Glyphosat statt Wildbienen

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Hauptstadt der Wildbienen nur ein PR-Schwindel? Finanzdezernent Geiger auf dem Gifttrip.

Wie am Wochenende aus einem KGSt-Workshop (Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement) der Stadt bekannt wurde, plant die Stadtverwaltung für das Abtöten von Wildpflanzen im Stadtgebiet wieder den Herbizidwirkstoff Glyphosat* anzuwenden. Der Ratsbeschluss aus 2017 gegen Herbizide wie Glyphosat solle aufgehoben werden. Auf Betreiben von Finanzdezernent Geiger (CDU) sollten zunächst die Restbestände der Stadt verbraucht werden. Danach solle das höchst umstrittene Pflanzengift, so lange weiter gekauft und angewendet werden, bis es von höherer Stelle endgültig verboten würde. Damit will die Verwaltung 150.000 € jährlich für Arbeitsplätze bei der Vernichtung von Wildkraut einsparen.

Ausgerechnet der neue Umweltdezernent, Holger Herlitschke, (B90/Die Grünen) musste diese geplante, unpopuläre Giftspritzerei im Stadtgebiet verkünden. Doch damit weiß er auch gleich wer in der Stadt das Sagen hat. Oder anders: „Er weiß nun wo der Hammer hängt.“ Die Haushaltsprüfgesellschaft KGSt empfiehlt die Anwendung von Herbiziden im öffentlichen Grün nicht.

Round Up heisst das Mittel von der Firma Monsanto (heute Bayer) mit dem Wirkstoff Glyphosat.

Dazu meint Sabine Sambou von der BI Baumschutz: „Über 1,3 Millionen Bürger/-innen aus der EU haben für ein Verbot von Glyphosat unterschrieben. Die GroKo will bis 2023 schrittweise aus Glyphosat aussteigen. Die WHO stuft Glyphosat als ‚wahrscheinlich krebserregend‘ ein. In den USA haben Geschädigte den Hersteller Monsanto erfolgreich verklagt. Und solchen Risiken will Herr Geiger uns hier in Braunschweig aussetzen? Geht’s noch?“

Klimaschützer Edmund Schultz ergänzt: „Herr Geiger und seine CDU sollten sich besser darüber Gedanken machen, wie sie die Restbestände des Umweltgiftes unschädlich machen können, ohne damit die Gesundheit von Menschen und Tieren zu gefährden – egal, ob in Braunschweig oder anderswo. Ich finde es außerdem absurd und verschwenderisch, einerseits Millionen Steuergelder für das Prestigeprojekt ‚Wildbienenhauptstadt‘ auszugeben und andererseits mit gefährlichen Pestiziden Wildkräuter zu vernichten, die Insekten wie Wildbienen und andere Tiere so dringend zum Überleben brauchen!“

*Glyphosat ist der Wirkstoff eines Unkrautvernichters (Herbizid), den die International Agency for Research on Cancer (IARC), eine Unterorganisation der WHO, als „wahrscheinlich krebsverursachend für Menschen“ (Probably carcinogenic to humans) eingestuft hat.

2 KOMMENTARE

  1. Braunschweig ist die Marketinghauptstadt der Welt, alles nur heiße Luft.

    Vor ein bis zwei Wochen kam im TV ein kurzer Bericht über eine andere Stadt, welche schon seit xx-zig Jahren Blühstreifen anlegt und vorbildlichen Bienenschutz betreibt. Dummerweise hab ich mir nicht gemerkt, welche Stadt das war und bei der Suche im Internet findet man nur eine uns allen sehr bekannte Stadt, welche private Schottergärten verbietet, aber selbst Schottergärten anlegt.

    Leider muss ich sagen, dass auch die BI Baumschutz oft zu spät kommt, wenn die Bäume schon weg sind oder Planungen und Absprachen für Viewegs-Garten schon voll im Laufen sind. Beim „Tag des Baumes“ in Viewegs-Garten vor ein paar Jahren war schon zeitgleich im Hauptbahnhof ein Ideenwettbewerb ausgestellt und ganz viele Hochhäuser in und um Viewegsgarten gezeigt. Von der BI Baumschutz hat man noch gar nichts gehört, ich musste Frau Sambou schon darauf hinweisen und man hörte weiter nichts mehr von den Baumschützern.
    Aber wenn ein paar bruchgefährdete Pappeln am Bahndamm wegen der durchaus sinnvollen Verbreiterung des unattraktiven Südausgangs am Bahnhof fallen, schreit Herr Schultz auf.

    Zu den Elefantengras-Labyrinten im Westpark und am Pseudo-Ringgleisweg beim Mastbruch sagt die BI auch nichts. So wie das zur Zeit aussieht, wird das wieder mal ein Rohrkrepierer von der Stadt, in Pressemitteiliungen große Töne spucken, von den nicht gerade ortsüblichen Planzen sieht man gerade nicht viel. Na immerhin kann man neben dem Pseudo-RG-Weg nun u.a. Kamille, Klatschmohn und Korblumen sehen und riechen. Wäre es nicht viel besser so ein Feld mal sich selber zu überlassen, damit man die Kamille ganz intensiv riechen kann, statt irgendwelche Pflanzen aus China als „Attraktion“ zu bewerben?

    Und wo wir beim Insektenschutz sind, das BS-Forum in Form von AK Ringgleis und Co, fordert ja mehr Beleuchtung am RG. Außerdem noch Beleuchtung am geplanten Radschnellweg. Das hätte mehr unnötige Lichtverschmutzung zur Folge und somit u.a. eine Verirrung der Nachtfalter und anderer Tiere an diese unnatürlichen Lichtquellen. Mehr Straßenbeleuchtung ist somit kontraproduktiv zu Umweltschutz und kostet auch immer mehr Energie. Fahrräder sollen ja sowieso eine eigentständige Beleuchtung haben (StVZO §67).
    Ich kann nur sagen, dass man bei Spaziergängen auf unbeleuchteten Wegen nachts viel mehr vom Himmel seht – im übrigen zur Zeit den Kometen „Neowise“ am nordöstlichen Sternenhimmel – .

  2. Als Antwort auf „Holzweg“: In der BI Baumschutz freuen wir uns immer über Menschen, die sich mit guten Ideen aktiv einbringen, denn wie „Holzweg“ feststellt, „brennt“ es tatsächlich an allen Ecken und Enden. Viele engagierte Menschen sind notwendig, um sich überall einzumischen, wo es in Bezug auf Stadtgrün und Bäume dringend notwendig ist. Insofern freuen wir uns über aktive Unterstützung von dir, „Holzweg“, was ja sicherlich auch konstruktiver wäre als persönlich gemünzte anonyme Anschuldigungen. Treffen sind zur Zeit nur per Videokonferenz möglich, aber eine Kontaktaufnahme über unsere Internetseite klappt sicher.
    In Bezug auf Viewegs Garten aber doch noch die Richtigstellung, dass dieses Thema uns seit mehreren Jahren beschäftigt. Wir haben uns dazu auch im Netz, an unseren Infoständen und in Erklärungen geäußert und gefordert: „Hände weg von Viewegs Garten“ – und zwar schon deutlich vor dem Tag des Baumes, der aus gutem Grund genau dort stattfand.

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