Selbst beim Katholikentag bekam das Narrativ der akuten Bedrohung durch Russland seinen Platz. Zunehmend artikulieren Friedensaktivisten die Sorge darüber, wie weit Kriegsrhetorik in den zivilen Alltag vordringt.
Ein Beitrag zur Sonderausgabe „Wehrdienst und Militarisierung“ in www.manova.news/artikel/
von Jana Kerac
Vom 14. bis 17. Mai fand in Würzburg der Katholikentag statt. Ein „Fest voller Freude, Glaube, Diskussion und Gemeinschaft“ sei es gewesen. So zumindest steht es auf der entsprechenden Internetseite. Nicht von allen jedoch wurde der Glaube an die Botschaft Jesu Christi besonders ernst genommen. Schließlich beinhaltet diese neben der Betonung von Liebe und Gnade auch den Aufruf dazu, auf Gewalt zu verzichten und sich aktiv um die Versöhnung mit seinen Feinden zu bemühen. Gerade Letzteres wurde auf einer politischen Ebene durchaus verfehlt, indem man wieder einmal verkündete, Russland bereite einen Krieg gegen den Westen vor. Dass die sprachliche und gedankliche Militarisierung auch die Kirchen erreicht, ist kein Wunder, denn sie ergreift aktuell immer mehr gesellschaftliche Bereiche. Abgesehen von den Schülerstreiks regt sich dagegen wenig Widerstand, obwohl längst nicht alle Menschen mit dem Kurs der Regierung einverstanden sind.
Man nimmt es ergeben hin. Widerstand bleibt weitgehend aus. Haben die Menschen resigniert? Oder nehmen sie doch nicht wahr, in welchem Maße die Gesellschaft seit geraumer Zeit umgekrempelt wird? Wollen sie nicht bemerken, wie das Militärische neuerlich die Oberhand gewinnt? Ahnen sie nicht, dass sie weichgekocht werden sollen? Selbst auf dem Würzburger Katholikentag vom 14. bis 17. Mai 2026 durfte unwidersprochen auf Krieg getrimmt werden.
Schon bald könnten feindliche Kolonnen ins Land einmarschieren. Dieses Bedrohungsszenario evozierte Carsten Breuer, Generalinspektor der Bundeswehr, in Würzburg. Wohlgemerkt: beim Katholikentag. Als würde „katholisch sein“ nicht unbedingt bedeuten (müssen): für Frieden sein. Eingedenk der biblischen Worte des Friedensfürsten Jesu in den Seligpreisungen des Matthäus-Evangeliums: „Selig sind, die Frieden stiften / denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ Aber nein. Carsten Breuer durfte in Würzburg Kriegsangst schüren. Unwidersprochen. Vor lauter Katholiken.
Der Switch weg von der Nachfolge Jesu, der — statt dem alttestamentarischen „Aug um Aug“ zu huldigen — dem Feind auch noch die linke Wange hinhält, hin zur Vergötterung des Kriegsgottes Mars geschieht wie jedes Mal im Handumdrehen. Die Bedrohung durch Russland sei „real“, ließ Carsten Breuer beim Katholikentag verlauten. Sie sei „ganz dicht“, raunte er.
Carsten Breuer scheint genau zu wissen, was im Kreml geplant wird, erscheint Mäuschen spielen zu dürfen in Russlands Regierungssitz.
Russland, betonte er beim Katholikentag, bereite sich darauf vor, 2029 einen „großmaßstäblichen“ Krieg gegen den Westen führen zu können. Ausgerechnet beim Katholikentag durfte er diese Propaganda verbreiten. Beweise legte er nicht vor. Beweise braucht es auch nicht. Weil es sich um Propaganda handelt. Und die funktioniert eben dadurch, dass eine Behauptung wiederholt wird. Was man immer wieder hört, muss schließlich wahr sein.
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