Thomas Gottschalk und der Meinungskorridor: „Da sage ich lieber gar nichts mehr…“

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T. Gottschalk Foto: Wikipedia

Es gab in der „Wetten Dass“-Sendung einen bemerkenswerte Szene. Bezogen auf eine zuvor präsentierte Wette, bei der Waggons mit Muskelkraft bergauf gezogen wurden, sagt Gottschalk: „Bergab geht es sogar in der Schweiz von alleine.“ Und dann folgt sein Satz: „Wir brauchen Hilfe der Politik in Deutschland, damit es bergab geht.“ Auf eine kurze Schrecksekunde folgt starker Applaus aus dem Publikum.

Aus Sicht der Mainstreammedien wurde es noch schlimmer:

„Der zweite Grund ist natürlich der, dass ich, und das muss ich wirklich sagen, immer im Fernsehen das gesagt habe, was ich zu Hause auch gesagt habe. Inzwischen rede ich zu Hause anders als im Fernsehen. Und das ist auch keine dolle Entwicklung. Bevor hier ein verzweifelter Aufnahmeleiter hin- und herrennt und sagt: ‚Du hast wieder einen Shitstorm hergelabert‘, da sage ich lieber gar nichts mehr.“

Bei der Braunschweiger Zeitung am Montag hatte ich den Eindruck, das die Redakteurin Anne-Kathrin Neuberg-Vural hyperventilierte. Die Überschrift ihres Artikels war: „Unwürdige Abschiedsworte“ und weiter “Großmeister Gottschalk wird kleingeistig“und am Ende ihres Kommentars: „Seine Äußerung ist Wasser auf die Mühlen aller, die an eine „Meinungspolizei“ glauben.“

Da solche Regeln, was die Redakteure zu sagen haben nicht öffentlich sind, kann ich das nur für die ARD belegen. Die NachDenkSeiten haben das im Artikel „44 Seiten Sprachregelung der ARD zum Nahostkonflikt – ein unglaublicher Skandal“ zitiert und kommentiert. Wenn FrauNeuberg-Vural das liest wird sie möglicherweise gar nicht die Einschränkungen für die Journalisten bemerken, da sie das alles für richtig hält. Aber Meinungsfreiheit ist die Freiheit der Andersdenkenden. Und genau die Andersdenkenden werden dadurch gemaßregelt. Und wenn kleinste Abweichungen dann gleich massiv angegangen werden, wie hier bei Thomas Gottschalk, dann sieht man, wie klein der Meinungsspielraum in den Mainstreammedien geworden ist. Auch der 2. Artikel in der BZ am Montag von Rebecca Baden und Nora Henze gingen die erfolgreiche Show mit 12 Millionen Zuschauern heftig an – so ist es, wenn man prominent ist und ein wenig vom Mainstream abweicht.

Tobias Riegel ist diesem Ereignis plastisch nachgegangen mit Orginal-Videoausschnitten: „Ich möchte Thomas Gottschalk danken für seinen TV-Auftritt am Wochenende und seine deutlichen Worte zum zensorischen Zeitgeist und zum sich immer mehr verengenden Meinungskorridor. Bei Gottschalk geht es – anders als etwa bei Diffamierungszielen wie Sahra Wagenknecht – eher weniger um essenzielle Aussagen zur Wirtschaftspolitik oder zu Krieg und Frieden. Aber auch wenn man die „flotten Sprüche“, für die Gottschalk im Laufe seiner großen TV-Karriere gescholten wurde, „nur“ als Teil eines als nicht so wichtig empfundenen Kulturkampfes beurteilt oder sie vielleicht auch einfach nicht so toll findet – so ist doch der teilweise Umgang mit Gottschalks Aussagen ein Zeichen einer überempfindsamen Zeit mit Tendenzen zur Hypermoral. Dass er diese Überempfindlichkeit nun zum Abschied noch einmal so deutlich thematisiert hat, ist ein wichtiges und aus so prominentem Mund auch möglicherweise wirkungsvolles Zeichen.“ Und weiter…

