Kuessner würdigt jahrzehntelange Reformarbeit der Synode

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Dietrich Kuessner bei einem Vortrag im Franziskussaal in der Ev. Akademie. Foto: Uwe Meier

Anfang der Woche, Montag den 30.9.2019, fand im Franziskussaal der Ev. Akademie Abt Jerusalem eine gut besuchte Veranstaltung anlässlich der 150. Wiederkehr der konstituierenden Sitzung der Landessynode statt. Also am 1.10.1869. Es sprachen der Oberlandeskirchenrat Thomas Hofer, der Synodenpräsident Abramowski, der Akademiedirektor Dieter Rammler, und der ehemalige Pastor und Kirchenhistoriker, Küssner, hielt den Jubiläumsvortrag.

von Manfred Laube

Die Bildung der braunschweigischen Landessynode vor 150 Jahren war nach Auffassung des Kirchenhistorikers, Dietrich Kuessner, der Anfang eines kirchlichen Demokratisierungspro-zesses. In seinem Vortrag am 30. September im Theologischen Zentrum bezeichnete Kuessner die damalige Landessynode sogar als „Mutter der Kirchengemeinden“.

Diese (zugespitzte) These Kuessners stieß jedoch bei den Zuhörern der Veranstaltung der Evangelischen Akademie auf Widerspruch. Akademiedirektor Dieter Rammler und Synodenpräsident Peter Abramowski konnten ein interessiertes Publikum begrüßen. Anwesend waren unter anderem Landesbischof Christoph Meyns, sein Stellvertreter Thomas Hofer mit einem Grußwort und zahlreiche Synodale und Ex-Synodale. Kuessner präsentierte an diesem Abend zwei neue Buchbände zur Geschichte der Braunschweiger Synode. Die Teilnehmer konnten 470 Seiten nach Hause tragen.

Die jahrzehntelange Reformarbeit der Synode habe die Kirchengemeinden gestärkt, meinte Kuessner. Die Gemeinden wurden zu eigenständigen Körperschaften. Kuessner wies auf die erarbeitete Kirchenverfassung hin, auf die Einbeziehung von Laien, auf Informationsdichte und die große Zahl von Visitationen.

Kuessners Dokumentation endet im Jahre 1995. Für die Demokratisierung nach dem Zweiten Weltkrieg spielten nach der Beobachtung Kuessners die Gruppenbildung in der Synode und die Mitverantwortung und Mitwirkung von Frauen die entscheidende Rolle.

Kritische Anmerkungen aus der Sicht von 2019

Kuessner vermeidet zurecht den Begriff Kirchenparlament. Denn das Kirchenvolk hat kein aktives Wahlrecht. Ein Teil der Synodalen wird überhaupt nicht wie ein Parlament gewählt, sondern berufen. Kirchenpolitische Gruppen spielen inzwischen in der Synode keine Rolle mehr, der Frauenanteil ist gesunken.

Wichtige Bereiche wie das Dienst- und Arbeitsrecht wurden der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen übertragen und damit weitgehend der synodalen Kontrolle entzogen. Für das Pfarrerrecht ist die dem Kirchenvolk kaum vertraute VELKD zuständig. Demokratische Errungenschaften wie das Betriebsverfassungsgesetz und die Tarifautonomie gelten in der Kirche nicht.

Demokratie-Lücken sind auch an der kirchlichen Basis nicht zu übersehen. Kirchenvorständen fehlen Kandidaten. Eigentlich öffentliche Sitzungen werden nicht angekündigt. Die in der Kirchengemeindeordnung vorgesehenen Gemeindeversammlungen finden nicht statt, weil es sich nur um eine Soll- und nicht um eine Muss-Bestimmung handelt. Fraglich bleibt auch, ob die neuen Pfarr- und Gemeindeverbände demokratischen Ansprüchen gerecht werden.

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