Dauerhaft mitweltgerechte Entwicklung und Energiepflanzenanbau

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Autor der Waldbriefe: Karl-Friedrich Weber

54. Waldbrief vom 18.12.21

„Nachhaltigkeit ist ein langweiliger Begriff. Da ist „sustainability“ besser. Da ist eine „ability“, eine Fähigkeit drin. Aber „nach“ und „halten“? Meine Abneigung gegen diesen Begriff liegt auch daran, dass dabei nicht zum Ausdruck kommt, was eigentlich gemeint ist. Es bedeutet eben nicht, dass wir diese Welt so erhalten wollen, wie sie jetzt ist, sondern wir wollen die in dieser Welt angelegte Dynamik, Vitalität und Produktivität bewahren und Fördern. Diese Robustheit und Elastizität wollen wir schon beibehalten, aber nicht den augenblicklichen Zustand. Es soll in dieser Richtung mit der Lebendigkeit weitergehen.“

(Hans-Peter Dürr, Physiker)

Als ich vor neun Jahren nachstehenden Vortrag hielt, bewegte sich die öffentliche Diskussion um Fragen der Nachhaltigkeit. Sie war ein Nachklang der Agenda 2000, jener Idee, die vor zwanzig Jahren den gesellschaftlichen Mainstream erreichte. Im Vordergrund standen Begriffe, wie der des ökologischen Rucksacks, den jeder mit sich schleppe oder die Abstraktion eines Umweltraums, der die Grenzen nachhaltiger Ressourcennutzung für alle Menschen dieser Erde in Gleichheit markiere; eine fundamental bedeutsame dynamische Größe und gleichermaßen ein Denkmodell von Humanität und Gerechtigkeit. Und es ging um Suffizienz, um die Frage nach dem, was genüge für ein gutes Leben. Das würde auch Verzicht auf das bedeuten, was nicht notwendig sei oder uns wie auch die Gesellschaft sogar an Leib und Seele krank mache. Der Begriff des Verzichts ist hingegen ein Tabu unserer Tage. Er ist uns zu eindeutig, weil er unmissverständlich ist, in dem er klärt, worum es künftig gehen muss. Wir sind aber nicht bereit zu verzichten. Das Menetekel wird nicht verstanden.

Heute würde ich den Vortrag in einigen Punkten wohl anders akzentuieren. Ein Jahrzehnt ist eine Zeitspanne, in der sich gesellschaftliche Prozesse verändern, ebenso wie der Erkenntnisraum, der sich kontinuierlich begrenzt oder erweitert. Die politische Rhetorik des Wahlkampfjahres 2021 macht es deutlich. Alle Parteien haben Wachstum versprochen, ohne zu erklären, was dauerhaft wohin wachsen soll. Allen gehen die Bekundung der Bereitschaft zur Transformation glatt über die Lippen; ein Begriff, der, kaum neu im Gebrauch, schon gemeinsam mit der eigenen „zu tiefsten Überzeugung“ zur Plattitüde deformiert worden ist. Unbestimmt bleibt, was transformiert werden soll: Die Gesellschaft? Die Mittel für das Weiter so, wie bisher – das Wachstum an Mobilität, an Flächenverbrauch, an Konsum von Verbrauchsgütern, an Unrast – auf regenerative elektrische statt auf fossile Weise?

Hans-Peter Dürr hatte recht. Begriffe werden besetzt, unbestimmt und oft nicht verstanden. Mit Windenergieanlagen über „Zukunftswäldern“ und „Klimaparks“ im Offenland werden so Entwicklungen vorbereitet, deren langfristige Auswirkungen vollkommen im Dunkeln liegen.

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