Impfzentrum Stadthalle öffnet wieder

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So ging es nicht weiter: Bis zu 600 Impfwillige pro Tag standen im ECE-Center täglich für einen „Pieks“ an. Foto: Klaus Knodt

Oberbürgermeister Dr. Kornblum: „Benötigen stationäres Angebot“

Braunschweig öffnet ab sofort sein stillgelegtes Impfzentrum in der Stadthalle wieder. Bereits morgen (Mittwoch) ab 9 Uhr können Impfauffrischer und Erstimpfer sich dort ihre Spritze setzen lassen, gab Braunschweigs Oberbürgermeister Dr. Thorsten Kornblum heute bekannt. Die Impfungen werden ohne Terminvereinbarung angeboten.

Kornblum reagiert damit auf die vierte Corona-Welle, die voraussichtlich in Kürze auch Braunschweig mit voller Wucht treffen wird. Die sogenannte Hospitalisierungsinzidenz in Niedersachsen stieg laut Daten von heute (Dienstag) auf 5,7. Diese zentrale Maßzahl zur Einschätzung der Corona-Lage drückt aus, wie viele Patientinnen und Patienten mit einer nachgewiesenen Infektion (auf 100.000 Einwohner gerechnet) während der vergangenen sieben Tage neu ins Krankenhaus kamen. Die allgemeine Sieben-Tage-Inzidenz in Niedersachsen lag nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) bei 180,0.

Oberbürgermeister Dr. Thorsten Kornblum (Mitte) und sein Gesundheitsteam Dr. Karl Wessel, Dr. Ulf Hilger, Dr. Christine Arbogast und Amra Adi-Ihssen stellten das neue Konzept für eine effektive Corona-Impfung in Braunschweig vor. Foto: Klaus Knodt

Der Oberbürgermeister: „Angesichts der stetig steigenden Nachfrage, den Schlangen am mobilen Impfstandort Schloss-Arkaden und dem kommenden kalten Winter benötigen wir wieder ein stationäres, überdachtes Angebot.“ Man rüste den Standort in der Stadthalle daher wieder auf, in dem ohnehin noch die Infrastruktur vorhanden ist: Abschirmwände, Impfkabinen, Tische, Wegezeichnungen auf dem Boden, Elektrik für die Computer. Alles steht noch. „Für den Beginn hoffen wir, etwa 1000 Impfungen pro Tag durchführen zu können“, so Krisenstabsleiterin Dr. Christine Arbogast.

Eigentlich hatte das Land Niedersachsen vorgesehen, dass die Kommunen nur noch mit mobilen Impfteams dort aushelfen, wo niedergelassene Ärzte und Betriebsärzte an ihre Grenzen stossen – etwa in Heimen oder bei schlecht erreichbaren und eingeschränkten Personen. „Ich habe es für einen großen Fehler gehalten, die Impfzentren als dritte Säule der Impfkampagne aufzugeben“, sagte Dr. Kornblum. Die Stadthalle sei daher rechtlich kein „Impfzentrum“, sondern lediglich der „Standort für neue Impfteams“. Diese werden auf 7 aufgestockt (bisher 3). Immerhin, so der Oberbürgermeister, gäbe es „Signale aus dem Land, dass es die Kosten übernehmen könnte“.

Da die Stadt mit ihrer Eigenlösung nicht auf ein zentrales Terminmanagement mit Hotlines, Callcenter und schriftlicher Rückbestätigung zurückgreifen kann, müssen sich Impfwillige in Geduld üben und anstellen. Arbogast: „Wir bitten die Impfwilligen daher, sich an die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko) zu halten und nicht schon nach 3 oder 4 Monaten zur Booster-Impfung zu kommen.“ Notfalls, so die Experten, müsse man VordränglerInnen wegschicken. Professor Dr. Karl Wessel, medizinischer Leiter des alten Impfzentrums und nun der Impfteams: „Unser neues Angebot richtet sich an Ungeimpfte, Über-70-Jährige, Menschen, die bisher nur mit Johnson & Johnson geimpft sind sowie alle, bei denen die Impfung bereits sechs Monate zurück liegt.“ Verimpft werden die Wirkstoffe von Biontech und Moderna.

Zur kritischen Impflage in Braunschweig und landesweit hat dazu beigetragen, dass sich zu viele Hausärzt/Innen aus den Corona-Impfungen zurück gezogen haben. Gerade mal 40 % der niedergelassenen ÄrztInnen „boostern“. Viele schicken ihre jahrzehntelang angestammten PatientInnen ohne Pieks weg. Krisenstabs-Leiterin Christine Arbogast hat für Braunschweig keine belastbaren Zahlen, sagt aber: „Für Braunschweig sind 5 Schwerpunktpraxen vorgesehen, die nächste Woche an den Start gehen.“ Diese bekämen 8 Stunden pro Woche für Impfungen vergütet. Zudem gäbe es etwa 175 Hausärzte in Braunschweig, die „mitimpfen“. Arbogast: „Damit das mehr wird, machen wir Druck über die Kassenärztliche Vereinigung“.

In Braunschweig sind zur Zeit 71,43 % der BürgerInnen vollständig geimpft und 74,86 % erstgeimpft. „Booster“-Impfungen haben bisher ca. 5 bis 6 Prozent der BraunschweigerInnen erhalten. Neben den erwartet 1000 Impfungen pro Tag in der Stadthalle erwartet die Stadt 200 bis 300 weitere durch die mobilen Impfteams. Der Impfbus auf dem Herzogin-Anna-Amalia-Platz soll zunächst für Erstimpfungen weiter betrieben werden. Die Impfstraße im Untergeschoss des ECE-Center schliesst ab sofort.

Trotz der ansteigenden Infektionszahlen will Oberbürgermeister Dr. Kornblum den Braunschweiger Weihnachtsmarkt nicht absagen: „Wir haben dort eine bestmögliche Kontrolle durch unser Konzept der eingerichteten Gastro-Zonen. Der Weihnachtsmarkt ist eine Aussenveranstaltung und überdies eine Veranstaltung nur für geimpfte BürgerInnen.“

1 KOMMENTAR

  1. Aktuelle Information dazu: heute am Mittwoch hatte das Impfzentrum Stadthalle offen. Die Abläufe waren gut organisiert. Es gab nur kurze Schlangen. Wie das die nächsten Tage aussehen wird, weiß ich nicht.

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