Gewalt gegen die Jugend – Jugendgewalt: das bildungspolitische Versagen

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Zuerst das Positive: In Braunschweig schließen Hauptschulen!
Nun das Negative: Leider nicht alle!

Dramatisch sinkende Anmeldezahlen dokumentieren eine Abkehr von der Hauptschule, unabhängig von der Qualität. Die Eltern haben sich längst gegen diese Schulform entschieden. Und das ist gut so!

Doch nicht nur Eltern, auch namhafte Wissenschaftler unterschiedlicher Wissensbereiche fordern Ganztagsschulen mit pädagogischer Betreuung am Nachmittag. Sie fordern das Abschaffen der Selektion von Kindern nach der 4. Klasse und damit einhergehend die Aufhebung des dreigliedrigen Schulsystems. Sie fordern letztendlich den internationalen Schulstandard ein.

  • So möchte Prof. Hans-Werner Sinn, Präsident des Münchne Ifo-Institutes „eine neue Diskussion um die Gesamtschule“ und fordert die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems mit seinen schlechten Bildungsergebnissen. SINN sagt: „das dreigliedrige Schulsystem, mit dem wir weltweit nahezu allein stehen, passt nicht mehr in die heutige Zeit“. „Es reflektiert die Drei-Klassen-Gesellschaft des 19. Jahrhunderts. Früher sprach man ehrlicherweise von der Volksschule, der Mittelschule und der Oberschule. Damit gab man implizit zu, dass man für das Volk, die Mittelschicht und die Oberschicht drei verschiedene Schulen vorgesehen hatte.“

 

  • Der Dortmunder Pädagoge Prof. Ernst Rösner, Abteilungsleiter am Dortmunder „Institut für Schulentwicklungsforschung“ (IfS), schreibt in seinem Buch „Hauptschule am Ende – Ein Nachruf“, warum es für die Hauptschule keine Zukunft mehr gibt und dass es „keine Hauptschulbegabung“ gibt. Das sei ein Konstrukt aus dem „wissenschaftlichen Antiquariat“. Ebenso wenig hält er von der Selektion der Kinder auf verschiedene Schulformen nach dem 4. Schuljahr.

 

  • Aus einer dritten Perspektive und mit anderen Fragestellungen kommt Prof. Christian Pfeiffer, Direktor des „Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen“ (KFN) e.V, zu vergleichbaren Ergebnissen. Wie hier bereits dargelegt, kommt er in seiner neuesten Studie zu dem Schluss, dass „die Hauptschule in den letzten Jahren zu einem eigenständigen Verstärkungsfaktor der Jugendgewalt geworden ist“ und „bei dieser Schulform entwickelten sich negative Aufschaukeleffekte“. Diese Erkenntnis ist nicht neu, denn Kinder brauchen für ihre Entwicklung Erfolgserlebnisse und keine Selektion in Gut und Schlecht im Alter von 10 Jahren (siehe auch TAZ-Interview).

Schon 1998 wurden vom selben Institut in einer groß angelegten Studie die „Sieben Thesen zur Jugendgewalt“ formuliert. PFEIFFER und WETZELS führten damals aus, dass die „quantitative Zunahme der Jugendgewalt wesentlich darauf beruht, dass unsere Gesellschaft immer mehr zu einer Winner-Looser-Kultur wird, dass also Jugendgewalt ihren Nährboden vor allem auch in dem Auseinanderdriften von Reich und Arm findet. (siehe auch Spiegel-online Interview). Materielle Armut und Armut in der Bildung bedingen einander. Dafür tragen Politiker Verantwortung, aus der sie nicht entlassen werden dürfen.

Der Jugendgewalt sei durchaus erfolgreich zu begegnen, so der Jurist, Sozialwissenschaftler und Kriminologe Prof. PFEIFFER. Das zeige sich an den in Hannover eingeführten erfolgreichen präventiven Maßnahmen und es zeigt sich im negativen Sinne im Vergleich zu München. In seiner o. g. neusten Studie und aus einem schriftlichen Interview, dass wir mit ihm führten, wird deutlich, dass ein Grund verminderter Jugendkriminalität auch darin gesehen werden kann, dass den Schullaufbahnempfehlungen gerade nicht gefolgt wird – so wie das in Braunschweig geschehen ist und vom Kulturdezernenten bedauert wurde.

Bundesländer, in denen die Schullaufbahnempfehlungen bindend sind (z. B. Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen) müssen deshalb eher mit Problemen rechnen als solche, in denen die Eltern die Chance haben, für ihr Kind den Schultyp ihrer Wahl auszusuchen, auch gegen eine Grundschulempfehlung – so PFEIFFER auf die entsprechende Frage.

Für Braunschweig lässt sich daraus folgern: die Eltern haben richtig gehandelt, als sie für ihre Kinder der Schullaufbahnempfehlung für die Grundschule nicht folgten. Dies selbstverschuldete Dilemma der Schulträger gäbe es nicht bei einer ausreichenden Anzahl von Integrierten Gesamtschulen. Unter bestimmten Voraussetzungen sieht PFEIFFER für die Integrierten Gesamtschulen eine zentrale Rolle bei der Prävention von Jugendkriminalität (siehe Interview).

Dass PFEIFFER mit seinen Ergebnissen, Rückschlüssen und Empfehlungen auch richtig liegt, zeigen Erfolge. Seine Empfehlungen von 1998, häusliche Gewalt gesetzlich zu verbieten, wurden umgesetzt und ehrenamtliche Organisationen nahmen sich in Hannover am Nachmittag der Jugend an. Neben dem höheren Bildungsabschluss jugendlicher Migranten führte das zu einer deutlichen Entspannung bei der Jugendkriminalität.

Den kommunalen Bürgerinitiativen, wie z. B. die Bürgerstiftungen in Hannover und Braunschweig wird von PFEIFFER eine hohe Bedeutung beigemessen. Das darf die Kommune aber nicht dazu veranlassen, sich zunehmend aus der Verantwortung zu nehmen, Schulgebäude verkommen zu lassen oder wichtige Einrichtungen für die Jugend – wie das Freizeit- und Bildungszentrum in Braunschweig – ersatzlos zu schließen. Das sind die falschen kommunalpolitisch zu verantwortenden Signale an die Eltern, die Kinder und die Jugendlichen in unserer Stadt!

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