Gute Nacht, Deutschland!

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Foto: Thorsten Stelzner

Von Thorsten Stelzner

Um Mitternacht, ich liege wach und denke über vieles nach. Zuerst kommt mir direkt in den Sinn, dass ich extrem geborgen und ziemlich frei von Sorgen bin.

Obwohl längst Nacht und wirklich spät, das Licht, es brennt, die Heizung geht. Das Wasser läuft, das Dach ist dicht. Der Regen draußen stört mich nicht. Das Haus ist ruhig, die Kinder auch. Nicht eines krank, kein Hungerbauch. Sind alle fit, satt und gesund. Sie schlafen tief – für Angst keinen Grund.

Das ist ein Glück – das größte schier. Wir leben jetzt, wir leben hier. Nur 100 Jahre früher, eventuell auch später, was taten/täten Mütter, Väter, um sich ganz so bewusst zu sein. Es geht uns gut! Wir hatten Schwein!

Nur 1000 Kilometer, die Richtung fast egal, da leiden Menschen größte Qual. Da herrscht Verzweiflung, Angst, und Not. Da stirbt die Hoffnung, siegt der Tod. Da fragt sich Mensch: Warum? Warum nur wir? Warum herrscht Krieg und Seuche hier? Warum ist Leben hier so schwer? Es geht mir schlecht! Ich kann nicht mehr!

Um Mitternacht, ich liege wach und denke über vieles nach. Als Zweites kommt mir in den Sinn, dass ich hier ziemlich sicher und dafür unermesslich dankbar bin: All denen, die auch nachts noch tun, was nötig ist – sie tun es nun.

Ich liege hier und schreibe bloß dieses Gedicht – wie ahnungslos! Ich weiß genau, ich weiß es nicht wie’s ist, wenn man zusammenbricht unter der Last, dem Druck, dem Stress, der einen nicht mehr ruhen lässt.

Was für ein Glück, das größte hier. Die Menschen, die stets dir und mir zur Seite stehen und dafür Sorgen… Das Licht, es brennt auch noch am Morgen. Das Wasser läuft, die Heizung geht – egal wie kalt, egal wie spät – wir sind versorgt. Wir werden satt und wenn es jemand nötig hat, dann sind sie da, ob Tag, ob Nacht, verarzten uns und halten Wacht; sie hegen, pflegen und versorgen und bleiben meist dabei verborgen. Sie schützen uns zu jeder Zeit, tun ihren Dienst, sie sind bereit, ob es hier raucht, knallt, oder brennt, wenn man am liebsten selbst wegrennt, dann tun sie nicht nur ihre Pflicht. Nein! Das ist mehr! Das trifft es nicht..

Um Mitternacht, da lag ich wach, dachte kurz darüber nach und dann fiel mir schließlich ein, wir sollten demütig, zufrieden und im besten Sinne menschlich sein! Mehr fällt mir dazu jetzt nicht ein.

Außer …doch, das eine noch: Es gibt tatsächlich Menschen hier, die kloppen sich um Klopapier!

Gute Nacht, Deutschland! Schlaf gut! Und die Welt schaut zu!

Anmerkung der Redaktion: Das Gedicht kann hier als PDF in besserer Formatierung heruntergeladen werden. Und hier das Video, in dem Thorsten Stelzner sein Gedicht vorträgt.

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