Das Braunschweiger Heizkraftwerk will 2035 klimaneutral sein!

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Heizkraftwerk Mitte. Foto: BS-Energy

Auf seiner Webseite stellt BS-Energy aktuell sein strategisches Ziel für die Zukunft vor: Klimaneutralität 2035! Das ist eine gute Nachricht, denn sie passt zu den Forderungen von Wissenschaftlern und Fridays for Future (Deutschland), die die gleiche Zielvorgabe gesetzt haben und ist deutlich ambitionierter als das Ziel der Bundesregierung Klimaneutralität 2050 zu erreichen. Damit wird BS-Energy zum Vorreiter und auch Taktgeber für das Klimaschutzkonzept 2.0, das derzeit in der Stadt Braunschweig entwickelt wird. Wie aber soll dieser Plan umgesetzt werden? In diesem Artikel werden die Komponenten der Zukunftsstrategie dargestellt, kommentiert und mit Erwartungen verknüpft.

· Das Biomasse-Heizkraftwerk soll mit Verbrennung von Altholz betrieben werden. Die damit freigesetzte Energie gilt als regenerativ, und das emittierte CO2 erscheint nicht in den Bilanzen. Es wird davon ausgegangen, dass die gefällten Bäume nachgepflanzt werden und das emittierte CO2 wieder aufnehmen. Wobei es nötig wäre, für jeden großen Baum mehrere nachzupflanzen, denn es muss ja nicht die Zahl, sondern die Funktion des gefällten Baumes ersetzt werden, und dazu reicht nicht ein neues Bäumchen. Der angemessene Baumersatz liegt aber im Verantwortungsbereich der Forstwirtschaft, nicht in dem des Heizkraftwerkes. – Mehrere Fragen werden in Zusammenhang mit dieser Anlage diskutiert.

1. Ist eine Holzverbrennung überhaupt sinnvoll? Sie setzt doch CO2 frei! Die Altholzverordnung von 2002 legt fest, dass Altholz, das nicht stofflich verwertet werden kann, verbrannt werden muss. Da die Verwertung der stark belasteten Althölzer mit den Kategorien III und IV nur begrenzt möglich ist, fallen diese zur Verbrennung an. Wenn verbrannt werden muss, dann ist mit der Kraft-Wärme-Kopplung eine Nutzung der Abwärme als Fernwärme sinnvoll. Auch wenn die CO2-Emissionen aus der Holzverbrennung nicht in die Berechnungen einfließen, ist dennoch ein Bericht an die Bürger über die jährlichen Mengen interessant. Diese erscheinen dann als eine Herausforderung an die Stadt, für Neupflanzungen von Bäumen zu sorgen.

2. Die Nutzung von großen Abwärmemengen aus Kraftwerken ist in Städten mit einem Fernwärmenetz möglich. Hier findet sich ein weiterer kritischer Punkt: Besteht im städtischen Bereich Unbedenklichkeit hinsichtlich giftiger Substanzen in den Abgasen der Holzverbrennung wie Dioxin, Quecksilber, Formaldehyd? Mit der Umweltverträglichkeitsprüfung wurde die Unbedenklichkeit festgestellt, die Grenzwerte für diese Substanzen werden deutlich unterschritten. Zu Dioxin wird sich das Gewerbeaufsichtsamt noch äußern, weil mit einer Einwendung gegen die 1. Teilgenehmigung eine zusätzliche genaue Prüfung für diese Substanz gefordert wurde. Die Stellungnahme des Amtes bleibt abzuwarten. Wenn auch das Amt die Unbedenklichkeit bestätigt, wäre gegen den Betrieb im Stadtbereich nichts einzuwenden. Jedoch sollten den Bürgern bei laufender Anlage regelmäßig zusammenfassende Berichte über die gemessenen Abgaswerte zur Verfügung gestellt werden.

