Die Waldbewirtschaftung im Plenterprinzip

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Gerald Klamer am 18. Oktober 2021 im Naturwald Rieseberg bei Königslutter am Elm. Foto: Karl-Friedrich Weber

Waldbrief Nr. 50 vom 23.10.2021

Es gibt keinen vernünftigen Grund zu warten, bis sich ganz oben der Durchblick auftut. Die Idee des Plenterprinzips ist immer noch umstritten, wird aber die Waldbehandlungsmethode der Zukunft sein – schonend für den Wald und freundlich für den Menschen. Möge ihr wahrer Wert zur Rettung unseres Waldes bald erkannt werden.

(Heinrich Reiniger, 2006)

Mit den Waldbriefen habe ich den Versuch gewagt, eine breite Leserschaft zu erreichen, der einem Spagat gleichkommt. Sie sollen allgemeines Interesse bewirken, aber auch fachspezifisches für Verantwortungsträger in Politik und Gesellschaft in konzentrierter Form verfügbar machen. Menschen mit unterschiedlichen Vorstellungen, Kenntnissen, Intuitionen und Interessen für die Wälder als Naturgüter zu gewinnen, bedarf einer Verwendung von Begriffen und Bildern, deren Bedeutung im allgemeinen Sprachgebrauch verstanden werden. Ihr falscher Gebrauch kann jedoch auch zum Einfallstor von Indoktrination und, wenn dieser gegen bessere Erkenntnis bewusst geschieht, zur Lüge werden.

Eine als Waldwahrheit getarnte Waldlüge zu erkennen, ist nicht immer leicht. Was wahr und was unwahr ist, bezieht sich zumeist auf ein definiertes Ziel oder eine ethisch-moralische Leitvorstellung. Wer ein bestimmtes Interesse verfolgt, weiß das. Deshalb müssen auch die Waldentwicklungsziele unbestimmt bleiben, um sich einen möglichst großen Auslegungs- und Interpretationsspielraum zu bewahren. Der Nachhaltigkeitsbegriff ist längst zu einem Opfer dieser Haltung geworden. Eine waldgesetzlich normierte gute fachliche Praxis in der Forstwirtschaft wurde und wird bis heute von einem Interessenkartell verhindert, das sich hinter dem nebelhaften Begriff naturnaher Waldnutzung vor politischer Analyse sicher fühlt.

Nur so wird es möglich, dass, von der Politik unisono akzeptiert und bewilligt, ein Füllhorn von über 1,5 Milliarden EURO öffentlicher Gelder als gemeinnützig deklarierte Subvention ausgeschüttet wird – ohne zu präzisieren, wofür. Es genügen der Begriff eines zu bauenden Mischwaldes und der Hinweis auf Klimafolgen als Begründung.

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