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Quo vadis, Evangelische Akademie Abt Jerusalem?

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Austausch von Meinungen (Pixabay)

Freier Diskurs als Gefahr?  Geschichte einer Disziplinierung.


Nach einem Zeitraum anerkannter, anspruchsvoller Arbeit der Akademie unter ihrer Direktorin, äußern sich Akademie und Einrichtungen, in die die Akademie eingebettet ist, selbstkritisch zu einem Teil ihrer Veranstaltungen. Eine Neuorientierung der Evangelischen Akademie Abt Jerusalem und ihrer Aktivitäten ist angedacht. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Am 24. April 2026 erschien folgender Artikel von Reinhard Bingener in der FAZ : „Offene Kirchentür für Kremlfreunde – Wagenknecht und Co in Braunschweiger Kirchen“ in dem behauptet wird, dass die Evangelische Akademie im Schulterschluss mit Verschwörungstheoretikern Kremlnarrative verbreitet. Ca.14 Tage später legte Herr Kaufmann mit seinem Artikel: „Kremlfreunde“ in Braunschweiger Kirchen? Wieder Ärger an der Evangelischen Akademie“ in der Braunschweiger Zeitung nach. Zum Beweis dieser Ungeheuerlichkeiten werden dabei streitbare, verdienstvolle Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus dem Akademieprogramm der letzten 5 Jahre, die Herrn Bingener widerstrebende Meinungen in ihren Vorträgen vermittelten, angeführt. Zu den Referenten zählten u.a. Günter Verheugen, ehemaliger EU-Kommissar, und NATO-General a.D. Harald Kujat. Zu Letztgenanntem waren z.B. mehr als 500 interessierte Personen in die Martinikirche gekommen und der im Internet veröffentlichte Mitschnitt der Veranstaltung wurde bis heute ca. 65 000 Mal abgerufen. Die Forderung, der in der Kritik stehenden Beiträge, besteht darin, im Ukraine-Russland-Krieg ernstzunehmende Anstrengungen für Diplomatie zu unternehmen.

Der Friedensbeauftragte des Rates der EKD, Friedrich Kramer, ebenfalls einer der Gäste der Evangelischen Akademie, sagte, dass Frieden nicht nur durch starke Rüstungsinterventionen, sondern durch aktives Engagement in der Friedensarbeit erreicht werden kann. Kramer betonte, dass Frieden ein Prozess ist, der Gewalt minimiert, Freiheit vergrößert, Ungerechtigkeit abbaut und Vielfalt gestaltet. Frieden sei eher ein Prozess als ein Zustand, so Kramer. Er forderte: „Wer Frieden will, der muss den Frieden – nicht den Krieg – vorbereiten.“
Eine Position, die derzeit in den Medien sehr selten vermittelt wird.

Und gerade dafür, dass ein breiter Diskurs zustande kommt, wie bei dem hoch umstrittenen Friedensthema, brauchen wir ein Forum, wie es die Evangelische Akademie bis heute geboten hat.
Frau Vogt, Direktorin der Evangelischen Akademie Abt Jerusalem, führte in eine der Veranstaltungen folgendermaßen ein: “Gebraucht wird ein Ort, an dem Positionen, die auch weit auseinanderliegen, diskutiert werden können. Und dazu müssen wir uns aus unserer bestätigten Komfortzone herausbewegen und anderen Positionen im Diskurs mit Respekt begegnen“. Und so verliefen die Veranstaltungen: klug im Referat, kontrovers in der Diskussion und respektvoll im Gespräch bei Wein und Wasser nach dem offiziellen Teil der Veranstaltung.
Die Evangelische Akademie hat sich in den letzten Jahren durch einen breiten Meinungskorridor ausgezeichnet und damit nach Artikel 5 Absatz 1 GG: “Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten“, gehandelt. „Eine Zensur findet nicht statt.“

Nach einem Zeitraum anerkannter, anspruchsvoller Arbeit der Akademie unter ihrer Direktorin, äußern sich Akademie und Einrichtungen, in die die Akademie eingebettet ist, selbstkritisch. Studien von Media Pluralism Monitor stellen fest, dass einhergehend mit Eigentumskonzentration, politischer Einflussnahme und mangelnder Transparenz der Medien zunehmend der Eindruck einer Meinungseinengung in Europa entsteht.
In Zukunft werden die Veranstaltungen der Evangelischen Akademie Abt Jerusalem kontrolliert organisiert und unter Mitwirkung der Trägerorganisation Evangelische Akademien Deutschlands erfolgen.

Unser Engagement für den Frieden resultiert aus Artikel 26 GG (Verpflichtung zu einem friedlichen Zusammenleben der Völker und ein Verbot dieses zu stören) und Artikel 87a Absatz 1 GG (Pflicht zur Verteidigung – nicht Kriegsbereitschaft!) sowie der Überzeugung, dass der Krieg durch Diplomatie und nicht durch die Waffe beenden werden muss.
Sollten diese Positionen nicht mehr von der Evangelischen Akademie vertreten werden, gestaltet sich eine weitere Zusammenarbeit schwierig.

Für die bis dato erfolgreiche, vertrauensvolle Zusammenarbeit bedanken wir uns.

Redaktion des Braunschweig-Spiegels

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