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„Kremlfreunde“ in Braunschweig-Teil 2: Lesermeinungen

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Der Bericht von Johannes A. Kaufmann empörte viele Leser, insbesondere jene, die bei den kritisierten Veranstaltungen anwesend waren und sich selbst eine Meinung dazu bilden konnten. Dem Bericht wird nicht allein eine sachlich ungerechtfertigte Einseitigkeit vorgeworfen, sondern (bewusste?) Auslassungen von nicht genehmen Aussagen der Referenten, manipulative Wortbildungen („Kremlfreunde“) und Einordnungen und insgesamt ein aggressiver friedensfeindlicher Ton, als seien die Argumente der Friedensbefürworter und Kritiker des gegenwärtigen Regierungskurses nur Opfer feindlicher Propaganda oder gar bewusste Propagandisten Moskaus. Der Verfasser skandalisiert die Verantwortlichkeit der Evangelischen Akademie und betont vor allem die Notwendigkeit von Änderungen im Veranstaltungsmanagement, um zukünftig solche kritischen, seiner Meinung nach „einseitigen“ Veranstaltungen zu verhindern. Das ist mit Journalismus nicht mehr zu rechtfertigen, hier wird Meinungsmanipulation betrieben, Stimmung gemacht. Dass dies bei den Verantwortlichen in der Evangelischen Akademie zu einer Verengung der Themen und des dem Publikum zumutbaren Meinungsspektrums führen könnte, will ich nicht glauben. Denn gerade in diesen von bedrohlichen und blutigen Kriegsszenarien bestimmten Zeiten sollte jede Stimme zählen, die sich gegen die allgemein vorherrschende Militarisierung wendet und Friedensalternativen aufzeigt. Denn jeden Tag sterben Menschen. Und es hört nicht auf, wenn wir uns dem Dialog mit dem Feind verweigern. Und es hilft bei der Suche nach Wegen aus diesem Krieg kein bisschen, wenn wir uns in moralischer Selbstgewissheit und emotionalen Feindprojektionen verlieren. Nur die rationale, vorurteilsfreie und emotionsfreie Auseinandersetzung mit den Konflikten dieser Welt, ihrer Entstehung, den Interessen der Beteiligten und den Opfern kann Wege zur Lösung zeigen. Moralische Empörung, so verständlich sie sein mag, verhindert dies eher.

 Die veröffentlichte Meinungsbildung der Leitmedien verengt das Meinungsspektrum inzwischen aber so stark, dass man befürchten muss, man wolle wieder eine allgemeine alternativlose Kriegsbereitschaft in der Bevölkerung wecken. Das aber würde die Polarisierung in der Gesellschaft fördern und die wichtigste Säule der Demokratie beschädigen, die freie Meinungsäußerung, die von staatlicher Zensur freie Veröffentlichung und den ungehinderten freien Zugang zur Informations- und Meinungsvielfalt. Insofern ist noch einmal der Evangelischen Akademie zu danken, dass sie sich getraut hat, diesen vom Mainstream abweichenden Stimmen einen Raum zu geben. Ich kann nur hoffen, dass sie bei diesem Kurs bleibt.

Hier folgt nun ein Auszug aus den Zuschriften unserer Leser:

Dieser Beitrag und der FAZ-Artikel, auf den er sich bezieht, sind ein beredtes Beispiel für die Kooperation der konservativen Presse in ihrem Bestreben, die Meinung ihrer Leserschaft auf Kurs zu halten. Anstatt sich konstruktiv mit kritisch mahnenden und nachdenklichen Stimmen auseinanderzusetzen, werden sie in den eigenen Medien systematisch marginalisiert. Und nun soll offenbar ein konstruierter überregionaler Skandal dazu beitragen, die noch vorhandenen Diskursräume einzuebnen. Dabei hilft es natürlich, die Positionen der betreffenden Persönlichkeiten dekontextualisiert und plakativ überzeichnet bis zur Diffamierung wiederzugeben. Wer sich ein unvoreingenommenes Urteil darüber bilden möchte, kann das in ihren Biografien, ihren Veröffentlichungen und in den Aufzeichnungen ihrer Vorträge nachvollziehen. Und auch Herr Bingener und Herr Kaufmann werden den Unterschied zwischen einer historisch-politischen Analyse und einer moralischen Parteinahme kennen und wissen, dass Antisemitismus etwas anderes ist als die ausufernde Gewalt gegen die palästinensische Zivilbevölkerung beim Namen zu nennen. Der Leitung der Evangelischen Akademie, dem Konvent und auch der Landeskirche ist zu wünschen, dass sie sich von solchen Kampagnen gegen die Meinungsfreiheit nicht einschüchtern lassen und weiterhin einem offenen und kritischen Austausch Raum geben.

