Die Macht der Bilder im

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(Antwort an Karl Eckhardt) Deine Ausführungen zeigen, dass Du die Macht der Bilder und damit die „Mainstreambildung“ sehr unterschätzt. Natürlich beeinflussen die gezeigten Bilder die Bevölkerung. Das ist Ziel einer jeden Werbung. Dadurch werden bestimmte Figuren, Stile, Moden etc. transportiert.

Das Bild im gezeigten Vierklang: Beine, Rosa, Kleid, Stöckelschuh repräsentiert ein Klischee. Natürlich gibt es Frauen, die sich genau so und gern kleiden und repräsentieren. Aber es geht doch gerade darum, Klischees aufzubrechen und die von Dir ebenfalls eingeforderte Vielfalt darzustellen! Denn es gibt viele Frauen, die sich genau so nicht präsentieren wollen oder können.

Ich möchte als Schwuchtel auch nicht auf: stilvoll gekleidet, chice Wohnung, teures Mobiliar und gutes Essen degradiert werden. Natürlich gibt es homosexuelle Menschen, die so leben und leben wollen. Ich möchte als Mann auch nicht auf: Businessanzug, großes Auto, dicke Brieftasche und Mobiltelefon reduziert werden.

Diese Bilder sind mir zu einseitig! Im Rahmen einer öffentlichen Werbung schon gar nicht!
Beide wären für den Flyer genauso ungeeignet.

Ich kann es nur wiederholen: Ich möchte öffentliche Gelder dafür verwendet sehen, die Vielfalt der Gesellschaft zu repräsentieren! Das erfolgt mit diesem Bild nicht! Das Bild ist zur Werbung für die Einkaufstadt Braunschweig damit völlig ungeeignet.

Ich habe mit keiner Silbe behauptet, dass das Bild herabwürdigend ist! Ich habe auch mit keiner Silbe geschrieben, dass Gleichstellung Gleichmachung bedeutet. Eher im Gegenteil: ich fordere die Differenzierung nicht nur zwischen den Geschlechtern sondern auch innerhalb der Geschlechter ein.

Gleichstellung gehört genau hier hin: in einen reflektierten und sensiblen Umgang in der öffentlichen Darstellung. Nur so wird die Theorie langsam in der Praxis ankommen.


 

(Antwort an Michael Walther)
Ich denke nicht, das es Ziel klassischer Werbung ist, Klischees aufzubrechen. Gängige Kunsttheorien sind durchaus der Meinung, dass das Ziel von Kunst sein kann – und es ist vor allem auch Ziel von Aufklärung, Klischees aufzubrechen.

Jedes Foto reduziert auf doppelte Art:
a) zeitlich – es zeigt immer nur einen Moment,
b) räumlich – es zeigt immer nur einen Ausschnitt der Welt

Keine Frau ist aber doch deshalb „reduziert“ auf das Einkaufen, wenn man sie beim Einkaufen zeigt, oder reduziert auf das Anziehen, wenn sie beim Anziehen gezeigt wird. Ein Mann ist kann doch auch kaum auf „Biertrinken“ reduziert werden, wenn Bierwerbung ihn beim Biertrinken zeigt. Diese Unterstellung ist ein Klischee der Kritik, und zwar eines, was mit der Realität auch nicht viel zu tun hat.

Die Werbung erzeugt auch kaum Normen oder Idealbilder – in der Regel nimmt sie bestehende Idealbilder auf (Es ist die Politik, die verkündet: Leibesfülle ist eine Krankheit!), sie bestätigt und verstärkt diese Idealbilder dadurch allerdings durchaus. Das ist aber nicht Ziel von Werbung, wie Du schreibst, sondern Mittel dafür, um ein Produkt zu verkaufen. Unterschwellig wird suggeriert, dass Teilhabe an der ins Bild gebrachten Idealität möglich ist durch den Kauf und Vereinnahmung eines gewissen Produktes. So funktioniert Werbung. Mit Macht des Bildes auf einem Einkaufsführer soll zum Einkaufen animiert werden. Es ist Werbung, es geht nicht um Aufklärung oder gar um ein Aufbrechen von Klischees: „auch Männer können sich Klamotten kaufen, wenn sie nicht zu blöd sind, und wenn sie wollen, dann können sie sich auch rosa Kleidung kaufen, nicht immer nur die hellblaue fürs Bübchen, …“

Die gezeigte Werbung finde ich nicht schlimm, aber generell akzeptiere ich, dass man diskutieren und auch fordern kann, dass öffentliche Einrichtungen keine Werbung im klassischen Sinne betreiben sollten, dass sie sich ausschließlich auf Aufklärung beschränken sollten. Das scheint mir diskutabel.

Ich denke, es muss aber auch nicht immer gezeigt werden, dass es in Braunschweig alles gibt: Alte, Junge, Frauen, Männer, Weiße, Schwarze, Asiaten, Abkömmlinge amerikanischer Ureinwohner, Christen, Muslime, Juden, Heterosexuelle, Homosexuelle … Das ist mir dann auch eine reduzierte Weltsicht. Auch Ausschnitte und Momente des städtischen Lebens müssen gezeigt werden dürfen – warum nicht auch das Einkaufen? Und warum müssen dann gleich alle beim Einkaufen gezeigt werden: Alte, Junge, Frauen, Männer … Ich denke, auch Ausschnitte und Momentaufnahmen müssen erlaubt sein. Vielfalt ist auch nur ein Wert unter anderen, nicht der einzige, Konzentration (emotionaler Ausschnitt) und Abstraktion (intellektueller Ausschnitt) sind auch Werte, die zum Reichtum menschlichen Lebens gehören.

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