Jeffrey D. Sachs sieht die Schuld am Ukrainekonflikt bei den USA

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Jeffrey Sachs im Interview (Screenshot)

Warum vermutet der US-Starökonom die USA hinter den Pipeline-Lecks und nicht Russland? Und was darf die deutsche Wirtschaft für die Zukunft erwarten?

Jeffrey Sachs hat ein Interview gegeben, das wie eine Nachrichtenbombe in die Medienlandschaft einschlug. In dem Bloomberg-Interview stellte Sachs, Direktor des Earth Institute an der Columbia University und ein renommierter Buchautor, den Verdacht in den Raum: Die USA könnten für die Lecks verantwortlich sein – und „vielleicht auch Polen“. Nur wenige Zeitungen und die Nachdenkseiten berichteten darüber. Entsprechend seiner Aufgabe, weist der Braunschweig-Spiegel auf diese Veröffentlichung hin. Sachs sieht beim Ukrainekonflikt die die US-amerikanischen Neocons am Werk, wie schon bei den zahlreichen anderen Konflikten, die von den USA ausgingen.

Russlands Präsident Putin die USA der Sabotage bezichtigt. US-Außenminister Antony Blinken hatte die Anschuldigungen daraufhin entschieden zurückgewiesen. „Ich habe wirklich nichts über die absurde Behauptung von Präsident Putin zu sagen, dass wir oder andere Partner oder Verbündete irgendwie dafür verantwortlich sind“, sagte Blinken. Er warf Moskau „unerhörte Falschinformationen und Desinformations-Kampagnen“ vor. Dass eine Seite lügt scheint klar zu sein. Beiden Parteien ist die Lüge auch zuzutrauen. Fragt sich nur, wer ein Interesse an der Pipe-Zerstörung hat.

„Exklusiv – Jeffrey Sachs im Gespräch: Aus diesem Grund wurde Nord Stream wohl zerstört“ JDS und Berliner Zeitung (Interview am 4.10.2022)

Jeffrey Sachs: „Das ist ein Krieg zwischen Russland und den Vereinigten Staaten“ (Nachdenkseiten aus einem Interview am 10.10.2022)

Jeffrey Sachs: end Ukraine proxy war or face „armageddon“ Youtube

6 Kommentare

  1. Zu „Jeffrey D. Sachs sieht die Schuld am Ukrainekonflikt bei den USA“
    Jörn Halusa
    13. Oktober 2022
    Braunschweig-Spiegel

    Der Autor Karl-Friedrich mag da wohl im Braunschweig-Spiegel einen etwas einseitigen Artikel in großer Eile verfasst haben.

    Sein Bildschirm ist dann beim Schreiben möglicherweise zu heiß geworden, daher „Screenhot“ statt „Screenshot“. Auch der erwähnte Nord-Dampf „Nord Steam“ satt „North Stream“ stützt diese These.

    Wünschenswert wäre eine Abwägung des Berichts über Jeffrey Sachs im Lichte schon bestehender Veröffentlichungen gewesen:

    Handelszeitung (Schweiz)
    Jeffrey Sachs und seine kruden Sabotagetheorien zu den Nord-Stream-Lecks.
    https://www.handelszeitung.ch/panorama/us-starokonom-jeffrey-sachs-und-seine-kruden-theorien-zur-sabotage-der-nord-stream-pipelines-537014

    Kurier (Österreich)
    Die Arroganz des Jeffrey Sachs
    https://kurier.at/meinung/gastkommentar/die-arroganz-des-jeffrey-sachs/402140997

    Und die Bewertung der „Berliner Zeitung“, die das betreffende Interview mit Jeffrey Sachs veröffentlicht hat, ist in diesem Zusammenhang auch nicht uninteressant:

    TrustPilot
    Berliner Zeitung: Bewertung mangelhaft
    https://de.trustpilot.com/review/berliner-zeitung.de

    Karl-Friedrich, Abyssus abyssum invocat!

    Ralf Beyer

  2. Lieber Ralf,

    Jeffrey Sachs ist ja nun fraglos ein intelligenter Mann, der auch schon im Auftrag der amerikanischen Regierung gearbeitet hat und sich den Ruf eines renommierten Wissenschaftlers verdient hat. Hat er es nicht wenigstens verdient, dass seine Argumente und Hinweise ernst genommen und geprüft werden?

