Flughafenerweiterung und falsche Gutachten

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Bekenntnis der Stadt zum Umwelt- und Klimaschutz ein reines Lippenbekenntnis

Sechs Jahre Zeitverzug bei den Ersatzaufforstungen und erhebliche Ausfälle – 220.000 Bäume müssen nachgepflanzt werden. Ursprünglich waren Ersatzpflanzungen auf 80 ha Fläche zur Aufforstung vorgesehen, zu denen sich die Stadt bzw. die Flughafengesellschaft für den vor acht Jahren abgeholzten Querumer Wald im Planfeststellungsverfahren rechtlich verpflichtet hatte. Die Pflege der aufgeforsteten Flächen war offensichtlich vergessen worden. Nun kam das bestürzende Ergebnis endlich ans Tageslicht: Ein erheblicher Teil der Ersatzpflanzungen für die über 41.000 gefällten Bäume des Querumer Forstes ist nicht angewachsen! Und: Aus den Akten geht hervor, dass die Kompensationsmaßnahmen einen Zeitverzug von sechs Jahren (2013-2019) aufweisen!

Im September 2018 verlangte die BIBS-Ratsfraktion erstmals Einblick in die Ergebnisse der Wiederaufforstungen für den aufgrund der Flughafenerweiterung vor zehn Jahren gerodeten Querumer Forst. Zehn Monate verweigerte die Stadt der Ratsfraktion die Einsicht. Es ist der Aufmerksamkeit der BIBS-Bezirksratsmitglieder Tatjana Jenzen und Oliver Büttner im Bezirk Wabe-Schunter-Beberbach zu verdanken, dass dieser Umweltskandal bekannt wurde. Nun steht die Unzuverlässigkeit der Stadt und des von ihr beauftragten LaReG im Mittelpunkt der Diskussion. Jetzt ist der Oberbürgermeister gefordert, um nicht noch den Rest an Vertrauen in die Umweltkompetenz der Verwaltung zu verspielen.

Geradezu grotesk erscheint die vollkommen unterschiedliche Bewertung der gleichen Flä-chen durch die Planungsgemeinschaft LaReG. So steht im ersten Entwurf des Monitoringbe-richts 2017: „Die Fläche E3 Masch wurde auf den Anpflanzungserfolg zur Naturwaldauffors-tung hin kontrolliert. Der Ist-Zustand ist mit mäßig bis gut zu beurteilen. Teilweise sind An-pflanzungen nicht erfolgreich, hier müssen Nachpflanzungen erfolgen […].“ In einem zweiten Bericht desselben Gutachterbüros heißt es dann: „Die Fläche E3 Masch wurde auf den An-pflanzungserfolg zur Naturwaldaufforstung hin kontrolliert. Der Ist-Zustand ist als erfolgreich zu bewerten.“ Dazu erklärt die stellvertretende Bezirksbürgermeisterin (Wabe-Schunter-Beberbach) Tatjana Jenzen: „Wie da Gutachten verfälscht und geschönt werden, ist schon abenteuerlich, obwohl wir ja einiges in Sachen Flughafenerweiterung gewohnt sind. Es muss nun ganz neu mit den Ersatzpflanzungen begonnen werden. Die bislang von der Unteren Naturschutzbehörde geschätzten Mittel von 500.000 € – also gut 2 € pro Baum – werden dafür kaum reichen. Man bekommt leicht den Eindruck, dass das sehr zu begrüßende Bekenntnis der Stadt zum Umwelt- und Klimaschutz ein reines Lippenbekenntnis ist, da hier ernsthafte Maßnahmen offenbar nicht geplant sind“, so Jenzen.

In einem Schreiben der unteren Naturschutzbehörde an die Flughafengesellschaft vom 07. Juli 2015 heißt es: „Wir haben einvernehmlich auf einem Ortstermin am 03. Juli 2015 festge-stellt, dass in den […] aufgeforsteten Flächen westlich vor Bevenrode die eingebrachte Eiche in Teilen – offensichtlich irreversibel – ausgefallen ist. […] Ich halte umgehende Nachbesse-rungen für erforderlich und bitte Sie, mir Ihre diesbezüglichen Pläne zwecks Abstimmung bis Ende August zu übermitteln.“ „Das macht uns fassungslos. Offenbar hat man sich in all den Jahren nicht um die Aufforstungen gekümmert“, ergänzt Oliver Büttner, BIBS-Mitglied im Stadtbezirksrat Wabe-Schunter-Beberbach. Der Monitoring-Bericht 2017 zur Beurteilung der Anpflanzungen im Rahmen der Flughafenerweiterung wird am morgigen Mittwoch, 04.09.2019 im Planungs- und Umweltausschuss vorgestellt und diskutiert.

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