Start Kultur FESTIVAL THEATERFORMEN 2026 = Welttheater in Braunschweig

FESTIVAL THEATERFORMEN 2026 = Welttheater in Braunschweig

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vom 18. bis zum 28. Juni 2026 in den Häusern des Staatstheaters Braunschweig und der ehemaligen JVA  Rennelberg

 “Theaterformen” ist Deutschland größtes Theater- und Tanzfestival.

Brown Madonna – Ea Torrado © Noi Crew

Braunschweig wird ab dem 18. Juni für 11 Tage zum Hotspot für kreatives, provokatives Welttheater, für Tanz, für klassische Inszenierungen, neue Dramatik, experimentelle Formate, für Musikevents, für Open-Air-Kino, Performances, szenische Installationen, für Gesprächs- und Diskussionsrunden und Projekte im Stadtraum. 

Festivalchefin Anna Mülter beim Presserundgang in der ehemaligen JVA Rennelberg (Foto:M.Brandes)

Viele der außergewöhnlichsten, kreativsten und provokativsten Künstler:innen weltweit werden in Braunschweig auftreten.

Was Zuschauer:in erwarten darf, ist die künstlerisch-kreative Vereinnahmung unserer Stadt durch eine leidenschaftliche, intelligente, emotionale Mischung von Kreativität, Dramatik, Provokation, Perfomance, Entertainment und Sehnsucht nach Austausch und intensiver Verbindung zum Publikum.

Königin der Macht © Hanna Fasching

Gespielt wird in den Häusern des Braunschweiger Staatstheaters und im wohl außergewöhnlichsten Spielort, der sich derzeit in Braunschweig finden lässt – in der seit zwei Jahren leerstehenden JVA Rennelberg.

Spielort Panoptikum, JVA Rennelberg © Anton Vichrov

Programmatisch-provokativ: mit NO PRISON – Performances to Break Cycles of Injustice, werden in dem leerstehenden Gefängnis mit der grausamen Nazi-Vergangenheit fünf große Stücke inszeniert – als Open-Air Aufführung auf dem früheren Sportplatz, Indoors auf den Fluren, im Panoptikum und in einzelnen Zellen der bereits 1885 erbauten Gebäude.

Blick in eine Zelle der ehemaligen JVA Rennelberg (Foto: M. Brandes)

Das Festival ist sich seiner Verantwortung bewusst, mit dieser Spielstätte historisch verantwortungsvoll umzugehen und gleichzeitig Verbindungslinien in unsere aktuelle Gegenwart künstlerisch sichtbar zu machen.

Ein Blick ins Gefängnis sagt viel über eine Gesellschaft und ihre Ungerechtigkeiten aus. Wer wird eingesperrt und wofür? Die JVA Rennelberg diente dem NS-Regime als Instrument, um politischen Widerstand zu brechen. Auch heute nutzen autoritäre Staaten auf der ganzen Welt Gefängnisse als Mittel zum Machterhalt. Doch auch in liberalen Gesellschaften wird hinterfragt, ob Gefängnisse wirklich Gerechtigkeit herstellen können.” (Statement von der Website des Festivals).

Hornfuckers – Diana Niepce (c) Alipio Padilha

Der Spielort Rennelberg wird ohne klassische Bühnenaufbauten auskommen – die Trennung von Spielraum und Zuschauer:in ist aufgehoben. Die Performances von Harald Beharie, LASTESIS, Nicoleta Esinencu / teatru-spălătorie, Public Movement und Sonya Lindfors & Maryan Abdulkarim entstehen direkt vor Ort neu.

THE LONG SHORT HISTORY OF PEACE – Nicoleta Esinencu -teatru-spălătorie © Vadim Hîncu

Vielleicht kommt es sogar zu einem freien, offenen Austausch zwischen Spielenden und Zuschauenden – also praktisch zu einer kompletten kommunikativen Umkehrung einer Gefängnis-Situation?

Offene Kommunikation, Begegnungen, Entspannen bei einem Getränk in der Sonne oder bei den “Silent Discos” gegen die Gewalt antanzen – all diese Möglichkeiten hat Besucher:in dann im Festivalzentrum – auch auf dem Rennelberg-Gelände.

