noch bis 17. August 2026 im Louise-Schroeder-Haus, Hohetorwall 10
Anke Nagel ist eine ungewöhnliche Künstlerin. Wahrscheinlich lässt sie deshalb auch Ihre sensible, kraftvolle, phantasiegetränkte Kunst auf ungewöhnlichem Material stattfinden – auf topographischen Karten in Kunststoff- und Papierformaten nämlich, die sonst auf dem Müll gelandet wären.

Alte Katasterkarten spiegeln im Grunde ja nicht nur kartografierte Sicherheiten wider – sie sind auch historisch aufgeladen mit menschlichen Emotionen, mit Besitz- und Besitzergefühlen.
Die Künstlerin hat deren schweigend spürbare Sehnsucht nach einem neuen, ganz anderen Leben, der Erlösung aus der Pflicht zur kartografischen Präzision erkannt und sie zu Aufführungsorten ihrer künstlerischen Abenteuer gemacht.

So werden beispielsweise Kataster von Elbe oder Harz zu einer hintergründig-bunten Sehreise und es scheint, als wären sie allesamt – es sind mehr als 20 ihrer Werke in dieser wunderschönen Ausstellung zu sehen – aus dem Vermessungsalltag ausgewandert, um sich endlich von Anke Nagel zu ihrer wirklichen Gestalt verwandeln zu lassen.

Anke Nagel verändert tatsächlich unseren Blick auf kartographische Linien. Sie nimmt ihnen die Strenge, gibt uns dafür pure Freude am Schauen zurück. Wir sehen sie plötzlich nicht mehr als funktionales Werkzeug für Planung, Orientierung, Besitzansprüche, sondern als Spielplatz unserer Fantasie.

Die Künstlerin verwandelt diese topografischen Karten in ein eigenständiges künstlerisches Werk, entwickelt ihre eigene, sehr spezielle visuelle Sprache mit Kontrasten und Farben und Tiefen und erlaubt ihnen damit, uns noch bis zum 17. August im Louise-Schröder-Haus bunt-hintergründige Geschichten zu erzählen.

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