Herr Fauter zur der falschen Annahme kommt – ich hätte das Einleitungsbild meines Beitrags ausgetauscht – das ist nicht der Fall.

Ich habe in meinem leben mehr als zehntausendmal Trams forografiert, insofern stelle ich gerne Bilder rein, die mir persönlich gefallen. Und Herr Fauter, Sie sollten nicht Stöckheim mit der Ottenroder Str. verwechseln.

 
 
0 #2 Stefan Vockrodt 2014-03-18 18:16
Sehr geehrter Herr Dr. Fauter,

erst einmal vielen Dank für Ihre – heftige und deftige – Reaktion.

Nun gut, Sie könne also auch „auf die Kacke hauen“. Das habe ich mir schon anhand Ihrer Kommentare zu meinem Beitrag gedacht.

Ich möchte nur kurz darauf hinweisen, dass ich mich in meinem von Ihnen kritisierten Beitrag auf eine Präsentation der BI Lehndorf bezog, die tatsächliche Falschinformati onen und Unwahrheiten verbreitete und leider nicht dafür zurückschreckt – ebenso wenig wie übrigens Sie auch – Zitate so aus dem Zusammenhang zu reißen, dass sie sinnentstellend und teilweise sogar entgegen der originalen Zielsetzung wirken sollen.

Ich würde Ihnen wirklich einmal raten, eine Informationsrei se zu unternehmen in Sädte, wie ich sie genannt habe. Dann können Sie sich mit eigenen Augen ein Bild machen, wie man heute neue Straßenbahnstre cken anlegt und ob und wie stadtverträglic h das ist.

In diesem Sinne freue ich mich auf einen künftig sachlicheren Dialog.

 
 
+4 #1 Verwirrter 2014-03-18 17:28
Ich bin verwirrt: Was, bitte, möchte uns Herr Dr. Fauter mitteilen; daß auch er Schreibfehler produziert oder der Polemik fähig ist, oder was? Sachliches trägt er ja nicht gerade bei…, außer die unbestrittenen Ansprüche von Natur- und Umweltschutz für seine Zwecke einzusetzen!
Übrigens, die von ihm zu Recht kritisierte Hetze und Diffamierung hat nicht Herr Dr. ing. S.V. begonnen, sondern die lebenswerte Lehndorf BI, offensichtlich bar jeder Sachkenntnis!
Ich gehe aber mit Herrn Dr. F. konform, daß Polemik und gegenseitige Beschimpfung keineswegs die Mittel sein sollten, städtische (und ländliche) Verkehrsproblem e zu lösen und als Grundlage für eine zukunftsorienti erte Verkehrspolitik scheiden diese Mittel allemal aus; also laßt uns vernünftig diskutieren, Gegner (aus welchen Gründen auch immer) und ÖV-Beführworter , dann sollte ein tragfähiger Kompromiß möglich sein, s. z.B. Stöckheim.
… und wer einen Rechtschreibfeh ler findet, darf ihn behalten ;-))

 

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