3. Frischholz zu verwenden ist enorm klimaschädlich, das weiß auch BS-Energy. Warum wird dann die Verfeuerung von Frischholz nicht komplett ausgeschlossen, warum heißt es in der Projektbeschreibung, es wird zusätzlich zu Landschaftspflegeholz „im Wesentlichen“ auf Altholz zurückgegriffen (https://www.bs-energy.de/privatkunden/unternehmen/erzeugung-der-zukunft/faqs)? BS-Energy hält sich damit die Möglichkeit offen Frischholz zu verbrennen. Die Firma sollte im Sinne des Klimaschutzes eine klare Linie zeigen und eindeutig auf Frischholz verzichten! Das gleiche gilt für Waldrestholz, also Stubben und Kronen. Diese verbleiben am besten im Wald und verrotten dort allmählich, sie sind CO2-Speicher.

Forderungen:

– regelmäßig zusammenfassende Berichte für die Bürger über die gemessenen Abgaswerte und die jährlich emittierten CO2-Mengen aus der Holzverbrennung

– eindeutiger Verzicht auf Verbrennung von Frischholz und Waldrestholz

· Das neue Gasturbinen-HKW und die alte Gas- und Dampfturbinen-Anlage werden nach abgeschlossenem Umbau jährlich etwa 200 000 t CO2 freisetzen, jeweils zu 50%. Bis 2030 kann ohne große technische Veränderungen der Anteil des Verbrennungsgases beim neuen Gasturbinen-HKW auf regenerativen Wasserstoff (hergestellt durch Elektrolyse, die durch Sonnenstrom betrieben wird) umgestellt werden, so dass sich dadurch die CO2-Menge um 25% reduzieren ließe. Abgesehen vom beigemischtem Wasserstoff soll aber weiter Methan verbrannt werden. Der Trick bei BS-Energy ist nun, dass das restliche Methan „grün“ sein soll. Was ist damit gemeint? Regenerativer Wasserstoff und Kohlendioxid werden durch einen thermochemischen Prozess in Methan umgewandelt. Dieses Methan kann dann wiederum im Heizkraftwerk verbrannt werden, wobei natürlich wieder CO2 entsteht. Die Frage ist dabei, woher das CO2 für die Methanherstellung kommt. Ist die Quelle Umgebungsluft, so könnte das entstandene Methan tatsächlich „grün“ genannt werden. Ist die Quelle des CO2 für die Methansynthese jedoch ein Industriebetrieb, der seinen CO2-Müll an BS-Energy abgibt, wäre das nun entstandene Methan nicht „grün“. Das jetzt bei der Verbrennung freigesetzte Kohlendioxid wäre nur eine Verschiebung der Emissionen des Industriebetriebs.

Derzeit sucht BS-Energy nach regionalen Partnern, mit denen zusammen das auf „grünen Gasen“ beruhende Zukunftskonzept weiter vorangetrieben werden kann. Die neue Initiative „H2Mehrum“, zu der auch BS-Energy gehört, soll die Möglichkeit der Wasserstoffsynthese in Mehrum ausloten, dem Standort des Kraftwerks, in dem aktuell noch Steinkohle verbrannt wird (BZ 19.10.2020).

Forderung:

– das CO2 für die Methansynthese darf nicht der Müll eines Industriebetriebs sein. Über die Herkunft des CO2 sollte regelmäßig berichtet werden.

· Der neue Elektrodenheizkessel soll ohne Ausnahme ausschließlich mit regenerativem Strom beheizt werden. So schreibt es BS-Energy. Diese Festlegung ist zu begrüßen.

Forderung:

– Auch über die Herkunft des Stromes für den Elektrodenheizkessel sollte berichtet werden.

BS-Energy hat jetzt einige Eckpfosten seines Zukunftskonzepts vorgestellt. Sowohl die Phase der Umbauten als auch die Entwicklungsschritte der Zukunftsplanungen sollten von den Bürgern der Stadt intensiv begleitet werden. Immerhin ist BS-Energy der größte Produzent der Stadt von schädlichen Klimagasen!

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