Norbert Kueß

Als Mitglied des Friedensbündnis Goslar und Mitglied des Friedenszentrums Braunschweig weiß ich, dass die Friedensbewegung in BS, die Evangelische Akademie und engagierte evangelische Christen einig sind im Bemühen, der fortschreitenden Einengung der Diskursräume entgegenzuwirken. Das geschieht u.a. durch Einladung von Referierenden, die in den öffentlichen Medien und der BZ nicht zu Wort kommen. So entsteht eine Art Kontrastprogramm, das, aneinandergereiht, natürlich den Eindruck von Einseitigkeit vermittelt. Als erfahrener Journalist weiß Herr Kaufmann das genau. Und er weiß auch, dass er und die Zeitung, bei der er beschäftigt ist, durch ihre Einseitigkeit genau das provozieren. Statt sich nun aber argumentativ in Veranstaltungsberichten auseinanderzusetzen, wählt er den Weg der Diffamierung und der Denunziation. Allerdings versteckt hinter Aussagen anderer, die noch dazu schwammig und uneindeutig sind. Früher sagte man Schreiberlinge, heute sagt man „Haltungsjournalismus“, obwohl Propaganda es wohl am besten träfe. Ich war bei mehreren dieser hochkarätigen und informativen Veranstaltungen(die im Übrigen alle im Netz nach zu hören sind – falls sich Menschen ein eigenes Urteil bilden möchten) anwesend. Weder habe ich „Kremlfreunde“ oder „Putinversteher“ erlebt, noch wurde geleugnet, dass der Ukrainekrieg gegen das Völkerrecht verstößt. Ich traf Menschen, die sich bemühten, den Standpunkt des Gegners zu verstehen. Verständnis für den Standpunkt der anderen Seite bedeutet nicht Akzeptanz, ist allerdings Voraussetzung für Diplomatie und die Suche nach Möglichkeiten zum Frieden. Der Einsatz für friedliche Lösungen wurde stets mit den Opfern auf beiden Seiten, der Zerstörung von Infrastruktur und Umwelt und dem unendlichen Leiden der Bevölkerung begründet. In der veröffentlichten Meinung lese ich mehr über Waffenlieferungen und die Fortsetzung des Krieges sowie eine forcierte Aufrüstung Deutschlands. Ich bezweifle, dass das im Interesse der ukrainischen Bevölkerung ist. Und wir können uns die Aufrüstung erst recht nicht leisten. Herr Kaufmann stellt sich mit seinem Artikel in die Reihe derer, die eine lebendige Debatte um die besten Wege zum Frieden verhindern wollen. Kriegstüchtigkeit braucht eben ängstliche und unmündige Bürger. Ich hoffe sehr, dass sich die Verantwortlichen der evangelischen Kirche diesem Weg weiter verweigern!

Ulrike Schmitz

1963 hielt Egon Bahr die Rede in der ev. Akademie Tutzing „Wandel durch Annäherung“  – auch heute wird dringend Raum für echte Debatten benötigt. Braunschweig sei Dank, dass es dies bisher ermöglicht hat! Schade, dass die Braunschweiger Zeitung mit Herrn Kaufmann statt sachlichem Journalismus einen Meinungsjournalismus bietet.

Barbara Schwegler

Zu Seite 2 in der BZ vom 30.5.26: Johannes Kaufmann schreibt eine ganze Seite zu der Veranstaltung “ Die neue Friedensdenkschrift der EKD-

Frieden schaffen mit Waffen?

Es hat an dem Abend keine Stimme gegeben die den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine zu relativieren versucht hat❗Im Gegenteil, alle haben eindeutig gesagt dass der russische Angriffskrieg auf die Ukraine völkerrechtswidrig ist❗Man kann sich die Redebeiträge im Mitschnitt anhören auf der YouTube Seite der Evangelischen Akademie Abt. Jerusalem. Vielleicht hört sich Herr Kaufmann auch noch einmal den Mitschnitt an, bevor er so etwas behauptet. Es ging im Anschluss an diese Klarstellung darum, trotz des Angriffskrieges von Russland im Dialog zu bleiben. Diplomatische Lösungen zu suchen.

Susanne Schmedt

Mit zwei Weltkriegen hat Deutschland Leid und Verwüstung über den Globus gebracht, der Zivilisationsbruch von 1933 bis 1945 ist eine Last, die für immer mit Deutschland verbunden bleiben wird. Die Konsequenz daraus ist das Friedensgebot in unserem Grundgesetz.

