Weihnachtsmarkt, Demotag und AfD-Parteitag – eine vorhersehbare Katastrophe?

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Weihnachten ist ein Fest des Friedens und der Freude. Hoffentlich auch am 1. Adventswochenende in Braunschweig

Wir erinnern uns: 1986 stürzte die Raumfähre Challenger der NASA spektakulär ab und bei diesem Unglück starben alle sieben Besatzungsmitglieder. Nach diesem Unglück stellte man fest: Die Probleme, die zum Absturz führten, waren vorher bekannt. Ingenieure hatten explizit davor gewarnt, dass die Dichtungsringe der Raumfähre verglühen können. Niemand wollte jedoch für eine Verschiebung des Starts verantwortlich sein, und so kam es zum Start und katastrophalen Landung. Die Frage ist: Erleben wir jetzt eine ähnlich vermeidbare Katastrophe am 30. November auf dem Weihnachtsmarkt?

DAS PROBLEM:

Wie wir wissen, findet man 30. November der AFD-Parteitag in der (XX)-Halle statt. Für den Weihnachtsmarkt könnte dies aus mehreren Gründen problematisch werden:

· Die AFD lädt zu ihrem Bundesparteitag ein.

· Die IG Metall und viele weitere Gewerkschaften laden bundesweit zur Gegendemonstration ein.

· Das Bündnis gegen Rechts und viele weitere Organisationen laden bundesweit zur Gegendemo ein.

· Der Superstar Bosse tritt bei der Gegendemo auf dem Schlossplatz auf und wird vermutlich auch viele Fans mitbringen.

· Der Juso-Star, Kevin Kühnert lädt bundesweit zur Gegendemo ein.

· Der Laut-Klub und viele weitere Kulturorganisationen laden bundesweit die Kultur- und Electro-Szene ein.

· Das Universum-Kino hat eine sicherlich gut besuchte Sondervorführung von „Inglourious Basterds“.

· Die Antifa lädt bundesweit bundesweit zur Gegendemo ein.

· Kirchliche Organisationen laden zur Gegendemo ein.

Diese Situation ist einmalig.

In den sozialen Medien habe ich bisher noch nie erlebt, dass so viele unterschiedliche Organisationen gleichzeitig in die Braunschweig Innenstadt mobilisieren. Das lässt sich sogar touristisch zusammenfassen: Am 30. November erleben Sie auf engstem Raum einen AFD-Parteitag, eine kleine Loveparade, ein tolles Superstar-Konzert, mehrere große Demonstrationen, einen bezaubernden Weihnachtsmarkt, einladende Gastronomie, ein bisschen Chaos-Tage, ein traumhaftes Shopping-Wochenende und im Magni-Viertel gehen die Lichter an! Das gibt’s nur in Braunschweig!

Sogar die Rechten Braunschweig – Hildesheim laden zum Besuch auf dem Weihnachtsmarkt ein

Niemand kann vorhersagen, wie viele zusätzlich Besucher/-innen Braunschweig an diesem Tag haben wird und mit welchen Problemen zu rechnen ist. Werden es fünftausend? Zehntausend? Fünfzigtausend? Zusätzlich dazu ist auch das erste Weihnachtsmarktwochenende, an dem die Stadt in der Regel schon bis zum Rande ihrer Belastungsgrenze gefüllt ist. Und gänzlich unbehelligt von diesen Überlegungen lädt die Stadtmarketing GmbH auch zum Weihnachtsmarkt ein. Nach meiner Einschätzung wird die Lage am 30. November zumindest chaotisch und wird zu drei möglichen Problemen führen:

a) DIE VERKEHRSSITUATION

Dieses Problem ist reine Mathematik. Die Braunschweig Innenstadt hat rund fünftausend Parkplätze, die vermutlich schon früh am Morgen zur Gegendemonstration voll belegt sein werden. Das Verkehrschaos ist daher unabwendbar. Was wird passieren? Sobald alle Parkplätze belegt sind, werden zahllose Autos den Verkehrsraum auf der Suche nach Parkplätzen füllen. Zusätzlich gibt es mindestens zwei große Gegendemonstrationen, welche zeitweilig den Verkehr blockieren, eventuell wird es noch weitere Straßensperrungen geben. Wie lang die Staus um die Braunschweiger Innenstadt herum werden, lässt sich nur schwer prognostizieren. „adventlichterzauber“ bekommt jedoch eine besondere Bedeutung, wenn man stundenlang auf Rücklichter von Autos starrt. Dies hat jedoch nicht nur Auswirkungen auf den Individualverkehr, sondern auch auf den öffentlichen Nahverkehr. Wird es Verzögerungen bei Bussen und Straßenbahnen geben? Wie lang werden Straßenbahnen durch die Demonstrationszüge blockiert werden? Was passiert, wenn sich eine Bus- oder Straßenbahnreise um vielleicht eine Stunde verzögert? Wie viele Toiletten gibt es in den öffentlichen Bussen und Bahnen? Und mit dieser Frage kommen wir zu Problem:

b) DIE ÖFFENTLICHE NOTDURFT

Auch dieses Problem ist reine Mathematik: Wie viele öffentliche Toiletten haben wir in Braunschweig? Für wie viele Besucher/-innen sind diese Toiletten geplant? Wie viele werden kommen? Wie viele zusätzliche Dixi-Klos hat die Stadt Braunschweig für den 30. November bestellt? Was passiert, wenn man eine Stunde lang an einer öffentlichen Toilette anstehen muss? Wie viele Gäste werden durch dieses Problem vielleicht einen eher unschönen Tag erleben? Und dieses Problem leitet auch über zu Problem:

c) DIE SICHERHEIT AUF DEM WEIHNACHTSMARKT

Bei diesem Problem haben wir es mit Massenpsychologie zu tun. Stellen wir uns die Situation realistisch vor: Um Punkt 16 Uhr endet die Gegendemo auf dem Schlossplatz mit vielen, vielen tausend hungrigen, durchgefrorenen Besuchern. Zu diesem Zeitpunkt wird es gerade dunkel, und genau gegenüber vom Schlossplatz erstrahlt ein Schild „Weihnachtsmarkt“, es locken leckere Gerüche, fröhliche Klänge und wärmende Getränke und vielleicht sogar eine öffentliche Toilette. Vielleicht werden die Gäste der Demonstration einfach direkt in den Bus steigen und nach Hause fahren, wahrscheinlicher ist jedoch, dass sie den Weihnachtsmarkt besuchen werden. Was passiert, wenn ein eh schon überfüllter Weihnachtsmarkt plötzlich zehn, vielleicht sogar zwanzig Tausend zusätzliche Gäste hat? Ein Facebook-Kommentar bringt es auf den Punkt: „Selbst im Falle, dass Links und Rechts ‚ohne Zwischenfälle‘ nebeneinander auf dem Weihnachtsmarkt agieren würden, bräuchte nur ein Teenager ein paar Silvesterknaller zünden, um eine Massenpanik auszulösen.“

Diese Einschätzung wird auch von Unternehmen geteilt. Ein überregionaler Anbieter von kulinarischen Stadtführungen hat alle Braunschweiger Touren am 30. November abgesagt, weil weder eine pünktliche Anreise zugesichert, noch eine 100prozentige Sicherheit der Tour gewährleistet werden kann. Das ist verantwortliches Handeln.

Der Braunschweiger Weihnachtsmarkt scheint jedoch wie die Challenger zu sein: Niemand traut sich zurzeit, ihn am 30. November abzusagen oder die auswärtigen Gäste auf die Probleme dieses Tages hinzuweisen.

Eine eher ernüchternde Antwort der Stadtmarketing GmbH zeigt, dass sie die obigen Probleme nicht sehen:

Aus der Challenger-Katastrophe wurde eine einfache Lektion gelernt: Vor dem Start einer Raumfähre treffen jetzt alle Verantwortlichen zusammen, und jeder wird offen gefragt, ob seine Abteilung einen Start besten Wissens und Gewissens empfehlen kann. Und nur wenn alle zusagen, findet der Start statt. Ein solches Vorgehen ist sinnvoll, daher richten sich die folgenden Fragen direkt in Anbetracht obiger Bedenken an die Verantwortlichen dieser Stadt:

· Lieber Gerold Leppa, können Sie den Gästen dieser Stadt am 30. November besten Wissens und Gewissens eine sichere Anreise und einen sicheren Weihnachtsmarktbesuch garantieren?

· Lieber Claus Ruppert, können Sie den Gästen dieser Stadt am 30. November besten Wissens und Gewissens eine sichere Anreise und einen sicheren Weihnachtsmarktbesuch garantieren?

· Liebe Polizei Braunschweig! Könnt Ihr den Gästen dieser Stadt am 30. November besten Wissens und Gewissens eine sichere Anreise und einen sicheren Weihnachtsmarktbesuch garantieren?

· Lieber Ulrich Markurth! Kannst Du unseren Gästen am 30. November besten Wissens und Gewissens eine sichere Anreise und einen sicheren Weihnachtsmarktbesuch garantieren?

Sollte es von einer Seite Bedenken geben, dann ist es besser, proaktiv zu handeln, als nachgelagert zu analysieren, wie es zur Katastrophe kam …

Aber auf jeden Fall wird Braunschweig in den Medien sein – egal warum!

2 KOMMENTARE

  1. Hallo ihr lieben Braunschweiger Kolleginnen, Kollegen und Menschen der Stadt. Man kann euch eigentlich nur die Daumen drücken, dass am Wochenende alles gut verläuft. Man kann wirklich nur hoffen, dass die Polizei, die Ordnungs- und Rettungsdienste gut aufgestellt sind. Man kann wirklich nur hoffen, dass die Politik genug getan hat und sich für die Sicherheit verbürgen kann. Klar, eine 100%ige Sicherheit gibt es nie und nirgends außer man verhindert Risikolagen im Vorfeld. Das ist bei euch nicht passiert, jetzt muss Braunschweig viele tausend Menschen unter denen sich ganz sicher auch gewaltbereite Idioten befinden das Ausbaden was die verantwortliche Politik zugelassen hat. Ganz egal ob alles „rund läuft“ oder ob es zum äußersten kommt. Braunschweig wird einen Imageschaden davontragen. Wie jede Stadt in der die AfD ihre Parteitage abhält.
    Niemand aus der Politik sollte sich im Nachhinein die Hände in Unschuld waschen können. Wer seine Bürger einer, auch nur anzunehmenden Gefahr aussetzt, muss damit streng konfrontiert werden. Ob es eine gute Entscheidung ist den Weihnachtsmarkt zu öffnen wird sich herausstellen. Ich hoffe nur es bleibt alles friedlich und harmonisch und wünsche euch jetzt schon viel Kraft für zwei außergewöhnliche Tage. Ich werde auch anreisen am Samstag um mir ein Objektives Bild zu machen. Ich freue mich auf einen Glühwein und würde mich freuen wenn ich diesen mit anderen stressfrei genießen kann.

    Herzliche Grüße aus der Weinnachtlichen Pfalz

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