    Leider findet sich in Deinem Beitrag kein Wort dazu. Statt dessen drei Links, die es dem Leser nahe legen, eine inhaltliche Auseinandersetzung mit Sachs von vornherein sein zu lassen:

    1. Ein Kommentar in der schweizerischen Handelszeitung, der sich aber leider hinter einer Bezahlschranke befindet. So bleibt dem geneigten Leser nur die Überschrift:“US-Starökonom Jeffrey Sachs und seine kruden Theorien zur Sabotage der Nord-Stream-Lecks“. Wer will schon seine Zeit damit verschwenden, sich auch noch mit kruden Theorien zu befassen?

    2. Ein Kommentar im österreichischen Kurier mit der Überschrift „Die Arroganz des Jeffrey Sachs“. Man bekommt einen Kommentar von einem Anton Pelinka präsentiert, der allerdings gar nicht auf Sachs´ Thesen zum Anschlag auf die Nord-Stream-Leitungen eingeht, denn er stammt von 4. September! Statt dessen setzt er sich mit einem Interview auseinander, das Sachs dem Kurier gegeben hatte; dieses Interview aber befindet sich – richtig, hinter einer Bezahlschranke. Das bringt den Leser also auch nicht weiter.

    3. Schließlich wird darauf verwiesen, dass die Berliner Zeitung von einem Portal „Trustpilot“ als „mangelhaft“ bewertet wird. Die Berliner Zeitung hatte ein weiteres Interview mit Jeffrey Sachs geführt, das in obigem Artikel verlinkt ist. Die Aussagen des Interviews stammen allerdings (wie in jedem Interview) offenbar vom Interviewten (also hier Sachs), da hatte die Berliner Zeitung keine Chance, etwas Mangelhaftes hineinzuschmuggeln. Aber kann so ein „linkischer Hinweis“ den Leser zur offenen Befassung mit dem Interview anregen? Wohl kaum.

    Natürlich kann man Argumente und Meinungen, die einem nicht gefallen, so zu diskreditieren versuchen. Und natürlich ist es einfacher, schnell mal ein paar Links mit negativem Touch herauszusuchen, als sich die Mühe und Denkarbeit zu machen, inhaltlich zu argumentieren.

    Allerdings würde es uns alle weiterbringen, wenn wir stattdessen zur inhaltlichen Diskussion kämen.

    Freundliche Grüße

    Andreas

  3. In der causa wuerde ich John Mearsheimer in den Zeugenstand bitten. Er schrieb schon 2014 in Foreign Affairs zu dem Konflikt den Amerikanern zumindest Mitschuld daran zu (leider nur englisch)
    http://www.mearsheimer.com/wp-content/uploads/2019/06/Why-the-Ukraine-Crisis-Is.pdf
    Foreign Affairs ist alles andere als eine linke Zeitschrift, ebensowenig wie Mearsheimer linke Positionen vertritt (s. wiki)
    Seit letztem Fruehjahr beteiligt er sich nun ebenfalls an der Debatte, zB (deutsche Uebersetzung)
    „Westen traegt Hauptverantwortung fuer Ukraine-Desaster“
    https://weltwoche.ch/daily/108299/
    oder
    „Krieg zwischen USA u Russland“
    https://globalbridge.ch/ukraine-es-ist-ein-krieg-zwischen-den-usa-und-russland/

    Weitere Akademiker (unverdaechtig ‚Putinisten‘ zu sein) unter
    „Vor der Osterweiterung der NATO wurde mehrfach gewarnt“
    https://globalbridge.ch/die-mitverantwortung-der-usa-und-der-nato-vor-der-osterweiterung-der-nato-wurde-oeffentlich-gewarnt/

    Es faellt dabei immer auf, wie vernuenftig und zurueckhaltend, fast sanft (zB von Chomsky) argumentiert wird:
    „Wird Putin einfach die Koffer packen und sich davonschleichen?“
    https://www.heise.de/tp/features/Chomsky-Wird-Putin-einfach-die-Koffer-packen-und-sich-davonschleichen-7280107.html

    Mehr Wut liegt in Brummes Antwort auf Mearsheimer im Cicero
    https://www.cicero.de/aussenpolitik/replik-john-mearsheimer-ukraine-krieg-brumme
    Zitat:
    „Deshalb will Putin nicht nur die schöne Ukraine zum Beischlaf zwingen [vgl Theweleit …], sondern auch den Westen quälen. Die westlichen Gesprächsangebote steigerten in den letzten Jahren nur seine Wut und seine Empörung. Er will kämpfen und siegen, nicht reden. Er will, dass man ihn fürchtet, nicht, dass man ihm vertraut.“

    Aber wohin fuehrt die Eskalation mit immer mehr Waffen?
    Und wer soll nun gegen Russland kaempfen – die Ukraine oder die Nato?

