Die Stadt Braunschweig, das Klimaschutzkonzept 2.0 und die unterirdische CO2-Speicherung (CCS)

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Am 3.9. stellten in der Stadthalle Klimaschutzmanager Matthias Hots und Umweltdezernent Holger Herlitschke den Rahmen des Klimaschutzkonzeptes 2.0 erstmals der Öffentlichkeit vor. In Arbeitsgruppen wurden für die Bereiche Mobilität, Wohnen, Wirtschaft, Energieerzeugung und Alltagsgestaltung Ideen und Wünsche der Bürger gesammelt. Die BZ berichtete darüber. Interessanterweise stand ein ganz wesentlicher Punkt nicht zur Debatte und wurde erst von den Bürgern in der abschließenden Kurzdiskussion eingebracht: die Festlegung der Zielgröße der angestrebten Emissionsminderung. Von M.Hots wurden -70% für 2030 und -95% für 2050 genannt. Diese Ziele bedeuten aber, und darauf wies Hots hin, dass CO2 im Boden gespeichert werden muss. Beiträge aus dem Publikum, die mit starkem Applaus unterstützt wurden, machten deutlich, dass diese Eingriffe in die Struktur des Bodens nicht erwünscht waren. Herlitschke unterstrich in seinem Schlussvotum, dass sich die Stadt aber an „allgemein akzeptierte Vorgaben“ halten wolle und bekräftigte damit die von Hots genannten Ziele.

Was bedeutet CCS?

CCS (Carbon Capture and Storage) steht für großtechnische Verfahren, mit denen CO2 aus Kraftwerks- und Industrieemissionen aufgefangen, transportiert und an geeigneten Lagerstätten in den Festlands- oder Meeresboden gepresst werden sollen. Die Risiken sind vielfältig. Bereits bei der Abscheidung können krebserregende Amine freigesetzt werden. Die Einbringung in tiefe Erdstrukturen kann zu Explosionen („Blow out“), kleineren Erdbeben, bei Dauerlecks zur Versauerung und Versalzung des Grundwassers mit starken Schäden an Flora, Fauna und Landschaft führen, bei Injektion in den Meeresboden zu pH-Änderungen des Wassers mit erheblichen Beeinträchtigungen der Meeresbiologie. Dabei lassen sich Erfahrungen aus einem Versuchsbereich nur schwer auf andere übertragen, so dass bei dieser Methode immer große Unsicherheiten bleiben. Auf Grund dieser Probleme haben klugerweise Niedersachsen (2015) und einige andere Bundesländer mit Landesgesetzen die Erprobung und Demonstration von dauerhafter CO2-Speicherung ausgeschlossen. Dadurch stehen die Hauptstandorte für CCS in Deutschland nicht mehr zur Verfügung und es verbleiben nur noch 20% der Gesamtkapazität.

Ist die unterirdische Kohlendioxid-Speicherung überhaupt notwendig?

Das Umweltbundesamt sagt in einer Studie aus 2013 „Treibhausgasneutrales Deutschland im Jahr 2050“: nein.

Wie kann die Stadt Braunschweig bei dieser Ausgangslage (Risiken, fehlende Akzeptanz bei den Bürgern, fehlende zwingende Notwendigkeit) ihre Klimapolitik auf dem Einbezug von CCS aufbauen? Das ist nicht zu verstehen und kann nicht die Basis eines sinnvollen

Zukunftskonzeptes sein. Die am 3.9. in der Stadthalle diskutierten Zielvorgaben sind unzureichend.

Ohne die CCS-Technik mit einzubeziehen, müsste die Stadt bis 2030 ihre Emissionen um 75% (statt 70%) reduzieren und weitgehende Treibhausgasneutralität (-95%) bereits spätestens 2037 erreichen. Damit läge die Stadt ungefähr im Zielbereich der Forderungen von Fridays for future (Treibhausgasneutralität 2035). Diese hier formulierten Ziele werden in der Studie des New Climate Institute („1,5°C: Was Deutschland tun muss“, im Internet zugänglich) genannt. Auf Ergebnisse dieses Instituts beruft sich auch die Stadt, allerdings auf solche, die sogenannte „negative Emissionen“ mit einbeziehen, damit sind die hier beschriebenen Speichertechnologien gemeint.

Schon die kurzen Stellungnahmen in der Stadthalle zeigten, dass die Braunschweiger Bürger diese Techniken nicht akzeptieren wollen! Die hier angeschnittene Diskussion müsste dringend jetzt in Braunschweig geführt werden, weil veränderte Zielvorgaben natürlich auch die bis Ende des Jahres geplanten Fachgespräche beeinflussen.

1 KOMMENTAR

  1. Was seitens der Stadtverwaltung auch fehlte, war die einfachste und seit Jahrmillionen bewährte Methode, CO2 aus der Luft in den Boden zu bekommen:

    BÄUME!!!

    Aufforstungen, Baumerhalt, weitere Stadtbäume und -sträucher und Sicherung der Bewässerung (Regenwasserspeicherung) wurden aus rein formellen Gründen nicht in die geplanten Maßnahmen aufgenommen!

    Stattdessen gilt das Heizkraftwerk Mitte als Fortschritt und CO2-Einsparung, das demnächst Holz statt Steinkohle verbrennen soll (Restholz, Palletten, Sperrmüll, Eisenbahnschwellen, …). Mit dieser CO2-Zauberei wird also unsere Klimastatistik geschönt.

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