Unanständige Geschäftsgebaren zahlreicher Anbieter während der Corona-Krise

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Unabhängige Beratung stark nachgefragt:

– „Telefoniert wie die Weltmeister“: Beratungsbedarf in der Corona-Krise riesig
– Für Verbraucher geht es um viel Geld, Anbieter verwehren Kundenrecht
– Bessere finanzielle Ausstattung der Verbraucherzentrale dringend erforderlich
  Hannover, 20.10.2020 – Die Verbraucherzentrale Niedersachsen ist in der Krise stark gefragt: Allein am Telefon finden pro Woche bis zu 700 Beratungen statt. Die Nachfrage ist weitaus höher, kann aber mangels Personal nicht bedient werden. Inhaltlich steht das Thema Reiserecht derzeit an erster Stelle. Im Streit mit Unternehmen der Reise- und Veranstaltungsbranche geht es um hohe Summen, die Anbieter teils unrechtmäßig einbehalten. Die Verbraucherzentrale klärt über die rechtliche Situation auf und hilft Kunden, ihre Rechte durchzusetzen.
Jobverlust, Kurzarbeit oder ausbleibende Aufträge – für viele sind die finanziellen Folgen der Corona-Pandemie gravierend, teils geht es um die Existenz. „Wenn das Einkommen wegbricht, zählt jeder Euro. Wir stärken Verbrauchern den Rücken und holen viel für sie heraus“, sagte Randolph Fries, Vorsitzender des Vorstandes der Verbraucherzentrale Niedersachsen, bei der heutigen Pressekonferenz in Hannover. Die Krise unterstreiche wie wichtig unabhängige Beratung ist. „Die Verbraucherzentrale ist für zahlreiche verbraucherrechtliche Themen erster und vor allem vertrauenswürdiger Ansprechpartner. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag für den sozialen Zusammenhalt unserer Gesellschaft“, so Fries.
Bessere finanzielle Ausstattung dringend erforderlich
Dieser Stellenwert spiegelt sich allerdings nicht in der finanziellen Ausstattung der Verbraucherzentrale Niedersachsen wider. „Seit Jahren kämpfen wir für eine Erhöhung der institutionellen Förderung. Eine funktionierende, unabhängige Verbraucherberatung und der Erhalt des Beratungsstellennetzes sind bald nicht mehr möglich“, erklärte Fries. Die finanziellen Defizite werden in der Krise deutlich spürbar. „Unsere Berater telefonieren wie die Weltmeister“, sagte Petra Kristandt Geschäftsführerin der Verbraucherzentrale Niedersachsen. „Aufgrund fehlender Ressourcen können wir dennoch nicht alle Anfragen bedienen.“ Bis zu 700 Telefonberatungen werden pro Woche zusätzlich zur Vor-Ort-Beratung in den Beratungsstellen geführt. „Das ist eine hohe Zahl, zumal die Sachverhalte oft neu, die Fälle juristisch teils sehr anspruchsvoll sind“, so Kristandt. Viele Beratungen seien nicht in wenigen Minuten abzuhandeln. „Bei uns suchen Verbraucher Rat, die ihre Fragen im Internet nicht klären konnten. Wir betrachten den Einzelfall und suchen individuelle Lösungen.“
Neue Beratungsschwerpunkte – Reise und Veranstaltungen
Standen in 2019 – wie auch in den Vorjahren – Probleme bei Kauf-, Werk- und Dienstleistungsverträgen sowie Fragen rund um Telefon und Internet im Vordergrund, bereiten in der Krise vor allem abgesagte Reisen und Veranstaltungen erheblichen Ärger. Leider treten viele Anbieter zunehmend dreister gegenüber ihren Kunden auf. Teils werden falsche Behauptungen aufgestellt oder Verbraucher aufgefordert, ihre Rechte einzuklagen. „Bei den Verbrauchern ist der Frust über das unanständige Geschäftsgebaren inzwischen deutlich zu spüren“, erklärte Kristandt. Und bei allem Verständnis für die Situation der Anbieter – Kundenrechte müssen auch in der Krise gewahrt werden.  
Vorstandswahlen – neue stellvertretende Vorsitzende gewählt
Bei der Mitgliederversammlung am 19. Oktober 2020 fanden turnusgemäß die Vorstandswahlen statt. Der amtierende Vorsitzende Randolph Fries (Deutscher Mieterbund Niedersachsen-Bremen e. V.) wurde einstimmig im Amt bestätigt. Ulrich Gransee (Deutscher Gewerkschaftsbund, Bezirk Niedersachsen – Bremen – Sachsen-Anhalt), bisheriger stellvertretender Vorsitzender, kandidierte nicht mehr. „Wir bedanken uns sehr bei Ulrich Gransee für sein langjähriges ehrenamtliches Engagement und seinen Einsatz für die Verbraucherzentrale“, sagte Randolph Fries. Die bisherige Beisitzerin Catarina Köchy (Niedersächsischer LandFrauenverband Hannover e. V.) wurde als neue stellvertretende Vorsitzende gewählt. Als Beisitzer wiedergewählt wurden Thomas Altgeld (Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e. V.) und Tibor Herczeg (Verband Wohneigentum Niedersachsen e. V.). Neu als Beisitzerin gewählt wurde Lea Karrasch ebenfalls vom Deutschen Gewerkschaftsbund. Den Jahresbericht 2019, die Beilage „Corona-Krise – Verbraucherzentrale hilft schnell und effektiv“ sowie aktuelle Fallbeispiele finden Sie unter
www.verbraucherzentrale-niedersachsen.de/corona-krise-verbraucherzentrale-zieht-bilanz

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