Verkehrsgutachten zum Flughafenausbau- immer wieder neue Fragen…

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Vorgeschichte:

Im August 2011 wurde der Verkehr in Waggum/Ortsausgang Bienrode gezählt, das war nicht angekündigt, mitbekommen hat es offenbar auch niemand.

Das Ergebnis wurde erstaunlicherweise dem Stadtbezirksrat 112 auch nicht mitgeteilt, statt dessen sollte nun aber nochmals neu gezählt werden, entweder im März/ April 2012 (während der Bauarbeiten) oder aber im Herbst 2012. Der Stadtbezirksrat sollte nun über die Terminauswahl mitentscheiden. Dazu am 1.2.2012 die damalige Stadtbaurätin Frau Sommer:

„Für die weitere Diskussion des Verkehrskonzeptes für die Flughafenumfahrung ist es wichtig, dass die Bürgerinnen und Bürger die Ergebnisse der ergänzenden Verkehrsuntersuchung akzeptieren. Insofern hat sich die Verwaltung dazu entschieden, den Stadtbezirksrat in die Entscheidung über den Zeitpunkt der Verkehrserhebung einzubeziehen“.

In seiner Sitzung vom 8.2. rügte der Stadtbezirksrat die „Geheimniskrämerei“ und beschloss, erst nach Bekanntgabe der bereits vorliegenden Zählergebnisse über einen neuen Verkehrszählungstermin zu entscheiden.

Die Verwaltung ignorierte jedoch diesen Wunsch und wies die Flughafengesellschaft an, das WVI (Prof. Dr. Wermuth Verkehrsforschung und Infrastrukturplanung GmbH) mit der Verkehrszählung im Frühjahr 2012 zu beauftragen.

Sie wurde dann bekanntlich am 17./18.April 2012 durchgeführt, die Ergebnisse in der Presse und auf den Bezirksratssitzungen vom 18.07. und 17.09.2012 vorgestelllt und heiß diskutiert.

Am 18.09.2012 fand eine Sitzung des Rates der Stadt Braunschweig statt, in deren Verlauf Silke Arning kritische Fragen dazu an den Stadtbaurat Herrn Leuer richtete.

Antwort von HerrnStadtbaurat Leuer:

 „… dahinter stand der Wunsch … auch des Stadtbezirksrates, möglichst zeitnah belastbare Zahlen zur Verkehrssituation im Raum Waggum zu erhalten…“

– LEIDER FALSCH!, Herr Leuer, wie soeben dargestellt. Der Stadtbezirksrat wünschte zwar schon zeitnahe Zahlen, jedoch zunächst erstmal die Zahlen vom August 2011, die Sie jedoch aus unerfindlichen Gründen nicht mitteilen wollten. Keinesfalls hat sich der Bezirksrat für eine Verkehrszählung während der Baumaßnahmen ausgesprochen.

Weitere Antwort von Stadtbaurat Leuer:

„ … Also seit Schließung der Grasseler Straße 2010 sind es sehr konstant 6300 bis 6400 Fahrzeuge – vor Einrichtung dieser Baustelle wie während dieser Baustelle, identisch gleich. Damit konnte ausgeschlossen werden, dass sich durch die Teilsperrung … großräumige Verkehrsverlagerungen aus dem Bereich Bevenrode/ Waggum heraus ergeben haben, die insgesamt dämpfend auf das Ergebnis der Erhebung wirken würden. Also das konnte, meine ich, in der Tat, sehr sicher ausgeschlossen werden“

– LEIDER AUCH FALSCH!, Herr Leuer-

 Richtig ist: Die Grasseler Straße wurde am 15.11.2010 gesperrt, die Zählanlage von Bellis wurde Ende 2010 in Waggum,Ortsausgang Bienrode in Höhe des Verkehrsübungsplatzes errichtet, lieferte jedoch erst ab November 2011 (45.Kalenderwoche) Daten, oder aber : erst seit diesem Zeitpunkt wurden die gemessenen Daten in den Vergleich der Verkehre einbezogen. Es gibt also keinen Datenvergleich kontinuierlich seit Schließung der Grasseler Straße (mit „vor und nach Baustellenbeginn“) und, was noch entscheidender ist, überhaupt nicht vor Schließung der Grasseler Straße, um für später Vergleichszahlen zu gewinnen.

