Exzellenzuniversität: Bewerbung der TU Braunschweig

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Pressemitteilung

Mal wieder steht die deutsche Hochschullandschaft Kopf: Nachdem bereits in den vergangenen Jahren die Exzellenzinitiative in ihren drei Antragsrunden für Aufruhr bei den Universitäten gesorgt hat, handelt es sich nun um das Nachfolgeprogramm, die „Exzellenzstrategie“, welches die Hochschulen beschäftigt. Den Universitäten ist es nicht zu verdenken, immerhin geht es um 10 bis 15 Millionen Euro jährlich frei verfügbarer Mittel. Dazu kommt der mit viel Prestige einhergehende Titel der „Exzellenzuniversität“. Doch ist dies wirklich die Art von Finanzierung, die den Bedarfen an den Hochschulen gerecht wird und die wissenschaftliche Freiheit garantiert?

In den vergangenen Jahren konnte eine zunehmende Ökonomisierung der Hochschulen beobachtet werden: Die Einrichtungen stehen unter dem wachsenden Zwang, Drittmittel von privaten Akteuren und Projektgelder von staatlichen Finanzquellen einzuwerben, um ihre Forschung und Lehre finanzieren zu können. Mit der Begründung, dass die „internationale Wettbewerbsfähigkeit“ erhalten werden müsse, wird so die Konkurrenz untereinander immer weiter verstärkt. Hier muss die Frage gestellt werden, ob unter derartigen ökonomischen Zwängen die hochgehaltene Freiheit von Forschung und Lehre noch gewährleistet sein kann. Denn kann deren Unabhängigkeit gesichert sein, wenn die Forschenden beständig unter dem Druck stehen, dass ihre Ergebnisse ökonomisch verwertbar sein müssen?

Eine weitere Folge der „Exzellenz“-Politik ist zudem, dass sie zu einer Verstärkung der Ungleichheit im Bildungssystem und der Bildung eines geschlossenen Elitensystems führt: Die deutsche Hochschullandschaft bedarf dringend grundlegender Investitionen in ihre Sanierung, um die derzeitigen Bildungsangebote und Forschungsmöglichkeiten zu erhalten. Stattdessen werden die am besten ausgestatteten Einrichtungen noch weiter gefördert, während die meisten anderen auf der Strecke bleiben. Diese gut ausgestatteten Einrichtungen liegen nicht selten in Städten, in denen sich aufgrund des hohen Mietspiegels nicht alle ein Studium leisten können. So führt die einseitige Förderung zu einer Verstärkung der ohnehin schon hohen sozialen Schranken im Bildungswesen.

Nach der Exzellenzinitiative knüpft nun die Exzellenzstrategie an diese Tradition an: In der derzeitigen Runde stehen noch 19 Universitäten oder Universitätsverbünde, die sich auf maximal 11 Plätze bewerben. An den betroffenen Universitäten lässt sich beobachten, was dies bedeutet: Monatelang scheint es kein anderes Thema zu geben, als die Bewerbung bzw. die Begehung vorzubereiten. An einigen Universitäten werden eigene Stabsstellen gebildet, die nur zur Vorbereitung der Bewerbung arbeiten. Ansprechpersonen und Stellen der Uni sind kaum noch für andere Anliegen zu erreichen, wichtige Arbeiten bleiben liegen, Mitarbeitende werden unter Druck gesetzt. Alles unter dem Deckmantel, dass es im Interesse aller sei, wenn die Universität „exzellent“ werden würde.

Bei all diesen Bemühungen um die „Forschungsexzellenz“ bleibt die Rolle der guten Lehre, die eigentlich gleichberechtigt neben dem Forschungsauftrag stehen müsste, allenfalls ein netter Nebeneffekt.

Aus Sicht der Universitäten ist dies nachvollziehbar, immerhin geht es für sie um viel. Doch ist dies die Hochschulfinanzierung, die wir uns wünschen und die uns im vielzitierten“internationalen Wettbewerb“ auszeichnet? Wäre nicht eine vielfältige Hochschullandschaft erstrebenswerter? In der die Freiheit von Forschung und Lehre gewährleistet wäre und nicht unter ökonomische Zwänge gestellt würde? In der Mitarbeitende gute Arbeitsbedingungen genießen und Stellen der Universität sich auf ihre wirkliche Arbeit konzentrieren können?

Wir möchten dazu aufrufen, den Prozess kritischer zu diskutieren und nutzen daher die TU Night am 29.06., um darüber nachzudenken, wie wir an der TU Braunschweig mit dem Prozess umgehen und wie eine nachhaltige Hochschulfinanzierung aussehen kann. Zu Gast auf dem Podium werden sein: Anke Kaysser-Pyzalla, Präsidentin der TU Braunschweig, Torsten Bultmann vom Bund demokratischer WissenschaftlerInnen (BdWi), Annette Schütze, Mitglied im Wissenschaftsausschuss des Landtages Niedersachsen (SPD) und Kevin Kunze vom freier Zusammenschluss von Student*innenschaften (fzs, angefragt).

Moderiert wird die Veranstaltung von Dr. Elisabeth Hoffmann, Leiterin der Pressestelle der TU Braunschweig. Uhrzeit und Raum werden noch bekannt gegeben.

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