Von Dirk Schadt
Auf der Mitreden-Plattform gibt es aktuell zwei Petitionen zur Schleifung des Kopfsteinpflasters in Braunschweig, bei denen man sich noch an der Abstimmung beteiligen kann:
a) Kopfsteinpflaster glätten am Nordbahnhof
b) Kopfsteinpflaster in der Innenstadt schleifen für ein barrierefreies Braunschweig!
Das Kopfsteinpflaster in Braunschweig ist seit Jahren ein Stein des Anstoßes: Es befindet sich zunehmend in einem schlechten Zustand und wird den heutigen Anforderungen nicht mehr gerecht. Für Menschen, die auf einen Rollator, Rollstuhl oder Kinderwagen angewiesen sind, stellt das unebene Pflaster eine erhebliche Barriere dar. Auch Rad- und Autofahrer stellt das Pflaster regelmäßig vor Herausforderungen.
Schon 2015 gab es einen Antrag der Ratsfraktion Die Linken, die Marktfläche am Altstadtmarkt barrierefrei zu gestalten. Dieser Antrag wurde aus damals nachvollziehbaren Gründen abgelehnt: Das Kopfsteinpflaster unterliegt dem Denkmalschutz und kann nicht entfernt werden, und bevor die Stadtverwaltung eine Empfehlung ausspricht, müssen erst die Planungen des Stadtbahnausbaus und des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes abgewartet werden. Die Braunschweiger Zeitung berichtete darüber hier. Geändert hat sich seitdem am Zustand des Kopfsteinpflasters nichts, für geh- und sehbehinderte Menschen ist die Stadt weiterhin ein Minenfeld.
Zum Glück gibt es inzwischen eine neue Methode: Beim sogenannten „Grinding“-Verfahren wird die Oberfläche des Pflasters mit diamantbesetzten Schleifwalzen bearbeitet. So lassen sich Unebenheiten und Stolperkanten reduzieren, ohne das Pflaster auszutauschen oder zu asphaltieren. Dadurch wird die Nutzbarkeit deutlich verbessert, ohne die Optik grundlegend zu verändern. Gleichzeitig kann die Maßnahme zur Lärmreduktion beitragen. Die Kosten betragen je nach Firma und Steinhärte zwischen 80 und 120 € pro Quadratmeter; eine der Firmen, die Pflastersteinschleifungen durchführt, wird vom MDR wie folgt zitiert: „Pro Tag können wir zwischen 300 und 350 Quadratmeter in einen Zustand bringen, wo wir sagen: Das ist jetzt eben und gut befahrbar.“ Die Problemflächen in Braunschweig wie z.B. der Wollmarkt, der Altstadtmarkt, der Burgplatz und der Nordbahnhof ließen sich somit innerhalb weniger Wochen barrierefrei gestalten, und die Kosten dafür wären im Vergleich zu alternativen Maßnahmen günstig.
Die Vorteile wären für alle Verkehrsteilnehmer spürbar:
* Der Autoverkehr wird leiser und auch für Autofahrer angenehmer.
* Fahrradfahrer freuen sich, dass es weniger holpert, Rollstuhlfahrer können besser fahren.
* Fußgänger haben weniger Stolperfallen, was besonders Magnifestbesucherinnen mit Stöckelschuhen erfreuen dürfte.
* Auch für Blinde ist Kopfsteinpflaster eine unnötige Belastung bzw. Gefahr.
* Die Fußgängerzone im Magniviertel würde sich dadurch wie eine Flaniermeile anfühlen.
* Der Altstadtmarkt und Wollmarkt würden attraktiver und erhielten mehr Platzcharakter.
Das Abschleifen des Kopfsteinpflasters ist somit für Braunschweig wie ein längst überfälliger Friseurbesuch – die Stadt behält ihren historischen Charakter und ihr Gesicht, wird aber endlich wieder gepflegt, glatt und angenehm begeh- und befahrbar. Nur so wird aus dem Minenfeld aus Unebenheiten wieder ein wirklich barrierefreies Braunschweig für alle.
Kommentare zu den Petitionen:
* „Das wäre einfach super. Bin Rollstuhlfahrerin und alle Plätze mit Kopfsteinpflaster sind für mich so gut wie nicht machbar. Besuch Weihnachtsmarkt? Nicht machbar. Altstadtmarkt mit seinen unebenen überall hochgekommenen Platten und Kopfsteinpflaster nicht machbar. Magniviertel? Nicht machbar mit Rollstuhl.“
* „Die Idee ist gar nicht schlecht… Wenn man als älterer Mensch über die Plätze gehen muss, ist das sehr beschwerlich, auch ohne Hackenschuhe und mit dem Rollator unmöglich. Ich würde das Abschleifen begrüßen und da bin ich bestimmt nicht alleine. Die genannten Flächen behalten ihren Charakter trotzdem“
* „Mit Rollator auf Kopfsteinpflaster ist echt ein Problem und sehr anstrengend.“
Weiterführende hilfreiche Links zum Thema:
a) Geschliffenes Kopfsteinpflaster: Radfreundlich und leise, MDR Wissen 6. Juni 2026
b) Du radelst über Kopfsteinpflaster? Dank neuem Verfahren geht das ohne Holpern, Utopia.de 28. Juli 2026
c) Arbeitskreis Radförderung: Fachaustausch zu abgeschliffenem Kopfsteinpflaster, ADFC Brandenburg November 2025
d) Pilotprojekt in Eichwalde Kopfsteinpflaster für Radwege abschleifen: „Ich denke, das wird Schule machen“, rbb24 Brandenburg, 30. Mai 2026
