Im Übrigen ist der Bereich Hermann-Schlichting-Straße/ Hermann-Blenk-Straße/ Forststraße/ Steinriedendamm durch verschiedene Baumaßnahmen eigentlich durchgehend Baustelle gewesen, es gibt hier einfach keine Unterscheidung in „vor und nach Baustellenbeginn“, sondern nur unterschiedliche Baustellenintensitäten.

Schließlich lässt die Tatsache, dass ein auf einer bestimmten Strecke zu einer bestimmten Zeit gezählter Verkehr nicht wächst, immer noch zwei Schlüsse zu:

1. Der gesamte Verkehr wächst wirklich nicht, oder aber

2. der potentielle Verkehr wächst zwar insgesamt, sucht sich aber während der Baustellenzeit vorübergehend z.T. andere Wege (Bechtsbüttel, B4, Hondelage, Wendhausen…). Laut Aller-Zeitung- online vom 4.11.2011 wurde in Bechtsbüttel ein gegenüber Oktober 2010 um 37% erhöhtes Durchgangsverkehrsaufkommen gezählt. Das war kurz vor der Aufnahme der Vergleichszahlen durch das WVI. Wie sich dieser Verkehr nach Ende der Baumaßnahmen verhalten wird, ist noch völlig offen.Das konnte entgegen der Beteuerungen von Herrn Leuer und des WVI nicht entkräftet werden.

Hier zieht Herr Leuer sehr vereinfachte Schlüsse, die anscheinend nur bloß ins Konzept einer Null-Lösung passen sollen.

Außerdem muss sich Herr Leuer folgende Fragen gefallen lassen:

1.) Anfang 2012 kurz nach seiner Ernennung hat er das Ergebnis der Verkehrszählung in Waggum/Ortsausgang von 2009 ( die ebenfalls unter Geheimhaltung ablief) kurzerhand persönlich von 4600 auf 3900 „korrigiert“. Wie kann man aber eine Zählung korrigieren? Gezählt oder nur geschätzt?

Wie verbindlich sind denn eigentlich Verkehrszählungen, wenn man sie später einfach mal so korrigieren kann?

2.) Wieso ist auf der Internetseite der Stadt Braunschweig bis heute (24.09.2012) eine Verkehrsmengenkarte mit Stand vom Juni 2009 zu sehen, wogegen das WVI mit einer bisher unbekannten aktualisierten Version vom Dezember 2009 gearbeitet hat. Wer vergleicht hier eigentlich was womit?

Interessant dazu auch Folgendes: auf der Bezirksratssitzung 112 am 17.09. 2012 wurde eine Einwohnerfrage durch das WVI nur ausweichend beantwortet, welchen Fehlergrad eine Stichprobenzählung von 8 Stunden/Tag mit anschließender 24-std.-Hochrechnung haben kann, wenn z.B. in deren Ergebnis in der Bechtsbütteler Str. in Bevenrode auf einen Busverkehr von 0 pro 24std. geschlossen wird, nur weil der vorhandene Schulbusverkehr einfach nicht ins vorausgesetzte Schema passt (Verkehr außerhalb der Stichprobenzeit, Streckenführung nicht in Linie, sondern im Zickzack durch die Orte)? Dieser Verkehr ist also real sehr wohl da, wurde aber durch die Stichprobenzählung überhaupt nicht erfasst. Wie viel Verkehr fällt zusätzlich noch durch das Raster?

Hilflos wirkte die Antwort vom WVI: „wenn wir keinen Bus gezählt haben, war auch kein Bus da. Diese Frage dürfte auch nicht so entscheidend sein, um das Ganze zu beurteilen“.

Wenn aber ein Gutachten Fragen zu Details nicht standhält, was ist es dann im Ganzen wert?

 


Kommentare   
 
0 #1 Heiner Waßmuß 2013-09-27 22:10
Wieder eine Bestätigung für das unkoordinierte oder bewusst an den Interessen der Bürger vorbei gehende Verhalten der für den Flughafen-Ausbau Verantwortlichen: erneute Sperrung der Hermann-Schlichting- Straße (diesmal voll!) mit Komplett-Umleitung der Buslinie M13 im September 2013!
 
 

 

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