Hungerkrise durch Irankrieg
Von Leila van Rinsum aus der TAZ am 02.05.2026
Steigende Energiepreise, blockierte Handelsrouten und ein konzentrierter Düngemittelmarkt treiben die Kosten für Lebensmittel nach oben. Millionen Menschen droht Hunger.
Viele Kleinbauern in Afrika produzieren organisch. Weil sie sich mineralischen Dünger nicht leisten können Foto: Ahmed Gamal/imago
Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) warnt: Sollte der Irankrieg bis Juni andauern, könnten zusätzlich 45 Millionen Menschen von Hunger betroffen sein. Bereits jetzt sind das laut Welternährungsbericht 2025 rund 673 Millionen Menschen – etwa jede zwölfte Person. Beobachtende gehen davon aus, dass die Krise Mitte 2026 ihren Höhepunkt erreichen könnte.
Dass auf die fossile Energiekrise jetzt eine Hungerkrise folgt, liegt zum einen daran, dass hohe Ölpreise Transportkosten von Lebensmitteln in die Höhe treiben. Zum anderen schlagen die Vereinten Nationen und die Weltbank wegen stark gestiegener Preise von Düngemitteln Alarm. Auch das ist eine direkte Konsequenz des US-israelischen Kriegs gegen den Iran.
Etwa ein Drittel der weltweiten Düngemittelexporte passiert normalerweise die derzeit blockierte Seestraße von Hormus. Hinzu kommt, dass die Produktion mineralischer Dünger von fossilem Gas abhängt, das zur Herstellung benötigt wird und außerdem als Energiequelle dient. Zwischen Februar und März stieg der Preis für Harnstoff, den wichtigsten stickstoffhaltigen Dünger, um mehr als 45 Prozent.
Düngemittelkonzerne erreichen Höchstwerte
Fünf Konzerne – Wesfarmers aus Australien, Yara aus Norwegen, IFFCO aus Dubai, Nutrien aus Kanada und der US-amerikanische CF Industries – kontrollieren etwa die Hälfte des Weltmarkts für mineralischen Dünger. Wenn wenige Unternehmen den Markt bestimmen, steigt die Abhängigkeit. Und einige Konzerne können satte Übergewinne einfahren.
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Bislang größter Krisengewinner ist der norwegische Düngemittelkonzern Yara, der bereits 40 Prozent mehr Umsatz abzüglich Produktionskosten im ersten Quartal gegenüber vergangenem Jahr meldete. Das deutsche Unternehmen K+S notierte Börsenzuwächse. Der russische Düngemittelkonzern Akron erreichte im März sogar Höchstwerte von 2022.
Damals stand die Welt vor einer ähnlichen Krise. Als Russland die Ukraine angriff, schossen die Düngerpreise in die Höhe. Die neun größten Düngemittelkonzerne steigerten ihre Gewinne von 28 Milliarden US-Dollar im Jahr 2021 auf 49 Milliarden US-Dollar im Jahr 2022. Die Preissteigerungen lagen damit deutlich über den gestiegenen Produktionskosten.
Russland blieb trotz geopolitischer Spannung für die EU ein Schlüssellieferant. Bis 2025 stieg der Anteil russischer Stickstoffimporte von 17 Prozent im Jahr 2022 auf 30 Prozent. Erst im Juni 2025 verhängte die EU Sanktionen. In der aktuellen Krise dürften die russischen Gewinne also zumindest weniger aus Europa stammen.
Nach 2022 gründeten die Ernährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), die Weltbank und private Düngemittelkonzerne eine Initiative, um die Verteilung von mineralischem Dünger gerechter zu gestalten. Denn die hohen Preise treffen importabhängige Länder am meisten, vor allem in Afrika. Weiter
























