Rentner, gebt das Wahlrecht ab!

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Will die TAZ diese beiden auseinanderbringen? Sollen der Großvater und die Großmutter nicht mehr für ihre Nachkommen Verantwortung übernehmen und für deren Zukunft kämpfen? Soll die Entsolidarisierung in unserer Gesellschaft nun auch noch in die Familien getragen werden? Ist das eine neue Position der TAZ? Sie scheint nach den Wahlerfolgen ihrer Grünen noch neoliberaler zu werden. (UM) Foto: Uwe Meier

Rentner, gebt das Wahlrecht ab! Das war die keineswegs ironisch gemeinte Aussage von Johanna Roth in der TAZ. Sie leitet derzeit das taz-Ressort Meinung+Diskussion.

Ich (Frau Roth) mach’s also kurz: Führerscheine sollte man im Alter abgeben. Warum nicht auch Wahlrecht? Ja, ich weiß – ein Menschenrecht.“ (Was schert mich ein Menschenrecht).

„Rentner, gebt das Wahlrecht ab“ in der TAZ

Der Artikel der Frau Johanna Roth wird untermauert mit dubiosen Behauptungen über Verkehrstüchtigkeit und der Missgunst gegenüber dem Einkommen der Alten. In Wirklichkeit ist das Einkommen der Alten sehr ungleich verteilt, es gibt Wohlstand und Armut nebeneinander. Die Abnahme der geistigen Fähigkeiten im Alter fürchten wohl alle Menschen. Den einen trifft es früher, den anderen später, oder auch fast gar nicht. Die Altersgrenze ließe sich also nicht einmal vernünftig festlegen. Die Journalistin fordert eine Epistokratie Jugend. Epistokratie kann man mit Herrschaft der Wissenden übersetzen.

Gut, bei diesen Wahlen haben die jungen WählerInnen deutlich mehr die, von Frau Roth bevorzugten, Grünen gewählt. Aber werden die Jungen auch in Zukunft überwiegend das „Richtige“ wählen?

Wäre es da nicht besser einen Wahltest zu machen, um durch geschickt gewählte Fragestellungen, festzustellen, ob der/diejenige in der Lage ist die „richtigen“ politischen Schlussfolgerungen zu ziehen. Noch besser wäre es, den Menschen noch über das Verhalten in den sozialen Medien zu überprüfen. Insbesondere sollte geprüft werden, worüber die politischen Informationen bezogen werden. Hier sollte auch das Kaufverhalten bei Büchern und Zeitungen mit in Betracht gezogen werden. Vorteilhaft wäre zusätzlich die Abschaffung des Bargelds, um alles – auch die Bewegungsprofile – wirklich zuverlässig erfassen zu können.

Die Journalistin beschwert sich zu Recht, das viele junge Menschen in prekären Verhältnissen arbeiten müssen. Sie macht daraus aber keine soziale Frage und stellt eine gewerkschaftliche Forderung – nein, sie macht daraus eine Forderung Jung gegen Alt. Für mich betreibt diese Journalistin eine gezielte und bewusste Spaltung der Generationen. Es erinnert mich sehr an die Spaltung der Alten gegen die langhaarige Jugend in den 68-igern. Hier mit der umgekehrten Stoßrichtung.

Solche Spaltungen sollte man früh wahrnehmen und dagegen angehen.

Vielleicht hängt das überwiegende Wahlverhalten der Alten auch mit den einseitigen Informationen in den Leitmedien zusammen, die gerade für die älteren Menschen die wichtigsten Informationsquellen sind.

Anders als die Journalistin Roth in der TAZ finde ich es schwer die richtige Partei für den einzelnen Wähler zu finden, wenn man z.B. die folgende Anforderungen an die Parteien stellt:

1. Für Umweltschutz und Klima eintreten

2. gegen völkerrechtswidrige Kriege eintreten. (erfüllen auch die Grünen nicht)

3. für mehr soziale Gerechtigkeit eintreten

4. für mehr Demokratie eintreten (z.B. nicht die neuen Polizeigesetze unterstützen)

5. Glaubwürdigkeit der Partei ( Wird sie ihre Versprechen auch befolgen)

Der Artikel „Rentner, gebt das Wahlrecht ab“ in der TAZ

Es gibt tatsächlich Menschen die über Epistokratie, der Herrschaft der Wissenden, erfolgreiche Bücher schreiben (z.B. Jason Brennan). Es war mir bisher nicht bekannt, welche Abgründe sich hier auftun.

