Musik & Müll

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Im Jahre 2007 wurde im Rahmen der Veranstaltung „Festliche Tage neuer Musik“ Stockhausen’s Hubschrauber-Streichquartett in Braunschweig unter der künstlerischen Leitung des hiesigen Orchesterchefs Martin Weller aufgeführt. Statt der erwarteten 2.400 Zuhörer kamen weit weniger als die Hälfte, von dem herbeigesehnten „medialen Ereignis“ hatte auch drei Tage danach kaum eine bedeutende Zeitung Notiz genommen, vom „Highlight im Jahr der Wissenschaft in Braunschweig“ (Wolfgang Laczny, Kulturdezernent der Stadt  Braunschweig) war nichts zu spüren und der Komponist selbst hatte besseres zu tun als zur Erstaufführung seines Werks in Deutschland nach Braunschweig zu kommen. Der damals 79-Jährige sei mit den Proben für die im Juli an seinem Wohnort Kürten stattfindenden Meisterkurse beschäftigt, hieß es. Gesamtkosten etwa 120.000 Euro – zum größten Teil Steuergelder. Hatte man in Braunschweig also dazu gelernt? Offensichtlich nicht, denn schon droht neues Ungemach.

Wiederum im Rahmen der Veranstaltung „Festliche Tage neuer Musik“ und wieder unter der künstlerischen Leitung von Martin Weller wurden in der Neue Braunschweiger (NB) vom 16. Mai 2010 musikalische Aufführungen mit dem Untertitel „Musik & Müll“ angekündigt. Dazu ein Leserbrief von Renate Wußing an die Neue Braunschweiger:

„Die in der NB veröffentliche Werbung für die „festl. Tage neuer Musik“ hat mich sehr irritiert. Sie trägt die Nebenüberschrift „Musik und Müll“. Als Veranstaltungsorte sind das Krematorium und Schacht Konrad angegeben.
Wenn ich die Anzeige richtig verstehe, ist die im Krematorium anfallende Asche Verstorbener nach Ansicht der Veranstalter MÜLL – Eine äußerst beleidigende und taktlose Bezeichnung.
Und um das Konzert in Schacht Konrad besuchen zu können, ist es notwendig seinen Personalausweis vorzulegen und registrieren zu lassen. Es wird offenkundig befürchtet, dass es Menschen geben könnte, die das geplante Endlager für ATOMMüll nicht durch Nutzung als Konzertsaal verharmlosen lassen wollen. Über die datenschutzrechtlichen Konsequenzen für Besucher dieses Konzerts müsste auch im Vorfeld nachgedacht werden.
Und die Liste der Sponsoren und deren Abhängigkeiten gibt zu weiteren Bedenken Anlass.
Renate Wußing, Braunschweig“

Bei den im Lesebrief genannten Sponsoren handelt es sich um die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz (u.a. bekannt geworden durch das Desaster im Querumer Forst beim Ausbau des Flughafens), den Verein Braunschweigische Landschaft, das Bundesamt für Strahlenschutz, die Firma Cederbaum und die Firma Bellis („Zukunft in Bewegung“). Letztere ist zuständig für das Braunschweiger Verkehrsmanagement. Allerdings gibt es z.B. seit Monaten keinen Eintrag der lang andauernden Straßensperrung Am Fallersleber Tore in die dynamische Navigation (TMC) der Kfz-Navigationsgeräte. Die Folge sind Tausende fehlerhafter Routenplanungen – ähnlich der Routenplanung für die festlichen Tage neuer Musik.

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