  4. Die Sabotage von Nordstream, Angriff auf Deutschland! https://wp.me/paI27O-49i

    Ich habe noch weitere Videos und Artikel, die das Interesse der USA betonen, ihr teures Frackinggas statt des billigen Erdgases aus Russland zu verkaufen. Biden sagte im Februar Scholz, dass er im Fall eines Angriffs Nordstream stoppen werde… siehe oben… Und wenn man eine seriösen US-Amerikaner im Original hören will: US Col. Richard Black Asks: Did U.S/NATO Blow up the Nord Stream Pipelines? https://www.youtube.com/watch?v=ALb2FPXFro4

  5. Lieber Andreas,

    Du hast Recht, ich habe mich nicht zu den angesprochenen Themen geäußert.

    Es ist möglicherweise Deiner Aufmerksamkeit entgangen, dass ich statt dessen eine Abwägung des Berichts über Jeffrey Sachs im Lichte schon bestehender Veröffentlichungen für wünschenswert erachtet hatte.

    Dass einige der dazu angezogenen Veröffentlichungen hinter Bezahlschranken liegen, ist nun mal ein Zeichen der Zeit. Die, die es sich leisten können, bekommen daher auch in Zukunft kommerziell erstellte Informationen. Andere werden wohl zunehmend nur noch mit Propaganda, Werbung und Foren sowie mit öffentlichen Verlautbarungen kostenlos versorgt werden.

    Zu Deiner Information habe ich Dir die betreffenden Artikel übersandt:

    – 220903 Mitschuld am Krieg? „USA hätten die NATO auf Eis legen sollen“ (Kurier)

    – 220909 Die Arroganz des Jeffrey Sachs (Kurier)

    – 221004 Jeffrey Sachs und seine kruden Sabotagetheorien zu den Nord-Stream-
    Lecks (Handelszeitung)

    Mit Dank und Gruß

    Ralf Beyer

  6. Lieber Ralf,

    Du hast es mir nun ermöglicht, die Artikel zu lesen, die hinter der Bezahlschranke sind. Danke dafür. Der Leser des Braunschweig-Spiegel konnte das aber nicht und kann es auch jetzt nur, wenn er dafür bezahlen will. Das habe ich Dir auch schon persönlich geschrieben.

    Du schreibst, es sei möglicherweise meiner Aufmerksamkeit entgangen, dass Du eine Abwägung des Berichts über Sachs im Lichte schon bestehender Veröffentlichungen für wünschenswert erachtet hättest. Da ich Dir darauf schon umfangreich persönlich geantwortet hatte, finde ich es nicht besonders fair, dass Du diese Antwort schlicht übergehst. In Deiner persönlichen Antwort schriebst Du, meine Kritik sei unbegründet, und Deine Begründung war: „Entschuldige bitte, aber in der Wissenschaft sind wir es gewohnt, systematisch und nachvollziehbar vorzugehen: Wünschenswert wäre also eine Abwägung des Berichts über Jeffrey Sachs im Lichte schon bestehender Veröffentlichungen gewesen.“

    Meine Antwort darauf will ich nun auch öffentlich wiedergeben:

    „Meiner Ansicht handelt es sich nun wirklich nicht um wissenschaftliche Texte, sondern um politische Meinungsartikel bzw. -äußerungen (die Interviews). Und die werden getätigt, um auf die allgemeine Meinungsbildung einzuwirken. Das ist natürlich völlig legitim. Im Idealfall versuchen viele Menschen, sich durch Diskussion der verschiedenen Einschätzungen und Meinungen eine eigene Meinung zu bilden. Genau dazu sollte auch das Interview mit Sachs dienen. Ich hatte das bereits am Beispiel der zwei gegensätzlichen Positionen im Braunschweig – Spiegel zur Frage, wer für die Anschläge auf die Pipelines verantwortlich ist, erläutert.“

    Von diesem Idealfall sind wir zur Zeit leider weit entfernt. Statt intensiven sachlichen Auseinandersetzungen, statt Prüfung aller Argumente, ungeachtet der Person, haben sich Lager gebildet, die nicht selten „die anderen“ diffamieren, ihnen etwas unterstellen oder sie sogar als Feinde ansehen. Das ist für eine Demokratie sehr schädlich.

    Wir haben es in der Hand das zu ändern. Durch ernsthaftes Abwägen der vorgetragenen Argumente, ohne den Vortragenden von vornherein in ein schlechtes Licht zu setzen („Arroganz“, „krude Sabotagetheorien“).

    Du schreibst zutreffend, Du hättest Dich bisher nicht inhaltlich geäußert. Was spricht dagegen, nun damit anzufangen? Ich würde mich freuen.

    Freundliche Grüße

    Andreas

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