Samstag um 14 Uhr auf dem Platz vor der Magnikirche sind einige Stuhlreihen im Schatten eines Baumes aufgestellt. Davor ein improvisiertes Pult, ein Verstärker, ein Mikrofon. Ein Moderator spricht einige einleitende Worte, und dann geht es Schlag auf Schlag: sieben Frauen und Männer tragen je ein kurzes, selbst verfasstes Stück vor, ein Gedicht, einen Kurzkrimi, die Schilderung eines selbst erlebten fast tödlichen Unfalls in der Oker, eine Kurzgeschichte. Jeder Beitrag dauert um die 5 Minuten, so dass es gar nicht langweilig werden kann. Ganz unterschiedliche Themen werden behandelt: die eigene Geburt vor 80 Jahren, während der Arzt noch Kaffee trank, eine Bekanntschaft mit einer DDR-Bürgerin im Zug nach Hannover ein halbes Jahr vor der Wende, zwei Morde in Folge, denen zunächst der Ehemann zum Opfer fiel und später der Pfleger, der in vollem Bewusstsein, dass er nicht schwimmen konnte, in die Oker gestoßen wurde, eine weitere Mordgeschichte, in der ein Mann die Leiche seiner Frau im neu angelegten Gartenteich hinter der Rosenhecke zu verstecken sucht und Einiges mehr.

Das Schöne ist: jeder kann hier etwas selbst Verfasstes vortragen, und es gibt ja gar nicht so wenige Menschen in jeder Altersgruppe (übrigens auch Schülerinnen und Schüler), die oft so nebenbei Gedanken und Geschichten zu Papier bringen. Das muss nicht literaturpreisverdächtig sein, und die 5-Minutenregel sorgt dafür, dass keine Romane vorgetragen werden können, durchaus aber spannende Teile daraus. Die fünf Frauen und zwei Männer, die am heutigen Samstag, dem 11. Juli, vorgetragen haben, haben es jedenfalls geschafft, ihren Zuhörern (nicht nur höflichen) Beifall zu entlocken. Die Zuhörer – wo kommen die eigentlich her? Was müssen sie mitbringen? Nur die Freude an Geschichten und produktiven Gedanken. Sie können einfach vorbeikommen, sich setzen und zuhören – und wieder gehen, wenn es ihnen nicht so zusagt. Diese Mal sind allerdings alle bis zum Schluss geblieben, auch weil die Atmosphäre freundlich und entspannt war.

`Schade, das hätte ich mir auch gern mal angehört`, denkt jetzt vielleicht mancher Leser und manche Leserin. Kein Problem, die kleine Veranstaltung war keine Eintagsfliege, an den nächsten vor uns liegenden 5 Samstagen geht es weiter, immer um 14 Uhr, immer auf dem Platz vor der Magnikirche. Und wenn das Wetter mal nicht so einladend ist wie im Augenblick, findet das Ganze eben in der Magnikirche statt. Jeder Zuhörer ist willkommen. Und wer etwas Eigenes vortragen möchte, kommt einfach zehn Minuten vorher und teilt es dem Moderator mit. Er oder sie kann damit rechnen, dass sein Vortrag auf offene Ohren und ehrliches Interesse stoßen wird.



























