Transition Town – auch für Braunschweig?

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Am diesem Wochenende findet in Hannover der Visionskongress von Transition Town Hannover satt. Der Begriff bedeutet in etwa „Stadt im Wandel“ und meint das Initiieren von lokalen und regionalen Gemeinschaftsprojekten im Sinne einer nachhaltigen Ökologie. Die Entwicklung der TT-Bewegung in Hannover begann folgendermaßen: der Sozialwissenschaftler Thomas Köhler las vor ca. zwei, drei Jahren das legendäre Standardwerk „Energiewende – Das Handbuch“ von Rob Hopkins. Er lud im November 2010 zu einem Auftaktkongress. Auf diesem wurde der Beschluss gefasst, sich der Transition-Town-Bewegung anzuschließen.

 

Es wurde u. a. zur Regionalwährung „Leinekies“ Kontakt aufgenommen. Andere Aktive sammelten nicht geerntetes Obst (http://www.mundraub.org) und im April 2011 wurde das Bürgergartenprojekt „Kügäli“ (KüchenGärten Limmer) eröffnet. Dazu gehört im Winter ein so genannter Palettengarten mit Big Bags in denen Kräuter, Rosen, Sträucher etc. überwintern.

Die Aktivisten in Hannover machen es vor – es geht auch anders. Problemlösungen werden im System von Kopf, Herz und Hand bewältigt. Die Aktiven von TT Hannover schaffen es, auf kommunaler Ebene innerstädtisch zu gärtnern, auch wenn dazu noch ein großer Parkplatz entsiegelt werden muss. Es entstanden im Rahmen von TT diverse Foren: Das Forum der Herz-Seele-Gruppe hat sich den persönlichen inneren Wandel zur Aufgabe gesetzt. Eine Gruppe ist für die Öffentlichkeitsarbeit und eine andere für die Thematik Solidarität zuständig. Eine neue Gruppe gründet sich derzeit in der Nordstadt mit den Projekten Streuobstwiese, Gemeinschaftsgärten, Permakultur u. a.

Des Weiteren entstanden das Vernetzungsfrühstück, um Synergien zu bündeln. Zu diesem Netzwerk gehören u. a. attac, die Occupy-Bewegung, der Wissenschaftsladen, die Anti-Atom-Bewegung, das Friedensbüro und Radio Flora. Das Bewusstsein der Bewegung muss in den Köpfen der Menschen verankert werden. Für eine Aktivistin ist es wichtig, die Hühner persönlich zu kennen, deren Frühstückseier sie morgens isst. Neben der Pflege der sozialen Netzwerke sollen zukünftig auch Tauschbörsen und Saatguthandel betrieben werden.

Zur Zeit sind 15 Bürgerarbeiter im Rahmen einer 30-Stunden-Woche zum Mindestlohn bei TT Hannover angestellt.

Leider bekam die Initiative am letzten Dienstag, den 21.02.2012 einen herben Dämpfer. Das mehrere 100 m² große Gebäude, einst die alte Krankenkasse von Continental Limmer, soll demnächst abgerissen werden. Ein großer Investor will sich das von Continental vor 15 Jahren stillgelegte riesige Areal als Baufläche einverleiben. Sollte TT Hannover es nicht schaffen, dem Baumagnaten zuvorzukommen und das Gelände bspw. selbst zu kaufen, stünde das gesamte Projekt in Limmer Ende März vor dem Aus. (Anm.: Ein Schelm der in dem Prozedere irgendwelche Parallelen zu Braunschweig sehen würde!!) TT Hannover setzt nun alles dran, sich für den Fortbestand des Gebäudes und der Außenfläche einzusetzen. Johannes Heimrath sprach davon, in diesem Zusammenhang die Logik des Kapitals zu durchbrechen. Für diese Fläche sei der Begriff Allmende (gemeinschaftliches Eigentum) zutreffend.

Am Nachmittag wurde der Kongress in einem Plenarsaal des Neuen Rathauses mit einem Open Space fortgesetzt. Zahlreiche Ideen wurden moderiert und zusammengetragen, einige davon lauten:

1. Eine Nähwerkstatt, in der auch Männer ihre eigene Kleidung schneidern können.

2. Das Mitgärtnern in einem Schrebergarten im Rahmen des Konzeptes des Kinderwaldes.

3. Die Entwicklung einer solidarischen Landwirtschaft anhand der Gemeinschaftsgärtnerei „Wildwuchs“

4. Die Initiative des „Omnibus für direkte Demokratie“ stellte sich vor.

5. Die Kügäli sucht weitere brachliegende Flächen zur gemeinsamen Nutzung.

6. Die Initiative Öffentlichkeitsarbeit stellte sich vor.

7. Die Gruppe Solidarität sucht freiwillige Helfer, u.a. im Bereich Telefondienst, Ämterbegleitung und Mitarbeit im Cafe.

8. Der Begründer der „Schwimmenden Inseln“ berichtete kurz von einem Projekt, in dem aus Autoreifen eine Skulptur in Indien hergestellt wurde. Zur Zeit organisiert er einen Wettbewerb zur Konversion ehemaliger militärischer Flächen. Das nächste Projekt wird der Bau eines (weiteren) recycelten Floßes auf dem Maschsee sein.

9. Am 12. Mai findet der Tag der Alternativen namens “Frühlingsmärchen“ in Hannover statt.

10. Ebenfalls am 12. Mai gibt es einen Selbsthilfetag in der Innenstadt.

11. Ein anderer Aktivist sprach von der „Idee der sozialen Plastik“ (Joseph Beuys).

Dazu möchte er eine Akademie für interdisziplinäre Forschung sowie eine Agentur für den Wandel, die sich mit Werbung und Marketing beschäftigt, gründen.

12. Angedacht ist eine Art „Wortwerkstatt“, die sich für gewaltfreie Wörter im Alltag und in den Medien einsetzt.

Das Schlusswort hatte Johannes Heimrath. Er sprach von einem aktuellen „Übernutzungsgrad“ der Erde, d. h., in einigen Jahren brauchen wir eine zweite Erde bei gleichbleibender Verschwendung der Ressourcen. Um den Zustand der Erde zu bewerten, führte Heimrath den Begriff der „Enkeltauglichkeit“ ein. Abschließend sagte der Oya-Herausgeber, es würde nichts mehr bringen, am System herumzudoktern, wir müssen eine vollkommen andere Kultur aufbauen.

Habe ich mit diesem Artikel ihr Interesse geweckt? Auch in Braunschweig ist eine andere Welt möglich!! Der Grundstein wurde schon gelegt, da es seit gut einem Jahr in Völkenrode ein gut funktionierendes Gemüsegartenprojekt gibt. Sicher gibt es viele andere Ideen, die demnächst in einem Open Space zusammengetragen werden können.

Wer Lust hat, sich in Braunschweig mit dem Thema Transition Town zu beschäftigen und vor allem sich tatkräftig zu engagieren, soll sich mit seinen Ideen bei mir melden

(christofgoerlich@arcor.de).

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