Zahl der Berufspendler nach Braunschweig auf 65.000 gestiegen

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Frust im Stau: Immer mehr Beschäftigte haben weite Wege zur Arbeit. Die Gewerkschaft IG BAU macht für den Trend auch den fehlenden Wohnraum in Groß- und Universitätsstädten verantwortlich. Foto: IG BAU

Teure Mieten und Job-Wachstum in Städten zwingen viele zum Pendeln

Wenn Lebenszeit im Stau flöten geht: Die Zahl der Berufspendler in Braunschweig
hat einen neuen Höchststand erreicht. Im vergangenen Jahr kamen rund 65.000
Menschen zum Arbeiten regelmäßig von außerhalb in die Stadt – das sind
32 Prozent mehr als noch im Jahr 2000. Damals zählte Braunschweig noch rund
49.000 sogenannte Einpendler, wie die IG Bauen-Agrar-Umwelt mitteilt. Die IG BAU
beruft sich dabei auf eine aktuelle Auswertung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt-
und Raumforschung (BBSR).
Gewerkschafter Karl-Heinz Ehrenberg spricht von einem „alarmierenden Trend“.
Eine Hauptursache für den Pendel-Boom sei der Mangel an bezahlbaren
Wohnungen in den Städten. „Eine wachsende Zahl von Menschen kann sich die
hohen Mieten und Immobilienpreise aber gerade dort nicht mehr leisten, wo in den
letzten Jahren besonders viele Jobs entstanden sind“, sagt der Bezirksvorsitzende
der IG BAU Braunschweig-Goslar. Die Folge seien immer längere Staus und
überfüllte Züge.
Strecken von mehr als 50 Kilometern bis zum Arbeitsplatz seien für viele Pendler in
Braunschweig mittlerweile gang und gäbe, betont Ehrenberg. „Dabei geht nicht nur
wertvolle Zeit für Familie, Freunde und Hobbys verloren. Auch die Umwelt leidet
unter der Fahrerei.“ Nach Angaben des Umweltbundesamtes geht knapp ein Fünftel
aller CO 2 -Emmissionen in Deutschland auf das Konto des Verkehrs.
Die IG BAU warnt vor einer Zunahme der Pendlerzahlen, sollte sich das Wohnen
noch weiter vom Arbeiten entfernen. Nötig sei eine „drastische Wende“ in der
Wohnungsbaupolitik. „Die öffentliche Hand muss viel mehr als bisher investieren, um
bezahlbaren Wohnraum in den Metropolen und Ballungsräumen zu schaffen. Es
fehlen vor allem Wohnungen im sozialen und im bezahlbaren Segment“, so
Ehrenberg.
Massive Investitionen seien aber auch im Bereich der Verkehrsinfrastruktur
unverzichtbar, um die Pendler zu entlasten. „Vor allem beim Schienen-, Straßen- und
Radwegenetz ist der Nachholbedarf groß“, macht Ehrenberg deutlich. Einen
entscheidenden Beitrag gegen den „Pendel-Frust“ könnten zudem die Firmen leisten
– indem sie es ihren Beschäftigten leichter machen, in Gleitzeit oder im Home-Office
zu arbeiten.
Die Pendler-Problematik in Braunschweig ist Teil eines bundesweiten Trends: Nach
Angaben der Bundesagentur für Arbeit pendelten im letzten Jahr 39 Prozent aller
sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in eine andere Stadt oder einen
anderen Kreis zur Arbeit.

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