Erneut Morddrohung in Braunschweig: „Wir töten dich! Janzen“

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"Wir töten dich! Janzen" an die Wohnungstür geschmiert. Foto: David Janzen

Neonazis haben erneut Morddrohungen gegen den Sprecher des Bündnis gegen Rechts ausgesprochen: An die Eingangstür des Mehrfamilienhauses in Braunschweig, in dem er mit seiner Familie wohnt, wurden in der Nacht von Samstag auf Sonntag Aufkleber der neonazistischen ‚Kampf- und Sportgemeinschaft Adrenalin Braunschweig‘ geklebt. Dazu wurde in schwarzer Schreibschrift „Wir töten dich! Janzen“ geschrieben.

Erst vor wenigen Tagen hatte ein Neonazi der Gruppe im Sozialen Netzwerk Instagram den im Mordfall am Kasseler Regierungspräsidenten festgenommenen Neonazi als „Bruder in Haft“ bezeichnet und ein weiterer drohte in einem Video: „Heute Walter, morgen Janzen!“. Nachdem die Morddrohung in den Medien und auch im niedersächsischen Landtag auf Antrag der Grünen Landtagsfraktion thematisiert wurden, gab die Gruppe ihre Selbstauflösung bekannt (Übersicht zu den Veröffentlichungen in den Medien: http://buendnisgegenrechts.net/2019/06/21/drohungen-gegen-den-sprecher-des-buendnis-gegen-rechts/)


David Janzen zu der erneuten Morddrohung:

„Heute morgen war an die Eingangstür des Mehrfamilienhauses in dem ich mit meiner Familie wohne, Aufkleber der Nazigruppe ‚Adrenalin Braunschweig‘ geklebt, dazu stand auf der Tür: ‚Wir töten dich Janzen‘. Die Neonazis machen also weiter wie bisher. Und die Behörden sind offensichtlich nicht in der Lage deren andauernden Bedrohungen gegen mich und andere zu beenden. Auch die Beamten, die heute morgen die Schmierereien aufgenommen haben, schienen diese zunächst nicht besonders ernst zu nehmen. Sie haben lediglich ein Foto gemacht und waren schnell wieder weg ohne Spuren zu sichern. Erst Stunden später kam dann die Polizei erneut vorbei, um dann doch noch Spuren zu sichern und mögliche Zeuginnen und Zeugen zu befragen, da hatten wir die Aufkleber und die Schmierereien allerdings bereits entfernt. Ich habe nach den Drohungen in den letzten Tage von vielen Menschen große Solidarität und Zuspruch erfahren und möchte mich dafür bedanken! Dass bestärkt mich darin, mich nicht einschüchtern zu lassen, mich weiter antifaschistisch zu engagieren und zu rechten Aktivitäten, Strukturen und Netzwerke zu recherchieren und diese aufzudecken.“

Aus Anlass des Mordes an Walter Lübcke ruft das Bündnis gegen Rechts am Freitag, den 5. Juli um 16.30 Uhr auf dem Kohlmarkt in Braunschweig zu einer Demonstration unter dem Motto „Wir gemeinsam gegen rechten Terror“ auf.

Dort werden auch die anhaltenden Drohungen und das aggressive und gewalttätige Auftreten von Neonazis in Braunschweig thematisiert. Das Bündnis kritisiert im Aufruf auch Polizei, Staatsanwaltschaft und Justiz:

„Auch wenn Braunschweig insgesamt eine eher kleine, überschaubare rechte Szene hat, sind die Neonazis hier sehr aktiv und fallen durch besonders provokatives und aggressives Auftreten auf. Die kaum mehr als eine handvoll Mitglieder von ‚Adrenalin‘ trainieren regelmäßig Kampfsport und bedrohen im Netz und auf der Straße Menschen, die sie als ihre politischen Gegner*innen ansehen. Gezielt versuchen sie insbesondere junge Menschen die sich antifaschistisch engagieren einzuschüchtern. Trotz dutzender Anzeigen und Ermittlungsverfahren wegen u.a. Volksverhetzung, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch, Nötigung und Körperverletzung, trotz inzwischen auch bundesweiter Medienaufmerksamkeit auf die Gruppe, die z.B. auch an Ausschreitungen bei einer AfD-Demonstration in Chemnitz beteiligt war, können die Neonazis hier in Braunschweig nun schon seit mehreren Jahren offen ihre Drohungen verbreiten und immer wieder Menschen angreifen und verletzen. Dazu kommt eine große Dunkelziffer: Viele Betroffene stellen gar keine Anzeige, weil sie Angst haben, dass dann die Neonazis an ihre Adresse kommen und weil sie kein Vertrauen in die Behörden haben. Denn selbst nachdem einer der Nazis, der bereits wegen eines brutalen Angriffs auf Schüler eines Braunschweiger Gymnasiums unter Bewährung stand, wieder einmal zuschlug, erhielt er wegen „guter Sozialprognose“ eine Haftstrafe, die erneut zur Bewährung ausgesetzt wurde. Feixend verließen der Neonazis und seine Kumpanen den Gerichtssaal und drohten anschließend im Netz: ‚Bald werden an den Straßen die Bäume voll mit hängenden Verrätern stehen.‘ Fakt ist: Bisher sind weder die Braunschweiger Polizei, noch Staatsanwaltschaft noch Gerichte in der Lage, die Serie rechter Schmierereien, die anhaltenden Bedrohungen und Gewalttaten dieser Neonazis in Braunschweig wirksam zu bekämpfen und zu beenden.“ Den Aufruf und weitere Infos dazu gibt es auf unserer Homepage: http://buendnisgegenrechts.net

2 KOMMENTARE

  1. Die Polizei verhält sich ein meinen Augen ziemlich seltsam und dilletantisch in Anbetracht der Brisanz der Bedrohung. Ist das evtl. Strafvereitelung im Amt durch unterlassene Beweissicherung am Tatort? Herr Janzen wäre m.E. vielleicht gut beraten eine Dienstaufsichtsbeschwerde oder sowas einzulegen oder dies gleich dem niedersächischen Innenministerium zu melden. Hätten an dem Aufkleber die Fingerabdrücke von einem der bekannten Neonazis gehaftet, wäre der dann sicherlich ganz schnell in U-Haft genommen worden oder das Oberstübchen durchgeleuchtet. Aber so lachen die Täter sich noch eins drüber.
    Was muss hier eigentlich noch alles passieren?
    Herr Janzen hat mein volles Mitgefühl, ich weiß auch was Angst ist, wenn man von Dritten bedroht und verfolgt wird, zudem genau weiß,´wer das macht und die Polizei nicht tätig wird.
    Warum muss ich eigentlich gerade an den Maler Max Liebermann denken….? „Ick kann jar nich soville fressen, wie ick ko**** möchte“ – beim Betrachten des Fackelzugs zu Adolf Hitlers Machtübernahme am 30. Januar 1933; zitiert nach Bernd Küster: Max Liebermann – ein Malerleben. Hamburg: Ellert & Richter 1988, S. 216.

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