Das Damals verstehen – im Heute handeln

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Von Falken Braunschweig

Pressemitteilung zur Gedenkveranstaltung an der Schillstraße am 27. 1.2020

Für uns als Sozialistische Jugend – Die Falken – ist Erinnerungsarbeit und Gedenken ein zentraler Baustein unseres Selbstverständnisses und Bildungsarbeit. Nach der Befreiung vom Naziregime 1945 waren die Falken mit eine der ersten Organisationen, die Fahrten zu KZ-Gedenkstätten durchführten und fortlaufend an der Aufarbeitung mitwirkten. Daher ist es für uns auch selbstverständlich an den Gedenkveranstaltungen in Braunschweig teilzunehmen.

Wir verstehen Gedenken nicht als einen historisch abgeschlossenen Prozess, sondern meinen, dass daraus eine kontinuierliche Verantwortung erwächst, nämlich die eines „Nie wieder“. Aus dieser Verantwortung ergibt sich für uns auch die klare Aufgabe, nicht nur feierlich still und leise zu Erinnern, sondern zu handeln, wenn es notwendig wird.

Heute ist es genau dazu gekommen.

Zum wiederholten Male versuchten Vertreter der AfD an der Veranstaltung an der Gedenkstätte Schillstraße teilzunehmen. Das wollen und werden wir Falken nicht stillschweigend hinnehmen, denn von der AfD kommen immer wieder Parolen und Forderungen von Ausgrenzung, sowie rassistische und antisemitische Diffamierungen. Erst in der letzten Woche trat W. Gedeon, AfDler im Landtag Baden-Würtemberg, in Berlin vor der NPD und Nazis in „Combat18“ Kleidung auf (1). Gedeon äußert sich seit Jahren antisemitisch (2). Vielen bekannt sind auch die Aussagen von AfD Politikern, wie Höckes Rede zum Holocaust Mahnmal (3) und Gaulands Relativierung des Nationalsozialismus (4). Das sind nur einige Beispiele von vielen (5).

Zu alle dem wird aber auch insgesamt eine zunehmende Kritiklosigkeit der Teilnahme der AfD an solchen und ähnlichen Veranstaltungen deutlich. So auch heute in Braunschweig.

Besonders erschüttert hat uns die Einstellung verschiedener Teilnehmer/-innen an der Gedenkfeier, denen das stille Gedenken wichtiger erscheint als die Problematisierung der Teilnahme der rassistischen AfD. Stattdessen wurde der antifaschistische Protest gegen die AfD als Störung bezeichnet.

Das muss allerdings nicht so sein. Der Geschäftsführer der Stiftung Niedersächsischer Gedenkstätten, Dr. Wagner, hat sich wiederholt klar gegenüber der AfD positioniert (6). Auch die Gedenkstätte Buchenwald äußert sich und erteilte der AfD Hausverbot für den 27.1. (7).

Wir sagen: Solange sich die Angst vor der eigenen sozialen Unsicherheit in rechten Stammtischparolen und rechter Gewalt äußert, solange mit rassistischer Stimmungsmache Wahlen gewonnen werden, solange sich die Festung Europa von der Welt abschottet – und genau so äußert sich die AfD – solange bleibt antifaschistisches Handeln notwendig!

Wir schließen uns dem offenen Brief des Bündnis gegen Rechts an : Mit der AfD kann kein würdiges Gedenken stattfinden (8).

Wir Falken bleiben laut gegen Rechts!

(1) https://www.tagesspiegel.de/berlin/rechtsextremer-elitenzirkel-im-berliner-suedwesten-extremisten-und-konservative-treffen-sich-zu-dienstagsgespraech/25397862.html

(2) https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/antisemitische-thesen-von-afd-abgeordneten-gedeon-14268327.html

(3) https://www.stern.de/politik/deutschland/bjoern-hoecke-und-seine-brandrede—das-ist-eine-richtige-rechte-bruehe–7287788.html

(4) https://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-09/afd-alexander-gauland-nazi-zeit-neubewertung

(5) https://www.facebook.com/wirwerdensiejagen/

(6) https://www.stiftung-ng.de/fileadmin/dateien/Stiftung/Aktuell/Stellungnahme_Wagner_zur_AfD_im_SR_12_Februar_2018.pdf

(7) https://www.mdr.de/thueringen/mitte-west-thueringen/weimar/buchenwald-gedenken-afd-100.html

(8) https://buendnisgegenrechts.net/2020/01/22/kein-gedenken-mit-der-afd/#more-4165

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