Betrachtung des Themas von Wolfgang Bittner:

Friedhofsgemüse

Rentner zugunsten der zukunftswürdigen Jungen entsorgen!

„Rentner gebt das Wahlrecht ab!“, fordert die Leiterin des Ressorts „Unmensch + Indoktrination“ bei der taz. Und den Führerschein sollen diese Kretins mit den eingetrockneten Gehirnen gleich mit abgeben. „Denn für beides gilt: Die Alten gefährden die Jungen. Was wir brauchen, ist eine Epistokratie der Jugend.“

Hatte der griechische Philosoph Platon noch die Ansicht vertreten, ein Staat könne nur unter der Herrschaft von Philosophen gedeihen, herrscht heute bei den Wissenden zwischen vierzehn und dreißig Jahren die Meinung vor, sie seien dazu auserlesen zu regieren und die Welt zu retten. Richtig! Ergreift endlich die Macht!

Dem kann doch jeder Mensch, der diesen Namen verdient und noch im Vollbewusstsein seiner geistigen Kräfte ist, nur anstandslos zustimmen. „Anderer Leben gefährden ist das eine. Das andere: anderer Zukunft gefährden“ – dieser Meinung sind bekanntlich viele junge Menschen. Die Zustimmung für die Olivgrünen, auch bei künftigen Wahlen, könnte auf quasi demokratischem Wege vieles regeln.

Wir alle kennen die Unfallmeldungen: „Seniorin kracht in Schaufenster“, „Rentner fährt in Menschenmenge“. Brettern diese Greisinnen und Greise mit ihren Automatiklimousinen nicht täglich mit 222 Stundenkilometern über die Autobahnen und gefährden damit die künftige Elite der Nation? Bedrohen nicht wenige von ihnen durch ihr unmäßiges Konsumverhalten die Existenz von Millionen? Und was dann, wenn in der Fußgängerzone plötzlich das Gaspedal dort sitzt, wo gerade noch die Handbremse war?

Hätte es nicht einen aus früheren Zeiten herrührenden leichten Beigeschmack, müsste die Forderung eigentlich lauten: Entsorgt die über Sechzigjährigen! Schläfert sie ein, selbstverständlich in humaner Weise, oder konzentriert sie in Lagern mit mäßiger Versorgung, so dass sich die Probleme mit ihnen ganz natürlich von allein lösen.

Wie könnte die junge Generation, geführt von Hoffnungsträgern wie Greta Thunberg, Philipp Amthor oder der jungen, altruistischen taz-Redakteurin dann dastehen? Sie hätte das, was die geistesstarke Redakteurin einfordert: „Auch gerne was von diesem Wohlstand“, mühsam erarbeitet von wem auch immer, den sie sich verständlicherweise erhalten möchte.

Mit einem Schlag gäbe es Millionen Wohnungen für junge Menschen und Geflüchtete; Pflegenotstand sowie die Vergreisung mit den dazugehörenden Krankheiten wie Alzheimer und Parkinson wären kein Thema mehr; Milliarden, die sonst in die Rentenkassen fließen, stünden für die von der US-Regierung geforderte Aufrüstung und gegebenenfalls für einen Krieg gegen Russland zur Verfügung.

Ich frage alle noch nicht hirngeschrumpften Menschen: Ist denn das keine Perspektive, für die es sich zu kämpfen lohnt?

Der Schriftsteller und Publizist Wolfgang Bittner lebt in Göttingen. 2017 erschien von ihm das Buch „Die Eroberung Europas durch die USA – eine Strategie der Destabilisierung, Eskalation und Militarisierung“. Im März 2019 erschien der Roman: „Die Heimat, der Krieg und der Goldene Westen“.

Erstveröffentlichung: NachDenkSeiten, https://www.nachdenkseiten.de/?p=52281

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