Und am 21. Juni wird der Gefängnishof sogar zu einem Open-Air-Kino mit acht internationalen Kurzfilmen:

The Weight of Walls – Stories of Control and Resilience”, in Kooperation mit dem Braunschweig International Film Festival.

Ein paar Spotlights auf Künstler und Programm (das komplette Programm als link am Schluss des Artikels):

Circus Baobab ist ein zeitgenössisches Zirkuskollektiv aus Guinea-Conakry, das traditionelle westafrikanische Akrobatik, Tanz und Trommelmusik mit moderner Zirkuskunst verbindet.

Yongoyély – Circus Baobab © Thomas O‘Brien

Faiq und Mark sind Mitglieder des Five Arts Centre, eines Kollektivs malaysischer Künstler*innen, Aktivist*innen und Produzent*innen, dass sich der Entwicklung alternativer Kunstformen und Bildwelten in der zeitgenössischen Kunstlandschaft widmet.

Simone Dede Ayivi und Kompliz*innen ist ein stabiles Netzwerk netter Leute mit außerordentlichen Kompetenzen in ihren Gewerken. Sie haben sich auf liebevolles Recherchetheater spezialisiert und verbinden Vergangenes mit Gegenwärtigem für Zukünftiges.

Mohammad Al Attar ist ein syrischer Dramatiker, Theatermacher und Essayist. Er zählt zu den bedeutendsten zeitgenössischen Theaterautor*innen der arabischen Welt. Seine Werke beschäftigen sich häufig mit gesellschaftlichen und politischen Veränderungen in Syrien sowie mit Fragen von Erinnerung, Identität und Exil.

Symara Sarai lebt in Brooklyn. Ihre choreografische Praxis setzt sich mithilfe von Bewegung, Klang und Recherche mit den vielschichtigen Dimensionen ihrer persönlichen und kulturellen Geschichte auseinander. Für UNTIL WE ARE ALL FREE arbeitet sie mit CHIMI zusammen.

CHIMI ist eine nigerianische interdisziplinäre Künstlerin, die an den Schnittstellen von Klang, Performance und visueller Kunst arbeitet. Verwurzelt in der Gospelmusik und gestützt auf mehr als ein Jahrzehnt kollaborativer Praxis erforscht sie in ihrer Arbeit Schwarze femme Traditionen, überliefertes Wissen der Vorfahren, spirituelle Fragestellungen und kollektive Heilungsprozesse.

teatru-spălătorie ist ein queer-feministisches Theaterkollektiv, das sich 2010 in Moldau gegründet hat. In ihren Stücken setzen sie sich mit den Machtverhältnissen zwischen Ost- und Westeuropa sowie mit dem Patriarchat und neoliberal-kapitalistischem System auseinander. Ihre Arbeiten bewegen sich dabei zwischen Agitprop, Konzert und Performancekunst.

cindy+cate ist ein achtköpfiges Performancekollektiv aus Braunschweig und Köln. Seit 2020 verhandeln und hinterfragen sie in ihren Arbeiten Gesellschaft und ihre Strukturen, und sehen im Kunstschaffen und Konzipieren von Performances auch eine Möglichkeit der politischen Arbeit.

Faiq Syazwan Kuhiri ist Performer, Musiker und Produzent für digitale Medien. Mit dem Five Arts Centre wirkte er in Projekten wie Something I Wrote, 2-minute solos – art meets politics, Baling, Version 2020, A Notional History und Oppy & Professor Communitas sowie in der B.E.D.-Reihe von Lee Ren Xin mit. Darüber hinaus komponiert und produziert Faiq eigene Musik mit den Rockbands Terrer und Sandy Eye.

Ziemlich sicher ist das Festival “Theaterformen” 2026 mit seinem faszinierenden, konzeptionellen Mix in diesen 10 Tagen nicht nur ein Hotspot für experimentelles, provokatives Theater und Tanz, sondern auch für vieles, was lokal verhandelt werden muss, aber doch weit über unsere Region hinaus Bedeutung und Relevanz hat.  

Links:

https://www.theaterformen.de/programm-2026

https://staatstheater-braunschweig.de

https://www.theaterformen.de/programm-2026#festivalzentrum-a95c

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