Zwei Gedichte …

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Natur-Idylle im Berner Oberland. Foto: Bernhard Piest

vorgetragen von der Autorin und dem Autor auf der Braunschweiger FFF-Demo am 3.7.2020

Helge Karnagel:
für unsere Enkel und Gretas Weckrufer

Arten viel-Fall

Erde – Feld voller Vielfalt
– voller Leben!
Jeden Monat aber
Artenzweiprozent… fällt!
Die AGRAR-Industrie räumt auf!
– auf unserer Erde!
Jedoch:
WIR-Wirtschaft Luxus
Gier um Macht um Profit
Auto-Autokratie
Waffenboom vielfarbig Warlords
und Kriege – viele…
baggern am Erdenrest schon!
Leben –
Arten-viel-falt … fällt!
Reichtum- /Armut-Schere klafft
den Mit-Uns-Menschen bitter!
– Friede wollen wir singen
loben nur: Frieden … wo?

Berenike Grüneich:

Weißt du…

Weißt du, ich möchte doch auch nur fliegen,
mich mit den Bäumen im Winde wiegen,
dem wunderschönen Bann unserer Natur erliegen
und im Kampf um unsere Zukunft siegen.

Ich möchte doch auch nur erleben,
unseren Kindern irgendwann das zu geben,
was ich erfahren durfte als einen Segen,
der Welt, Freundschaft und Freiheit wegen.

Ich möchte in 50 Jahren noch wissen,
wie es ist, zu küssen.
Nicht an die Zukunft oder sonst was denken zu müssen
und die Vergangenheit trotzdem nicht zu vermissen.

Ich will all dies wunderbare,
doch auch nur erfahren,
ohne später dafür zu bezahlen,
dass jetzt so viele Menschen nur mit Macht und Geld prahlen.

Deshalb breche ich auf,
lasse meiner Stimme nun freien Lauf,
nehme große Reden nicht mehr einfach so in Kauf
und kämpfe mich den großen Berg in Richtung Leben hinauf.

Und jetzt sage ich dir:
Geh diesen Weg gemeinsam mit mir!
Er wird holprig, lang und schier
endlos doch gemeinsam schaffen wir‘s

Dazu einige Gedanken von Bernhard Piest:

Zwei Gedichte, die in ihrer Stimmung nicht gegensätzlicher sein könnten.

Der schon ältere Autor Helge Karnagel widmet sein Gedicht den Enkeln. Es kommt schwermütig daher, Satzbruchstücke und neue Wortschöpfungen erschweren ein flüssiges Lesen. Einige Ausrufungszeichen markieren prophetische Rufe. Ausgangspunkt eines Rückblicks ist die Erinnerung an eine Erde voller Leben. Es folgen Eindrücke eines destruktiven Netzes von Agrarindustrie, ausufernder Wirtschaft, die uns in Gänze besetzt hat, Ungerechtigkeit und schließlich Kriegen. Die so schöne Erde verfällt. Was bleibt, ist der Wunsch nach Frieden und schließlich die Frage an die Hörer, vielleicht auch ein skeptischer, verzweifelter und wachrüttelnder Ruf: Wo ist der Frieden? Es kann nur geahnt werden, welcher Frieden gemeint ist. Jedenfalls geht er über das Kriterium fehlender Kampfhandlungen hinaus; vielleicht ist er visionär und umfasst eine neue Kultur ohne das Fallen, bittere Klaffen und Baggern.

Ganz anders das zweite Gedicht von der Schülerin Berenike Grüneich. Die aktuelle Gesellschaft wird nur mit einem Satz beschrieben. In ihr regieren Machtstreben und Geld und damit ist die Welt gefährdet, wie Berenike sie bisher erfahren hat: rundherum positiv, sie konnte die Natur genießen und sich eins fühlen mit ihr, sie konnte Freundschaft, Freiheit und die Liebe erleben. Sie möchte diese Erfahrungen ihren Kindern weitergeben. Und dafür will sie sich einsetzen, ohne zu zögern, auch wenn es mühsam wird: „Dafür breche ich auf, …“ Jedoch ist es schwer, den Weg alleine zu gehen, sie ermuntert die Zuhörer, mit ihr zu kämpfen, mit ihr zu gehen. Das Ende des Gedichtes ist ganz und gar optimistisch: „Gemeinsam schaffen wir’s.“ Lebensfreude und Optimismus prägen das Gedicht in schöner Weise.

Es tut gut, die beiden Gedichte zusammen zu lesen!

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