Betreff: Austritt radioaktiven Kryptons in der PTB

0

Fragen und Antworten

Sehr geehrter Herr Simon,

ich schreibe für die Internetzeitung „Braunschweig-Spiegel“. Zu dem heute in der Braunschweiger Zeitung berichteten Vorgang bitte ich um Beantwortung einiger Fragen:

Frage 1:

Zu welchem Zeitpunkt ist das Leck bemerkt worden?

Frage 2:

Waren die Werte, die auf dem PTB-Gelände gemessen wurden, erhöht oder gab es keinerlei Abweichung von den üblicherweise erfassten Werten?

(Die BZ schreibt, die Werte seien „zu keiner Zeit signifikant erhöht“ gewesen, was eine Erhöhung nicht ausschließt.)

Frage 3:

Hat die PTB nur diese Messungen auf dem eigenen Gelände (und natürlich im Labor) vorgenommen oder auch außerhalb des Geländes, etwa im benachbarten Wohngebiet Kanzlerfeld? Da die Abluft nach Aussage der BZ über den Schornstein nach draußen gelangt ist, kann sie – je nach Windstärke und -richtung – auch in Räume außerhalb der PTB, nicht zuletzt ins Wohngebiet gelangt sein.

Frage 4:

Wieviel Zeit ist von dem Entdecken des Lecks bis zur Meldung an das GAA vergangen?

Frage 5:

Wann hat die PTB den externen Sachverständigen beauftragt? Wann hat dieser seine Arbeit aufgenommen bzw. wann wird er dies tun?

Frage 6:

Um welche Einrichtung  bzw. welche Person handelt es sich dabei?

Weil ich selber im Kanzlerfeld wohne, habe ich auch von daher ein starkes Interesse an rascher Aufklärung.

Antworten der PTB

Sehr geehrter Herr Matthies,

Ihre Fragen kann ich gut verstehen und ich werde sie auch gleich im Einzelnen beantworten. Zuvor jedoch die allgemeine Aussage, dass wir alle sehr von diesem Vorfall überrascht wurden, da derartig verkapselte, kommerzielle Krypton-Quellen an vielen Stellen in der Industrie im Einsatz sind (etwa im Rahmen von Partikeluntersuchungen in Abgasen) und dort über die gesamte Einsatzzeit fehlerlos im Einsatz sind. Umso überraschter waren wir, als unsere Messungen im Labor plötzlich nicht mehr funktionierten. Die Fehlersuche ergab dann schließlich das „verschwundene Krypton-85“, das offensichtlich über den Schornstein in die Umgebungsluft emittiert wurde – ein Ort, wo es definitiv nicht hingehört. Die gute Nachricht innerhalb der schlechten Nachricht ist jedoch, dass keinerlei schädigende Auswirkungen auf Mensch und Umwelt zu erwarten sind. Die geringe Kryptonmenge (wie gesagt: 26 Mikrogramm) wird sich in einem großen Luftraum verteilt haben, sodass der Aktivitätseintrag pro Kubikmeter Luft gering ausfällt. Am Rande bemerkt: Die ohnehin vorhandene Krypton-85-Aktivität in der Atmosphäre liegt gegenwärtig bei etwa 1,4 Bq pro Kubikmeter. (Ich hoffe, dass Sie diese Aussage – auch und gerade als Nachbar der PTB – etwas beruhigt.)

Nun aber zu Ihren Fragen im Einzelnen:

Frage 1:

Zu welchem Zeitpunkt ist das Leck bemerkt worden?

Das Leck wurde am 7. April bemerkt. Zu diesem Zeitpunkt konnte auch keine Ortsdosisleistung dieser Quelle mehr gemessen werden.

Frage 2:

 Waren die Werte, die auf dem PTB-Gelände gemessen wurden, erhöht oder gab es keinerlei Abweichung von den üblicherweise erfassten Werten?

(Die BZ schreibt, die Werte seien „zu keiner Zeit signifikant erhöht“ gewesen, was eine Erhöhung nicht ausschließt.)

Alle im Vorfeld (also in den Wochen und Monaten zuvor) gemessenen Strahlenwerte in der Umgebung  lagen in der üblichen Schwankungsbreite. Wäre es anders gewesen, hätte die PTB natürlich bereits dann nach einer Ursache geforscht.

Frage 3:

 Hat die PTB nur diese Messungen auf dem eigenen Gelände (und natürlich im Labor) vorgenommen oder auch außerhalb des Geländes, etwa im benachbarten Wohngebiet Kanzlerfeld? Da die Abluft nach Aussage der BZ über den Schornstein nach draußen gelangt ist, kann sie – je nach Windstärke und -richtung – auch in Räume außerhalb der PTB, nicht zuletzt ins Wohngebiet gelangt sein.

Außerhalb des PTB-Geländes finden keine Strahlenmessungen statt.

Frage 4:

 Wieviel Zeit ist von dem Entdecken des Lecks bis zur Meldung an das GAA vergangen?

Das Gewerbeaufsichtsamt wurde schriftlich am 8. April benachrichtigt.

Frage 5:

 Wann hat die PTB den externen Sachverständigen beauftragt? Wann hat dieser seine Arbeit aufgenommen bzw. wann wird er dies tun?

Der  Sachverständige wurde unverzüglich beauftragt und hat seine Arbeit auch schon aufgenommen.

Frage 6:

 Um welche Einrichtung  bzw. welche Person handelt es sich dabei?

 Mit der Aufklärung des Sachverhalts wurde TÜV Nord beauftragt.



Ich hoffe, dass ich Ihre Fragen damit hinreichend beantwortet habe. Wenn Sie dies als Nachricht beim „Braunschweig Spiegel“ veröffentlichen, würde ich mich über einen kurzen Hinweis von Ihnen freuen.

Mit freundlichen Grüßen aus der PTB
Jens Simon

***********************************************************
Dr. Dr. Jens Simon
Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)
Bundesallee 100, 38116 Braunschweig
Tel.: (0531) 592 3005

Möchten Sie den Artikel kommentieren

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.