Hans Stimmann in ‚Die Welt‘: „Braunschweiger Desaster“

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Schon in den vergangenen Jahren konnte man in Braunschweig dem Hohn und Spott, den man europaweit für die Absurdität des Einkaufsschlosses erntete, dadurch entgehen, dass man die überregionalen Tages- und Wochenzeitungen ignorierte. Lediglich eine kleine, aber dafür von großem Lokalkolorit beseelte Tageszeitung hielt die Braunschweiger Fahne hoch und versuchte, ihren Lesern glaubhaft zu machen, dass da eine große kulturelle Leistung in ihrer Stadt entstanden sei. Da diese „Bürgerzeitung“ aufgrund ihres regionalen Pressemonopols meinungsprägend wirkte und überregionale Zeitungen geflissentlich ignoriert wurden, soll an dieser Stelle ein kleiner Hinweis auf einen neuerlichen Artikel zum Thema in der Zeitung ‚Die Welt‘ vom 30. Januar 2008 erfolgen.

Unter der Überschrift „Wahrzeichen muss man wieder aufbauen“ berichtete der langjährige Berliner Senatsbaudirektor und Staatssekretär für Stadtentwicklung, Hans Stimmann, von einer Internationalen Konferenz von Denkmalpflegern, Kunsthistorikern und Architekten an der ETH Zürich. Vorträge und Diskussionen standen unter dem Leitthema „Das Prinzip Rekonstruktion“. Anstoss für die Konferenz waren die kontroversen deutschen Debatten über die rekonstruierte Dresdener Frauenkirche, die Absicht zum Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses und die Schlossfassadenrekonstruktion vor dem Braunschweiger Shopping-Center. Hans Stimmanns Bericht gerät zu einem Plädoyer für Rekonstruktionen. Dies verwundert nicht weiter, konzipierte er in seiner Berliner Amtszeit unter anderem das ‚Planwerk Innenstadt‘ und setzte sich nachdrücklich für einen kontextuellen Städtebau ein. Diese konservative Haltung hat das Gesicht der Hauptstadt nach der Wiedervereinigung unter dem Terminus technicus der sogenannten „Kritischen Rekonstruktion“ geprägt. Hans Stimmann setzte sich für Bauten ein, die sich am historischen Stadtgrundriss und an der lokalen Bautypologie orientierten: meist in Anlehnung an den Berliner Klassizismus und mit Traufhöhenbeschränkung und Lochfassaden. Trotz seiner städtebaulichen Doktrin, die ihn – vorschnell geurteilt – eigentlich zu einem Befürworter der Braunschweiger „Rekonstruktion“ machen könnte, ist selbst diesem Restaurator par Excellence, der ein Berlin rekonstruierte wie es nie war, der Braunschweiger „Doppelalbtraum einer Schlossrekonstruktions-Shopping-Mall“ (Die ZEIT vom 09.06.2004) einfach zu viel. So nennt er das Braunschweiger Beispiel am Ende seines Berichts schlicht „Braunschweiger Desaster des unverbundenen Nebeneinander“ (Die Welt , Mittwoch, 30. Januar 2008, Seite 29).

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