Start Kultur Wenn die Oker zu klingen beginnt: Ein Mittwochabend mit den Okertones

Wenn die Oker zu klingen beginnt: Ein Mittwochabend mit den Okertones

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Manchmal braucht es keinen Freitagabend, kein großes Festival und keine laute Partynacht. Manchmal reicht ein Mittwoch, gute Musik – und Menschen, die sich für einen Abend gemeinsam verzaubern lassen.

Am vergangenen Mittwoch, dem 26. August, wurde es im Schön & Frölich in Braunschweig musikalisch ganz besonders. Die Okertones waren zu Gast – und wer dachte, ein Konzert mitten in der Woche könne vielleicht etwas ruhiger ausfallen, wurde ziemlich schnell eines Besseren belehrt.

Denn die Okertones sind alles andere als gewöhnlich. Die Band um den Braunschweiger Musiker Tom Bennecke verbindet Folk, Country, Bluegrass, Blues, Jazz und weitere musikalische Einflüsse zu einem ganz eigenen Sound. Mit dabei sind Peter Jung, Catrin Groth, Markus Schultze, Maike Jacobs, Andy Bermig und André Neygenfind. Im Zentrum steht dabei Benneckes Dobro – und genau dieser warme, vibrierende Klang gibt den Okertones einen ganz besonderen Charakter. Ihre Musik ist handgemacht, voller Spielfreude und gleichzeitig angenehm unaufgeregt. Musik, die nicht einfach nur aus Lautsprechern kommt, sondern irgendwie direkt bei den Menschen landet.

Für die Okertones war der Abend im Schön & Frölich bereits der zweite große Konzertauftritt in Braunschweig. Im vergangenen Jahr standen sie erstmals auf der Bühne von Zur Freundschaft beziehungsweise der Freundschaftsbühne im Prinz-Albrecht-Park. Damals war es gleichzeitig die Pre-Release-Show ihres Debütalbums. Auch darüber habe ich im Braunschweig-Spiegel berichtet. Nun also die zweite Runde – und diesmal in einer ganz anderen Umgebung.

Das Schön & Frölich, die neue Veranstaltungshalle in der ehemaligen Jolly-Joker-Location an der Broitzemer Straße, ist inzwischen selbst zu einem neuen Bestandteil der Braunschweiger Kulturlandschaft geworden. Seit der Eröffnung im Frühjahr 2026 finden hier Konzerte und unterschiedlichste Veranstaltungen statt.

Und an diesem Mittwochabend füllte sich der Raum mit Menschen, die offensichtlich nicht gekommen waren, um einfach nur ein Konzert „abzuhaken“. Sie kamen, um zuzuhören. Um sich überraschen zu lassen. Um gemeinsam einen schönen Abend zu erleben.

Die Okertones präsentierten dabei vor allem ihre eigenen Songs – auf Deutsch und Englisch, mal nachdenklich, mal voller Energie, mal mit einem Augenzwinkern. Thematisch geht es in ihren Liedern um Aufbruch und Rückblick, Sehnsucht und Heimat, das Leben und den Tod.

Eine kleine musikalische Reise in die amerikanische Musikgeschichte durfte allerdings nicht fehlen: Peter Jung präsentierte „The Brakeman’s Blues (Yodeling the Blues Away)” von Jimmie Rodgers und nahm das Publikum mit auf einen besonderen Ausflug zu einem Klassiker aus dem Jahr 1928.

Doch was diesen Abend besonders machte, waren nicht nur die Okertones selbst. Es waren auch die Menschen, die sie mit auf die Bühne holten.

Einer dieser besonderen Momente gehörte Britta Dekker. Mit ihrer persönlichen Geschichte über ihren Vater, der nicht mehr bei uns ist, wurde es plötzlich ganz still und sehr persönlich. Ihr Song war keine bloße musikalische Darbietung – er war Erinnerung, Liebe und Abschied zugleich. Und manchmal gibt es diese Momente bei Konzerten, in denen man als Zuschauer merkt, dass gerade etwas passiert, das weit über Musik hinausgeht. Dieser war einer davon.

Und dann kam Louie.

Wer ihn kennt, weiß, dass er eine Bühne nicht einfach betritt – er nimmt sie ein. Gemeinsam mit den Okertones sang er zwei Songs und brachte eine ganz eigene Energie mit. Plötzlich war da noch mehr Bewegung, noch mehr Leben, noch mehr Spannung im Raum. Das Publikum ließ sich sofort mitreißen, und die Stimmung kochte förmlich über.

Für einen weiteren besonderen Moment sorgte Maike Jacobs. Diesmal nicht nur als Sängerin der Okertones, sondern mit einer ausgesprochen lebendigen Stepping-Dance-Performance. Rhythmus, Bewegung und Musik verschmolzen zu einem Moment, der den ohnehin abwechslungsreichen Abend noch einmal um eine völlig andere Farbe ergänzte.

Und vielleicht war genau das die große Stärke dieses Konzerts: Es war nie nur ein Konzert.

Es war Begegnung.

Es gab Musik, Geschichten, Gäste, Überraschungen und zwischendurch immer wieder diese kleinen persönlichen Momente. In der Pause konnten die Besucherinnen und Besucher nicht nur am Merchandise-Stand stöbern und Aufnahmen der Okertones – sogar auf Vinyl – mit nach Hause nehmen. Sie hatten auch die Möglichkeit, mit den Musikerinnen und Musikern ins Gespräch zu kommen. Keine unnahbare Distanz zwischen Bühne und Publikum, sondern Nähe. Menschlichkeit. Ein bisschen so, als würde man gemeinsam mit Freunden einen außergewöhnlich guten Abend verbringen.

Und das alles an einem Mittwoch.

Vielleicht ist genau das etwas, das man viel zu selten erlebt: Menschen nehmen sich mitten in der Woche Zeit, gehen aus, treffen andere Menschen und lassen sich für ein paar Stunden auf Musik ein.

Die Okertones waren sichtlich dankbar dafür. Und auch beim Publikum war diese Dankbarkeit zu spüren. Es war ein gegenseitiges Geben und Nehmen – die Musiker schenkten ihre Musik, ihre Geschichten und ihre Energie. Das Publikum schenkte ihnen Aufmerksamkeit, Begeisterung und diesen besonderen Moment, wenn man auf einer Bühne spürt: Die Menschen vor dir sind wirklich da.

Als der Abend schließlich zu Ende ging, blieb deshalb vor allem eines zurück: das Gefühl, bei etwas Besonderem dabei gewesen zu sein.

Die Okertones haben mit diesem Konzert einmal mehr gezeigt, dass handgemachte Musik nichts mit großen Effekten oder spektakulären Inszenierungen zu tun haben muss. Manchmal reichen gute Musikerinnen und Musiker, echte Geschichten, ein paar besondere Gäste und ein Publikum, das sich darauf einlässt.

Und wer an diesem Mittwochabend dabei war, dürfte sich ziemlich sicher sein: Das war nicht das letzte Mal, dass die Okertones eine Braunschweiger Bühne zum Klingen bringen.

Vielleicht wird es beim nächsten Mal wieder Freitag sein. Vielleicht Samstag. Vielleicht sogar wieder ein Mittwoch.

Aber eines ist ziemlich sicher: Wenn die Okertones wieder spielen, lohnt es sich, dabei zu sein.

Die schönsten und berührendsten Momente dieses besonderen Abends habe ich für euch in meiner Fotogalerie festgehalten – schaut gerne durch die Bilder unten und lasst den Abend noch einmal in Bildern auf euch wirken.

Copyrights: Photos by Dorothea „Dottie“ Lipinski / Helllove Photography

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