100 Jahre – Wer braucht das Herzogtum?

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Braunschweig Einhundert Jahre:

– 100 Jahre Beendigung des 1. Weltkrieges durch die Novemberrevolution
– 100 Jahre Schulbildung und Schulpflicht auch für Mädchen
– 100 Jahre allgemeines, gleiches, direktes und geheimes Wahlrecht
– 100 Jahre Frauenwahlrecht
– 100 Jahre Achtstundentag

100 Jahre … und wer wünscht sich das Herzogtum zurück?

30 Mio. € für Glanz und Gloria aus der Stadtkasse

Wer glaubt, die Glorifizierung des Welfen-Hauses sei doch spätestens seit Aufarbeitung der Kriegsverbrechen der herzöglichen Truppen im belgischen Roselies passé, der irrt gewaltig: +++ die Parteien im Rat machten Millionenbeträge für das Fürstliche, Autokratische locker +++

vom schlossähnlichen Ambiente und Einbauten mit +4 Mio.€ im Jahre 2006, +17 Mio. € Schlossfassade, +ca. 300 Tsd. Quadriga-Kosten, +rd. 100 Tsd.€ Sanierungskosten Herzog-Thron und Himmelbett, +ca. 3 Mio. € Inneneinrichtung Schlossmuseum, schlugen das Kaiser-Otto-Jahr 2010 mit weiteren + 2 Mio. und das Fürstenhochzeits-Jubiläum 2013 mit +1,2 Mio.€ in den städtischen Haushalten zu Buche, zusammen also in den letzten 10 Jahren runde

+++28 Mio.€+++.

Die Begründung dafür sei die „Braunschweigische Identität“, so die Apologeten des Herzöglichen. (alles nachzulesen in der BIBS-Zeitung „Unser Braunschweig“ Nr.10, S.4 )

Thron im Schloss-Museum – „Schaltzentrale der Braunschweiger Kultur“?

Das Schloss-Museum bekommt Jahr für Jahr eine Bezuschussung für die Raumkosten in Höhe von 84.000 € sowie weitere 141.000 € für Allgemeines.

Wesentliches Ausstellungsstück: Der Thron des Herzogs.

Die Herrschaften von Borek über Hoffmann bis hin zu Glogowski sehen den Herzog-Thron als eine Art Inkarnation für Braunschweigische Identität – ein rückwärts-gewandtes Menschenbild der Untertänigkeit …

Eines sollten der Rat der Stadt und seine Parteien nun spätestens seit dem Fiasko der Verleihung der Ehrenbürgerschaft an Herrn Piéch (VW) vor vier Jahren gelernt haben:

Braunschweig mag zwar noch Vieles benötigen, keinesfalls aber alten Adel oder neuen Geld-Adel.

3 KOMMENTARE

  1. Ich möchte Peter Rosenbaum aus Wolfenbütteler Sicht ergänzen: Wäre die welfische Herzogerei nicht nach Braunschweig umgezogen, wäre Brunswiek letztlich nichts als nur ein lautes Helau ohne Quadriga. Wir haben hier auch zwei Herzogs-Standbilder – und natürlich das alte Schloss. Es beherbergt ein Gymnasium und ein Feudal-Museum. Wir sind hier immerhin trotz des Umzugs immer noch die „Liebe kleine Herzogstadt“ im Widersinn zu der Behauptung, Wolfenbüttel-Krähwinkel sei die „heimliche Kulturhauptstadt Niedersachsens“. Die als „Schloss-Museum“ benannten feudalen Räumlichkeiten bilden seit Mai vergangenen Jahres die Einheit des Adels mit dem sogenannten „Bürger Museum“, in dem es tatsächlich nur um Bürgerlichkeit geht und in dem die historisch einfachen Menschen der Stadt – das Prekariat – natürlich nicht vertreten sind.

    Eine SPD-Ratsfrau hat das so ausgedrückt: „Das ist ein Bürger- und kein Arbeitermuseum!“ Basta. Darum wird hier auch nicht der ehemalige SPD-Bürgermeister Otto Rüdiger, der das KZ Dachau überlebte, geehrt, sondern die Dame, die auch heute noch als „königliche Hoheit Viktoria Luise“ genannt wird; obwohl sie Wolfenbüttel nur ein paar Mal besucht hat.

    Demnächst wird der „Arbeitskreis Andere Geschichte“ das „Bürger Museum“ besuchen. Ich hoffe sehr, dass diese Institution dann endlich von den nicht aus Wolfenbüttel stammenden – das gelingt uns hier nicht – Bürgerinnen und Bürgern als Zentrum der Geschichtsverfälschung enttarnt wird.

      • Im vergangenen Dezember hat die Leiterin des Feudal-Museums mit Beistand des Braunschweiger TU-Professors Dr. Steinbach einen Vortrag unter diesem Titel gehalten: „Das Opernglas der Herzogin“. Sie hat auch über das Thema „Landesmutter ohne Land“ referiert und natürlich die „prachtvolle“ Hochzeit erwähnt.

        Leider hat die Presse über diesen Vortrag nicht berichtet. Daher ist unbekannt, ob die Historikerin auch die NS-Verstrickung der Dame „berührt“ oder wenigstens darauf hingewiesen hat, dass Frau „Hannover“ oder „Wolfenbüttel/Lüneburg“ oder wie sie richtig heißen mag – ihre Erinnerungsbücher laut Roloff nicht selber geschrieben hat, sondern der rechtsradikale Verleger Leonhard Schlüter.

        Das Museum bemüht sich sehr um die Vermittlung von Geschichte an Kinder: Mädchen dürfen sich als Prinzessinnen verkleiden. Oh wie schön! Ob das Museum auch Dienstbotenkleidung für Kinder bereit hält, ist unbekannt, ebenso, ob Jungen sich mit einem Blaumann verkleiden dürfen.

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