1 Kommentar

  1. Bei ARD und ZDF sitzen Sie in der letzten Reihe!

    Wetten Dass ist schon lange tot, spätestens nach dem schweren Unfall mit Samuel Koch 2010 hätte man die Sendung einstellen sollen, da wollte Gottschalk nämlich nicht mehr und die Schnarchnase Markus Lanz hat Wetten Dass bis 2014 den Rest gegeben. Dass man Thomas Gottschalk nach seinem 70ten Geburtstag immer mal wieder aus seiner müffenden Gruft holt und sexistische Sprüche aus den 1970ern-1990ern klopfen lässt dient nur noch dazu die Generation Ü60 bis um 100 im Renterfernsehen des Seniorenheims zu bespassen.

    wenn man ARD und ZDF schaut, denkt man mittlerweile man ist im Heim für Demenzkranke, die Morgen-Mittags-und Abendmagazine, Boulevard-Magazine senden ständig das Gleiche, Widerholungen und die Nachrichten parallel, bzw. abwechselnd. Was du heute siehst, wird mindestens drei mal in den nächsten Tagen oder Wochen nochmal in einer anderen Sendung gezeigt.
    Die Werbung is auf die Zielgruppe Ü70 abgestimmt, Einlagen gegen Inkontingenz, Hörgeräte, Tabeletten gegen Schwindel, Vergesslichkeit,….. hach da wird mir ganz anders.

    Alte Tatort-Krimis mit Schimanski oder Ein Herz und eine Seele („Ekel Alfred“) werde vorab mit Warnhinweisen wegen der derben Sprüche versehen, bei anderen Filmen hört man schon mal hier da da nen Piepser, also zensiert. Auweia , wo soll das noch Enden?
    Das Märchen vom kleinen Muck zeigt man hingegen zur Weihnachtszeit gerne, da schämt man sich wohl nicht, mit Schuhcreme angemalte Europäer als POC darzustellen? Manmanman!

    Die ÖR-Programme sind mittlerweile total aufgebläht udn sowas v sclecht, auf ZDFneo, ZDFinfo laufen ständig diselben Dokus über en großen Föhrer und de SS, den WK2, das zwölfjährige Reich und den Holocaust und Endlosschleife! Und was da nicht läuft wird noch bei Phonix reingeworfen, dabei sind die Filmausschnitte immer dieselben, weils nichts anders aus der Zeit gibt, manchmal nachcoloriert. Was hier für die Rundfunkgebühren an Mist gezeigt wird.

    Ungefähr 20 ÖR-Fensehprogramme und ca 100 Radioprogramme können wir empfangen, man begründet das mit Programmvielfalt, in Wahrheit sendet man ständig dasselbe ud teilweise parallel zueinander, wozu brauche ich vier Mal gleichzeitig von 5.30-9.00Uhr das Morgenmagazin auf ARD, ZDF, Tagesschau24 und Phoenix?
    Tolle Sendungen und Serien aus dem Archiv werden wiederum nie oder seltenst gezeigt.
    Beim Radio wusste man früher mal NDR3 =Klassik, NDR2 =Jugend, NDR1 =Schlager/ältere Hits/Info, heute sinds allein vom NDR etwa 10 „Radio“-Programme in DABplus oder Kabel, Labersender, Kultur, Info, NJoy, was weißichwasnochallesammist…
    Und deganzen anderen ÖR-Radioprogramme machen genau das Gleiche mit Ihrem aufgeblähtem Wasserkopf und jammern noch rum, kein Geld zu haben. Die staatlich garantierte Rundfunkgebühr ist ne unbegrenzte Einnahmequelle für diesen maroden Haufen und deren Pensionäre wie Gottschalk.

    Das Programm der privaten Sender ist dabei noch viel schlechter, was einst mal ne echte Alternative war, ist heute HartzIV-TV und Trash.

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