Gewässerschutz: zu hohe Nitratbelastung im Raum Peine – Braunschweig

0
Matthias Ahlbrecht vom VSR-Gewaesserschutz beraet eine Brunnenbesitzerin am Informationsstand. Foto: VSR-Gewässerschutz

Von Harald Gülzow, VSR-Gewässerschutz e.V.

VSR-Gewässerschutz stellt hohe Nitratbelastung im Raum Peine – Braunschweig fest:

Weizenanbau muss nachhaltiger werden!

Viele Bürger kamen am 15. und 17. August an die Informationsstände der gemeinnützigen Organisation VSR-Gewässerschutz in Braunschweig und Peine, um ihr Brunnenwasser untersuchen zu lassen. Es waren zahlreiche Brunnenbesitzer dabei, die wissen wollten, ob sie im Notfall das Wasser auch zum Trinken nutzen können. „Gerade für Familien mit Säuglingen und Kleinkindern ist es wichtig, dass das Wasser keine höhere Nitratbelastung von 50 mg/l aufweist“, so Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz. Sie erklärt: „Wenn Babynahrung aus Wasser mit hohen Nitratkonzentrationen zubereitet wird, kann es bei Säuglingen zur Blausucht kommen. Dies ist eine Unterversorgung des Blutes mit Sauerstoff und kann für Kleinkinder lebensbedrohlich sein.“ Leider musste fast jeder vierte Brunnenbesitzer erfahren, dass der Nitratgrenzwert der Trinkwasserverordnung überschritten ist.

Insgesamt wurde das Wasser von 147 privat genutzten Brunnen aus dem Raum Schwülper – Braunschweig – Wolfenbüttel – Lengede – Peine – Wendeburg – Vechelde analysiert. Dipl.-Phys. Harald Gülzow und Dr. Matthias Ahlbrecht fanden bei den Untersuchungen 118 Milligramm Nitrat pro Liter in einem privat genutzten Brunnen in der Schuntersieldung. Weitere mit Nitraten stark verschmutzte Brunnen stellten die Umweltschützer in Wendhausen mit 95 Milligramm pro Liter (mg/l), in Watenbüttel mit 116 mg/l, in Walle mit 109 mg/l, in Neubrück mit 113 mg/l, in Wendeburg mit 104 mg/l, in Bortfeld mit 100 mg/l und in Groß Ilsede mit 107 mg/l fest.

Hier sind weitere Messergebnisse aus dem Kreis Peine und aus Braunschweig dokumentiert.

Der gemeinnützige Verein setzt sich bereits seit vielen Jahren für den Schutz des Grundwassers ein. Die Mitglieder werten nicht nur die Ergebnisse der Nitratmessungen des Brunnenwassers aus, sondern auch die regionalen landwirtschaftlichen Daten. Anhand dieser Recherchen können die Umweltschützer erkennen, welche landwirtschaftliche Nutzung besonders zur Nitratbelastung beiträgt. Auf ihrer Homepage sind die aktuellen Auswertungen veröffentlicht.

Bei ihrer Recherchearbeit fiel den Gewässer-Experten auf, dass gerade in den Kreisen, in denen viel Weizen angebaut wird, auch eine höhere Nitratbelastung vorliegt. Im Kreis Peine macht der Weizenanbau bereits 31 % der Ackerflächen aus. In Braunschweig sind es sogar 40 %. Der Weizen ist eine der wichtigsten Nahrungsnutzpflanzen der Welt. Durch eine zusätzliche späte Düngung des Weizens wird ein besonders hoher Eiweißgehalt des Getreides erreicht – heutzutage immer noch ein Qualitätsmerkmal für besonders gute Backeigenschaften. Der Dünger wird häufig nicht mehr vollständig von den Pflanzen aufgenommen und die überschüssigen Nitrate werden dann ins Grundwasser ausgewaschen.

Der VSR-Gewässerschutz fordert, dass diese Nitratauswaschung von den Weizenfeldern vermieden werden muss. „Der Eiweißgehalt wird fälschlicherweise immer noch ausschließlich als Qualitätskriterium für die Verwendung als Backweizen angesehen. Das kritisieren bereits zahlreiche Wissenschaftler. Dabei ist schon lange bekannt, dass auch hervorragende Brote mit weniger Eiweiß gebacken werden können“, so Susanne Bareiß-Gülzow. Auch dass Bio-Bäcker aus Weizen, der nie mit Kunstdünger in Kontakt gekommen ist, hervorragendes, schmackhaftes Brot backen, sollte sich inzwischen herumgesprochen haben (red).

Ein sehr hoher Anteil des angebauten Backweizens landet heutzutage in den Futtertrögen, weil er aufgrund zu niedriger Proteinwerte nicht diesen Qualitätsanforderungen entspricht. „Der hier angebaute Weizen sollte der Brotherstellung dienen und zur Ernährungssicherheit beitragen“, bemerkt Susanne Bareiß-Gülzow. Es ist fatal, dass sich weltweit der hohe Eiweißgehalt des Weizens etabliert hat. Der VSR-Gewässerschutz fordert ein Umdenken des Handels: Die Anforderungen an Backweizen müssen umfangreicher bewertet werden – ein hoher Proteinwert ist nicht allein ausschlaggebend für die gute Backeigenschaft des Getreides.

Es muss dringend verhindert werden, dass die Trinkwasservorräte durch den Weizenanbau weiterhin mit Nitraten belastet werden.

Das dies gelingen kann, zeigt ein Vorzeigeprojekt aus Bayern. Hier verzichten bereits einige Landwirte auf die Spätdüngung des Weizens. Das Getreide weist dann zwar tatsächlich einen geringeren Eiweißgehalt auf, dennoch entsteht daraus ein hervorragendes Brot. In der Initiative Wasserschutz-Brot haben sich Landwirte, Müller, Bäcker und Wasserversorger zusammengeschlossen mit dem gemeinsamen Ziel, das Trinkwasser vor Belastungen zu schützen. Bei den Kunden sind die Backwaren sehr beliebt und einige Bäckereibetriebe haben sogar vom Deutschen Brotinstitut Auszeichnungen für das Wasserschutz-Brot erhalten. Umso unverständlicher, dass dieses erfolgreiche Projekt in Bayern bisher noch keine Nachahmer in anderen Bundesländern gefunden hat. Der VSR-Gewässerschutz fordert auch andere Bundesländer und Regionen Deutschlands auf, sich diesem Modell anzuschließen und mit vergleichbaren Projekten am Schutz der Grundwasservorräte vor Belastungen aus der Landwirtschaft zu beteiligen.

Durch Brunnenwasseruntersuchungen erkennen die Mitglieder vom VSR-Gewässerschutz Belastungen des Grundwassers möglichst frühzeitig und umfassend. Gefährdung von Menschen durch die Nutzung von Grundwasser kann so verhindert werden. Mit ihren Messkampagnen treibt die gemeinnützige Umweltschutzorganisation umweltpolitische Maßnahmen voran.

Der VSR-Gewässerschutz zeigt, dass die bisherigen politischen Maßnahmen nicht ausreichen, um die Trinkwasserressourcen für weitere Generationen zu sichern.

Möchten Sie den Artikel kommentieren

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.