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„WE NEED TO DRINK SO THAT WE DO NOT TURN TO STONE“ – die Künstlerin Sommar Lee mit ihrem neuen Film auf dem Prosanova26 Festival

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PROSANOVA26, Festival für junge Literatur, Hildesheim vom 3.-5. Juli 2026

„Ich wünsche mir, dass meine Filme nicht zu leicht verständlich sind und für die meisten Zuschauer auch unangenehm bleiben.“ (Sommar Lee)

Die südkoreanische Künstlerin Sommar Lee, HBK-Meisterschülerin 2025 und im letzten Jahr mit der Ausstellung „Beerdigung für einen koreanischen Geist“ im Braunschweiger Kunsthaus BBK erfolgreich, zeigt sich in ihrem aktuellen Werk als eine poetische, oft schon fast schmerzhaft nachdenkliche, eigene Innen- und Außenwelt präzise sezierende Künstlerin.

„WE NEED TO DRINK SO THAT WE DO NOT TURN TO STONE“ Filmstill (c) Sommar Lee

Ihr Film „We need to drink, so that we do not turn to stone” ist eine fast schon surrealistische Tiefenbohrung im Alltäglichen, der Einsamkeit, der Verletztheit und Verzweiflung, der Beobachtung von Schimmel auf dem Brot, dem Vermessen von Entfernungen (z.B. zwischen Rewe und Netto auf Google Earth), der Angst vor Veränderung, von der Künstlerin transportiert in die Unmittelbarkeit des Augenblicks. 

Faszinierend ist, wie sie Worte wie Angst, Liebe durch sich verändernde Farben und Formen visualisiert, kommentiert (koreanisch mit englischen Untertiteln) und so neue Definitions- und Gefühlswelten schafft (auch für den gebrauchten Küchenschwamm).

„WE NEED TO DRINK SO THAT WE DO NOT TURN TO STONE“ Filmstill (c) Sommar Lee

Sommar Lee ist wie eine Apnoetaucherin in den Konstrukten einer Realität, die entstanden sind durch ihre Ängste, ihre Zweifel, die Verschmelzung von Wahrnehmung, Bild und Sprache, untrennbar miteinander verflochten in ihrem Film.

In ihren fantastischen emotionalen und analytischen Tauchgängen thematisiert sie die implizite Gewalt von Kategorisierungen und die Schaffung neuer Wirklichkeiten durch soziale Zuschreibungen.

„WE NEED TO DRINK SO THAT WE DO NOT TURN TO STONE“ Filmstill (c) Sommar Lee

Bewusst bricht sie dabei mit konventionellen Sehgewohnheiten des Publikums, strebt eine eigene Ästhetik an, die sich leichter Verständlichkeit entzieht. Ihre Filme sollen für Zuschauer:in fordernd und unangenehm bleiben, eine tiefere, radikalere Form des Verstehens einfordern.

Die Künstlerin hat dafür einen eigenen, intensiven, manchmal lakonischen Erzählrhythmus entwickelt, in dem sich Originalität, Sensibilität, von fernöstlicher Philosophie beeinflusste Erkenntnisse miteinander verbinden.

„WE NEED TO DRINK SO THAT WE DO NOT TURN TO STONE“ Filmstill (c) Sommar Lee

Ihre Beobachtungen, mit einem sehr spezifischen Hauch von Ironie und Lakonie in künstlerische Positionen umgesetzt, entwickeln in oft irritierenden, manchmal befremdlichen, sich überlappenden Filmbildern entscheidende Erkenntnisfragmente, die zerfließend im Kopf von Zuschauer: innen, zu eigenen Erkenntnismomenten werden können.  

Die theoretische (und emotionale) Ebene des Films wurzelt in einer schmerzhaften, biografischen Realität: in Sommar Lees Umzug von Südkorea nach Deutschland im Februar 2022 und der darauffolgenden Konfrontation mit alltäglicher Diskriminierung und Rassismus in diesem Land.

„WE NEED TO DRINK SO THAT WE DO NOT TURN TO STONE“ Filmstill (c) Sommar Lee

Sichtbar in ihrem Herkunftsland als überdurchschnittlich große, unabhängige Frau, ist sie in Deutschland plötzlich mit westlichen Stereotypen konfrontiert, die sie als klein, schwach oder unterwürfig kategorisieren.  

Dieser Film entstand aus ihrer Dokumentation von Catcalling und Diskriminierung nach dem Umzug nach Deutschland, ähnlich wie eine Catcalling-Karte oder ein Tagebuch, von ihr in essayistischer Form neu geschrieben und schließlich visualisiert.

„WE NEED TO DRINK SO THAT WE DO NOT TURN TO STONE“ Filmstill (c) Sommar Lee

Die Hauptfigur des Films ist stets im Off, trägt die Narration, stellt Fragen.  Die Kameralinse fungiert als physisches Äquivalent von Sommar Lees eigenen Augen – Augen, die durch die erlebten Traumata „inzwischen zu viel wissen und nichts mehr klar sehen können“.

Die Bedeutung von Erlebtem und Gesagtem entfaltet sich durch Diffusion und Kontamination – ähnlich wie Samen, die sich unvorhersehbar im Raum verbreiten und erst mit zeitlicher Verzögerung ihre volle, manchmal bedrohliche Wirkung entfalten“. (Sommar Lee).

Die Künstlerin (c) Sommar Lee

Prosanova (03-05. Juli 2026), hat sich seit der Gründung 2005 zum bundesweit größten und wichtigsten Event für junge, deutschsprachige Gegenwartsliteratur entwickelt.

https://prosanova-festival.de/de

https://sommarlee.de

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