Das Friedensbündnis lädt Personen zu Veranstaltungen ein, die Lehren aus der Geschichte gezogen haben, für Kriegsverhinderung, Prävention und/oder eine friedliche Welt eintreten, für die Diplomatie Friedenspolitik bedeutet, die selbst Diplomaten, politische Berater oder Wissenschaftler oder selbst in das politische Geschehen der zurückliegenden Jahrzehnte eingebunden waren und aus erster Hand berichten können. Sie teilen ihr Wissen, äußern die Sorge um unser Land und werden als „Kremlfreunde“ diffamiert. Die Einladenden bzw. Beteiligte wie z.B. Christoph Krämer, Mitglied der IPPNW, oder Uwe Meier vom Braunschweig-Spiegel werden in dem o.a. Artikel wegen ihrer Haltung zur angestrebten Friedensfähigkeit Deutschlands an den Pranger gestellt. Und mit ihnen die Meinungsfreiheit. Sind wir schon wieder soweit?

 Heide Janicki

Leserbrief an die Braunschweiger Zeitung (nicht veröffentlicht):

„Kremlfreunde“ und „Russlandnähe“ sind inakzeptable Unterstellungen, mit denen die von der evangelischen Akademie eingeladenen Referenten etikettiert wurden. Da ich bei einigen dieser inkriminierten Veranstaltungen anwesend war, kann ich dieser Attributierung nur entschieden widersprechen, denn keiner der Referenten hat den völkerrechtswidrigen Krieg Russlands gegen die Ukraine gerechtfertigt. Aber die Motive und Interessen der an diesem Krieg und seinem zugrundeliegenden  geopolitischen Konflikt Beteiligten verstehen und erklären zu wollen, heißt nicht, diese zu rechtfertigen! Denn ohne tieferes Verstehen, wie es dazu kommen konnte, ohne kritisches Infragestellen der verbreiteten Narrative kann es keine Lösung des Konflikts und keine Ende des Krieges geben. Dabei trafen die kritisierten Referenten auf ein großes Interesse der gut besuchten Veranstaltungen. Dass die evangelische Akademie sich überhaupt getraut hat, diese kritischen Veranstaltungen durchzuführen, angesichts der vielen Widerstände, zeigt, dass sie Meinungspluralismus ernst nimmt. Und Minderheitenmeinungen zu schützen, ihnen gar ein besonderes Forum zu geben, ist gerade für eine Demokratie essentiell.  Denn die starke Verengung des Meinungskorridors in den Medien und den Statements der etablierten Politik trifft auf ein immer größer werdendes Misstrauen großer Teile der Bevölkerung in die Glaubwürdigkeit von Leitmedien und politischer Elite.

Reinhard Faudt

 Herr Kaufmann hat elementare Regeln des sauberen Journalismus verletzt. Ein Beispiel: er behandelt die Veranstaltung zur Friedensdenkschrift der evangelischen Kirche und stützt sich allein auf die Darstellung von Herrn Hübner, dessen Position milde gesagt umstritten war. Hübner klagt, er allein habe die Denkschrift vertreten. Direkt neben ihm sass aber der Magdeburger Bischof Kramer, den er vertrauensvoll „Friedrich“ nannte und der die Denkschrift auch vertrat, wenn auch nicht ohne Kritik im Einzelnen. Herrn Kaufmann war das offenbar nicht bekannt, er war auch nicht selber anwesend. Sich einfach auf die interessierte Darstellung eines einzelnen Teilnehmers zu verlassen, also gar nicht selber zu recherchieren – das ist wenig professionell. Da ist es auch kein Wunder, dass Hübner auch mit einer zweiten Behauptung unüberprüft wiedergegeben wird. Hübner unterstellt seinem Diskussionspartner General a. D. Vad, dieser habe wohl die Denkschrift nicht gelesen, denn er habe immer nur über Russland gesprochen. Dabei hatte Hübner selbst die russische Politik als wesentlichen Grund für die Erstellung der neuen Denkschrift genannt. Heftig hatte er darauf bestanden, dass heute eine ganz andere Lage herrsche als im Kalten Krieg – wegen Russland! Vad widersprach und belegte dies mit vielen Beispielen. Schlechter Stil von Hübner, seinem Diskussionspartner im Nachhinein die Kompetenz abzusprechen. Noch schlechterer Stil von Kaufmann, das unüberprüft abzudrucken. Dabei hätte er sich nur das Youtube-Video der Veranstaltung ansehen müssen.

Andreas Matthies

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