Die Erfindung der Nachhaltigkeit

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Mittelalterliche Hudewald-Nutzung, Quelle unbekannt

Zwischen Forstgeschichte und Geschichtsklitterei

29. Waldbrief, 20.03.2021

„Holzhacken ist deshalb so beliebt, weil man bei dieser Tätigkeit den Erfolg sofort sieht.“
Albert Einstein

Forstgeschichte ist ein wichtiger forstwissenschaftlicher Aspekt der Erfahrung. Sie kann auch wesentlich zur Identität des Forstwesens beitragen. Geschichtsklitterei ist die bewusste Verfälschung geschichtlicher Ereignisse. Sie kann die Glaubwürdigkeit in die positive Identität des Forstwesens nachhaltig erschüttern, wenn daraus Mythen konstruiert werden, die dazu bestimmt sind, primär der Selbstdarstellung zu dienen und durch häufige Wiederholung zu einer Wahrheit werden, die nicht mehr hinterfragt wird. Dass die Nachhaltigkeit vor dreihundert Jahren erstmalig durch die Forstwirtschaft eingeführt wurde, ist so ein Mythos, der in kaum einer Selbstdarstellung der Forstwirtschaft Deutschlands fehlt.

Prof. Dr. Daniela Ludin, Professorin für Recht, Umwelt- und Forstpolitik an der Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg schrieb im Magazin „STIFTUNG“ 3/10 – 2019:
„Waldinvestments sind hochspekulativ und nicht per se nachhaltig.“

Prof. Dr. Thomas Knoke von der TU München, Fachgebiet für Waldinventur, führte im Gegensatz zu Frau Ludin in derselben Ausgabe aus: „Einem gekonnt bewirtschafteten Wald kann im Vergleich zu anderen Investments Nachhaltigkeit tatsächlich attestiert werden.“ Damit das glaubwürdiger klingt, führt er weiter aus: „Schließlich haben Forstwissenschaftler einst das Nachhaltigkeitsprinzip erfunden.“

Damit sind wir bei der Frage: Standen Förster und ihre Forstwirtschaft am Beginn des Nachhaltigkeitsgedankens?

Als der sächsische Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz 1713 mit der Sylvicultura oeconomica das erste geschlossene Werk über Forstwirtschaft vorlegte, schuf er auch ein politisches Buch, das sich für Generationengerechtigkeit einsetzt. Förster standen in seiner Zeit noch in eher zweifelhaftem Ruf als Vollzieher des Willens ihrer Herrschaft, bei der sie in Lohn und Brot standen. Von Carlowitz schrieb:

„… wird derhalben die Größte Kunst, Wissenschaft, Fleiß und Einrichtung hiesiger Lande darinnen beruhen, wie eine sothane Conservation und Anbau des Holzes anzustellen, daß es eine kontinuierliche beständige und nachhaltende Nutzung gebe, weil es eine unentbehrliche Sache ist, ohne welche das Land in seinem Esse nicht bleiben kann.“ Weiter:

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