Notre Dame: wo bleiben denn nun die Großspenden?

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Notre Dame vor dem verheerenden Brand vom April 2019

Nichts ist umsonst. Schon gar nicht bei Multimillionären. Das Problem ist das Image, und das gilt es immer wieder zu erhöhen. Kultursponsoring ist dabei beliebt. Natürlich will man was dafür haben: Ehre, Ruhm usw.

Die Flammen schlugen noch aus dem Dach von Nortre Dame, da waren die ersten 500 Millionen an Spendengeldern schon zusammen. Es galt Frankreich zu retten, während die Kulturwelt noch trauerte. Die Multimillionäre halfen gerne. Bis es konkret wurde. Tobias Riegel (Nachdenkseiten) zieht zu diesem Thema eine Zwischenbilanz, er schreibt:

„ Als die Pariser Kathedrale Notre Dame im April 2019 in Flammen stand, da überboten sich Frankreichs Milliardäre mit ihren Posen der angeblichen Freigiebigkeit. Aber von den rund 850 Millionen angekündigten Spenden sind bisher nur knapp 38 Millionen auch tatsächlich eingegangen, wie der „Deutschlandfunk“ meldet. Viele Großspender haben noch gar nicht überwiesen, die Spenden kamen aus der Bevölkerung. „Trotz Ankündigung: Milliardäre haben noch keinen Cent für Notre Dame gespendet“, schreibt auch der „Stern“. Der Pressesprecher von Notre Dame sagte demnach der britischen Tageszeitung „Metro“: „Die großen Spenden wurden nicht gezahlt. Kein Cent davon. Sie (die ‚Spender‘) wollen erst wissen, wofür genau ihr Geld ausgegeben wird und ob sie damit einverstanden sind, bevor sie es spenden, sie wollen nicht einfach die Gehälter der Arbeitskräfte zahlen.““

In dem Text wirft er dazu einige grundsätzliche Fragen auf:

„Haben private Großspender das Recht, die Kulturlandschaften zu prägen, nur weil sie wohlhabend sind? Haben sie das Recht, sich als besonders „freigiebige“ Mitglieder der Gesellschaft darzustellen und mit diesem ungerechtfertigten Status zu werben? Muss man ihnen gar für ihr „kulturelles Engagement“ dankbar sein? Und: Hat der Staat das Recht, die Konzerne durch seine Untätigkeit erst in die Lage zu versetzen, sich als „kulturelle Wohltäter“ produzieren zu können?“ Weiter auf den Nachdenkseiten.

Werfen wir einen Blick auf Braunschweig, denn irgendwie kommt uns das Verhalten im Kultursponsoring unserer Stadt bekannt vor. Die Strickmuster sind immer dieselben.

Wie sieht es also beim Thema Kultursponsoring in Braunschweig aus? Nicht anders als in jeder anderen Stadt auch, es ist eben selten geworden, dass Kultur ganz ohne Sponsoring auskommt. Allerdings: Das Wirken eines der vielen privaten Sponsoren wird in Braunschweig immer wieder besonders kontrovers diskutiert: Es geht um die Borek-Stiftung. Der Braunschweig-Spiegel hat hierüber immer wieder berichtet, siehe hier, hier oder hier. Ob es dabei um den Ruhfäutchen-Platz, den Wiederaufbau des (ECE-) Schlosses oder um der Öffentlichkeit vorenthaltene Verträge zwischen Stadt und Borek-Stiftung geht: Immer wird mit dem Sponsoring auch ganz direkt Einfluss auf die Gestaltung der Stadt genommen. Oft auch außerhalb demokratischer Entscheidungsprozesse und verborgen vor der Öffentlichkeit. (hgd)

Tobias Riegel stellt klar: „Spenden sollen in diesem Text nicht grundsätzlich diffamiert werden: Begüterte und finanziell bevorteilte Menschen sollen nicht davon abgehalten werden, sich finanziell gemeinnützig einzubringen! Aber solche Spenden dürfen nicht als Vorwand für staatliche Kürzungen dienen, sie dürfen nicht zur Werbung missbraucht werden und sie dürfen nicht mit politischer Einflussnahme verbunden sein.

Foto: Corina Benesch auf Pixabay

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