Jutebeutel und Papp-Strohhalm retten uns nicht

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Grafik: der Freitag, Material: Freepik

Diskussionen über den Klimawandel münden nicht selten in Diskussionen über den individuellen CO2-Fußabdruck. Das ist zwar auch wichtig, lenkt aber doch von den wirklich wichtigen Verursachern des Klimawandels ab. Der Klimawissenschaftler und Autor Michael E. Mann kritisiert dies ebenfalls. In seinem Buch „Propagandaschlacht ums Klima. Wie wir die Anstifter klimapolitischer Untätigkeit besiegen“ kritisiert er das Konzept des „individuellen CO2-Fußabdrucks“. Dieses wurde Anfang der 2000er Jahre von einer Werbefirma im Auftrag des Energiekonzerns BP „erfunden“ und populär gemacht. Der Grund dafür ist jedenfalls gut nachvollziehbar, er schreibt:

„Wenn aus dem Klimaproblem ein Gezeter über Nahrungs- und Reise-Entscheidungen wird, dass sich um persönliche Reinheit, Bloßstellen von Menschen aufgrund ihres Verhaltens und um Tugendhaftigkeit dreht, werden wir nie mit gemeinsamer Stimme sprechen. Dann (…) setzen sich die Interessen der fossilen Brennstoffwirtschaft durch.“

Wie riesig der Anteil der fossilen Brennstoffwirtschaft an den Treibhausgas-Emissionen ist, mag eine Zahl verdeutlichen: Mehr als 70 % aller weltweiten CO2-Emissionen gehen auf das Konto der 100 größten Kohle- Gas- und Öl-Konzerne, so der Bericht des CDP, früher Carbon Disclosure Project genannt. RWE ist auch mit dabei.

Diese Kritik greift auch der britische Journalist, Universitätsdozent und Klimaaktivist George Monbiot in „der Freitag“ auf. Er diagnostiziert: „Die große politische Veränderung der vergangenen 50 Jahre ist, dass wir unsere Probleme nicht mehr kollektiv angehen, sondern individuell. Anders gesagt: Wir wurden von Bürger:innen zu Konsument:innen gemacht. Es ist nicht schwierig, zu verstehen, warum wir in diese Richtung getrieben werden. Als Bürger:innen, die sich zusammentun und politischen Wandel fordern, sind wir mächtig – als Konsument:innen nahezu machtlos.“

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